Der Erklärbär Was ist und wie geht Flag Football?

Band-oleros am Werk: Ein Flag Football-Schnappschuss von der Snow Bowl, dem traditionellen Hallenturnier der Ilm-Roosters von der Technischen Universität Ilmenau. Foto: Andreas Heckel

Außergewöhnliche Sportarten vorgestellt: Flag Football – der „(ab-)reißerische“ Sport aus den USA.

Ilmenau - In unserer Serie zur „Funktionsweise“ bekannter und nicht ganz so bekannter Sportarten geht es heute um Flag Football.

Was ist Flag Football?

Ganz einfach: Flag Football ist American Football in einer Leicht-Variante. Das heißt: Der Sinn des Spiels und die meisten Regeln sind in beiden Sportarten identisch – mit einer großen Ausnahme: Beim Flag Football darf der ballführende Spieler nicht körperlich attackiert werden, sondern man muss ihm eines jener Bänder (Flag), die er an seinem Gürtel trägt, abreißen. Dann gilt er als zu Boden gebracht und der Spielzug wird gestoppt. Da aber im Flag Football Körperkontakte generell verboten sind und man sich dabei also nur auf den balltragenden Spieler fokussiert ist es in Wahrheit gar keine Leicht-Variante des American Football, sondern des Rugby. Denn auch dort darf nur der balltragende Spieler attackiert werden, während sich beim American Football alle Spieler gegenseitig blocken und behindern können.

Der Ursprung

Da American Football seit jeher eine sehr körperbetonte und damit verletzungsanfällige Angelegenheit war – in frühen Jahren soll es dabei sogar zu Todesfällen und deshalb auch zu regierungsamtlichem Eingreifen gegen solche Auswüchse gekommen sein – wurde schon früh überlegt, diesen harten Körperkontakt zu unterbinden. So wurde zunächst der Touch Football erfunden, bei dem eine Körperberührung (Touch) genügte, um den Ballträger zu stoppen. Die Variante mit abzureißenden Bändern an einem Gürtel soll dann in den 40er-Jahren der letzten Jahrhunderts in der US-Army erfunden worden sein, um beim Football, der bei den Soldaten als Freizeitvergnügen von jeher sehr beliebt war, die Verletzungsgefahr zu vermindern. Diese Variante wurde dann auch im zivilen Sport immer häufiger aufgegriffen, sodass es heute in den USA mehr Flag Footballspieler gibt als „richtige“ Footballer.

In Deutschland gibt es Flag Football seit Mitte der 90er-Jahre des 20. Jahrhunderts, zunächst nur als Schulsport. Er verbreitete sich aber bald auch im Breitensport, und seit 1999 werden Punktspiele in Ligen ausgetragen.

Wichtiges zum Regelwerk

Grundgedanke: Wie beim „richtigen“ Football: Ein eiförmiger Ball muss hinter die Toraus-Linie der gegnerischen Mannschaft (Endzone) gebracht und dort niedergelegt werden (Touchdown). Ein Spielzug beginnt auch beim Flag Football damit, dass der Center am Anstoßpunkt einen Ball zurück zum hinter ihm stehenden Quarterback befördert, der dann den jeweiligen Angriffszug einleitet. Dieser wird abgebrochen, wenn dem Ballträger eine Flag entrissen wird, wenn der Ball „zu Boden geht“ oder ein Pass abgefangen wird.

Jede Mannschaft hat zunächst vier Versuche zur Verfügung, um bis zur Mittellinie zu kommen. Schafft sie das, bleiben ihr nochmals vier Versuche, um nun in die gegnerische Endzone zu gelangen.

Um nach einem Touchdown die dafür vergebenen sechs Punkte zu erhöhen wird nicht wie beim „richtigen“ Football gekickt, sondern es wird ein zusätzlicher Spielzug ausgetragen, der von einem vorgegebenen Abstand zur Endzone aus begonnen wird: Einen Punkt gibt es für einen erfolgreichen Spielzug von exakt fünf Metern, zwei Punkte bei einem erfolgreichem Spielzug von exakt zwölf Metern.

Ein Safety bringt zwei Punkte, wenn das Band des gegnerischen Ballträgers in dessen eigener End Zone gezogen wird.

Ein Spezialfall liegt vor, wenn der Spielzug zur Erhöhung nicht nur misslingt, sondern im Gegenzug sogar zu einem Touchdown des Gegners führt. Dann erhält diese Mannschaft zwei Punkte und danach das Angriffsrecht auf der eigenen 5-Yard Linie.

Weitere wichtige Spezialregeln:

Die Flags dürfen vom Spieler nicht mit der Hand oder mit dem Ball blockiert oder verteidigt werden. Sie dürfen auch nicht durch das Trikot partiell verdeckt sein.

Der Spielzug ist an jenem Ort beendet, an dem der Verteidiger die Flag vom Gürtel gezogen hat.

Für jenen Verteidiger, der den gegnerischen Quarterback nach Eröffnung eines Spielzuges attackiert, ist vor Beginn des Spielzuges ein Mindestabstand vorgeschrieben.

Insgesamt wird auf diese Weise ein weiträumiges Lauf- und Passspiel begünstigt, bei dem es auf Schnelligkeit und Gewandtheit, jedoch weniger auf Krafteinsatz ankommt. Das Verbot des Körperkontaktes erlaubt es zudem, Flag Football mit gemischten Mannschaften zu spielen.

Spielsysteme

Am gebräuchlichsten, auch in Nachwuchs-Altersklassen, ist die Fünf-gegen-Fünf-Variante ohne Körperkontakt. Auf das Blocken wird hier komplett verzichtet. Alle fünf Spieler sind berechtigt, Vorwärtspässe zu fangen. Damit sind auch alle Spieler in das Angriffsspiel eingebunden.

Darüber hinaus gibt es eine Semikontakt-Variante im Neun-gegen-Neun-System, das in der Deutschen Flag Football Liga (DFFL) gepflegt wird. Bei Semikontakt ist, ähnlich dem American Football, das Blocken erlaubt. Seit 2016 gibt es in der DFFL aber auch einen Spielbetrieb für die Fünfervariante.

Weitere Varianten spielt man in verschiedenen anderen Verbänden und Ländern. Eine 7er-Variante beispielsweise kommt gelegentlich zum Einsatz, wenn, etwa in einer Halle, nur ein beschränkter Platz zur Verfügung steht.

Ausrüstung

Es wird nur ein spezieller Gürtel mit den daran befestigten Flags benötigt. Es wird mit zwei Flags an den Hüften gespielt, die Flag-Größe beträgt 5 mal 38 Zentimeter. Die Flags müssen frei nach unten hängen. Befestigt sind sie mit einem Klettverschluss oder mit einer speziellen Steckverbindung.

Spielball

Ein Football ähnelt von der Form her einem verlängerten Rotationsellipsoid mit spitzen Enden, knapp 30 Zentimeter lang und bis zu 420 Gramm schwer. Er ist kleiner als ein Rugby-Ball, damit er besser mit einer Hand geworfen werden kann. Charakteristisch sind die acht Nähte auf einer Seite.

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