Der andere Lauschaer Kugelmarkt Anstehen ohne Murren

Doris Hein

Lauscha hat die Christbaumkugeln erfunden und dafür in diesem Jahr den Welterbe-Titel erhalten. Jedes Jahr wird an zwei Wochen ein großer Kugelmarkt gefeiert. Wegen Corona ist alles anders. Trotzdem kamen die Weihnachtsfans und hielten sich brav an die Einkaufs-Regeln.

Lauscha - „Die Besucher waren durchweg sehr freundlich – und froh, dass unsere Geschäfte geöffnet waren.“ So lautet das Fazit der Glasanbieter nach dem zweiten Advent, an dem Lauschas Hersteller der filigranen Dekorationen fürs schönste Fest des Jahres einmal mehr Tür und Tor für glasbegeisterte Besucher öffnen durften. Manche von ihnen, die vor Jahren als Kinder mit ihren Eltern hier ins Staunen gerieten, brachten nun selbst Kinder oder gar Enkel mit, um ihnen die bunte Vielfalt vor Ort zu zeigen. Doch es war nicht nur das Glas, das zum Schauen und Kaufen lockte und das die Gäste aus Nah und Fern inspirierte. Vielmehr sorgten die festlich beleuchteten Geschäfte und Straßen trotz fehlender Glühwein- und Bratwurstbuden für einen Hauch von Weihnachtsgefühl.

Der glitzernde Schnee tat ein Übriges, um bei den Besuchern die Sehnsucht nach ein wenig Weihnachtszauber und Normalität in dieser sonst so problem- und stressgeladenen Zeit zu stillen.

So etwa bei Familie Schäfer aus der Eiffel. Zu Hause hatten sie schon viel über den Kugelmarkt gehört und gelesen, doch mit einem Besuch hatte es nie geklappt. Deshalb ließen sie sich heuer auch von der Absage des Marktes nicht von ihrer Reise ins Thüringische abhalten und waren, wie sie betonten, angenehm überrascht von der großen Vielfalt der gläsernen Angebote. Von Geschäft zu Geschäft wuchs die Qual der Wahl angesichts der Fülle filigraner Weihnachtsdekorationen in gleichem Maße wie ihre Begeisterung, die sie „gar nicht in Worte fassen“ konnten. Etwa im „Glaslädle“ von Gabi König, wo unter 2G-Regeln nur zwei Personen oder eine Familie gleichzeitig Zutritt erhielten, was wiederum der Geschäftsinhaberin ermöglichte, jeden Interessenten ausführlich zu beraten.

Natürlich habe sie sich gefreut über all die Gäste, die vor dem Laden teils eine Stunde in der Schlange ausharrten, um sich mit Geschenken und Eigenbedarf fürs Weihnachtsfest einzudecken. Aber ebenso viele seien dann auch einfach weitergegangen, Kundschaft, die ohne die Corona bedingten Einschränkungen ihr Geschäft vermutlich auch frequentiert hätte. „Die Leute kamen wirklich von überall her“, hatte sie festgestellt. Schon deshalb, weil auch andernorts die Märkte abgesagt waren. Und sie nun hofften, direkt bei den Herstellern noch fündig zu werden. An vielfältigen eigenen Mustern und Farbkombinationen mangelt es da bei König nicht, moderne Varianten inklusive…

Claudia Ambros aus Nürnberg schwärmte im Laden von Dietbert Bätz von den vielen verschiedenen Glasvögeln. Sie kommt jedes Jahr zum Kugelmarkt nach Lauscha und findet immer wieder etwas Neues, natürlich auch zum Mitnehmen. „Gläserne Leidenschaft“ – der Name ist bei Familie Bätz Programm. Ihre frei geblasenen Objekte, die sich teils am viktorianischen Christbaumschmuck orientieren, sind einzigartige Kunstwerke.

Zuschauen konnte man in der Farbglashütte den Glasmachern, die am Hüttenofen bunte Rosenkugeln fertigten. Am Eingang hatte Gerd Heinz von den „Bürgerstuben“ die traditionelle „Weihnachtshütte“ geöffnet, wo für hungrige Gäste – streng nach 2G-Regeln – Wildgulasch und wärmende Getränke angeboten wurden.

Anders als beim Kugelmarkt sei der Andrang heuer nicht so groß, weshalb er den dennoch recht zahlreichen, äußerst interessierten Besuchern diesmal vor der Flamme zeigen könne, wie seine filigranen Schönheiten entstehen, erklärte Andreas Tresselt. Die Gäste jedenfalls fanden es gut, standen ehrfurchtsvoll staunend vor dem Brenner und nahmen nicht nur Glas, sondern eben auch viele besondere Eindrücke mit nach Hause. Im Vergleich zum vergangenen Jahr, da er in der Adventszeit den Laden geschlossen lassen musste, immerhin ein kleiner Fortschritt, fand der Glasbläser.

Bei „Jingle Bells“ denken Lauschaer weniger an das bekannte Lied, als vielmehr an Bärbel und Rolf Köhler, die unter diesem Namen Weihnachtsbaumschmuck aufblasen, versilbern, lackieren und dekorieren. „Ein durchwachsenes Wochenende“ lautete ihr Resümee. In einem Punkt aber waren sich alle Glasverkäufer einig: Die Besucher hatten sich sehr diszipliniert an die 2G-Regeln gehalten, nicht über die Kontrollen gemurrt, sondern viel Verständnis gezeigt, wie schon am ersten Wochenende...

 

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