Denkmalpreis Das Gesicht der Region erhalten

Quirin Hacker

Auf Schloss Todenwarth wurde der Denkmalpreis des Kreises verliehen. Die Gewinner kommen aus Breitungen, Wernshausen und Oberkatz.

Der Ort passte zum Geschehen: Den Denkmalpreis des Landkreises Schmalkalden-Meinigen nahmen die Ausgezeichneten dieses Jahr im denkmalgeschützten Schloss Todenwarth entgegen. Der Preis ehrt die Eigentümer vier historischer Gebäude, die vorbildlich denkmalgerecht saniert haben. Eine silberne Plakette, einen Scheck über 500 Euro und eine Urkunde erhielten Oliver Hauck und Luise Merbach für die Sanierung ihres Wohnhauses in Wernshausen, Robert Eberhardt für die Restaurierung des Rußwurmschen Hauses in Breitungen, Claudia Katrin Leyh und Detlef Nicolmann für die Sanierung des Herrenhauses im Rittergut Oberkatz und die Gemeinde Breitungen für die Restaurierungsarbeiten an der romanischen Basilika in Herrenbreitungen. Den Preis übergab Landrätin Peggy Greiser in Anwesenheit der Jury und etwa 15 weiterer Interessierter, unter ihnen viele Handwerker.

Bei der Renovierung ihres Wohnhauses in Wernshausen fanden Luise Merbach und Oliver Hauck die Jahreszahl 1755 auf einer Stufe der Kellertreppe eingraviert. Die Liebe zu alten Bauten haben ihre Eltern ihr vermittelt, sagt Merbach. Das Haus am Kirchberg 1 befand sich in schlechtem Zustand, als Oliver Hauck und sie es im Februar 2020 kauften. Putz überdeckte das Fachwerk und der Dachstuhl war marode. Gemeinsam mit lokalen Handwerkern erarbeiteten sie ein Konzept für die denkmalgerechte Sanierung. Merbach und Hauck leisteten viel Eigenarbeit. „Aber den Dachstuhl richte ich nicht selbst, den überlasse ich den Profis“, sagt Luise Merbach.

Der Lehmbauer und Zimmerer Tobias Schönemann sei ihr „Joker“ bei der Sanierung gewesen. Bei ihm besuchten sie einen Lehmbaukurs. Das dort vermittelte Wissen konnten sie direkt anwenden. Das Fachwerk füllten sie mit Flechtwerk aus, auch selbstgepresste Ziegelsteine aus Lehm kamen zum Einsatz. „Lehm ist der nachhaltigste Rohstoff überhaupt“, sagt Merbach. Sie kündigte an, die 500 Euro ebenfalls nachhaltig anzulegen: als Partygeld für die Handwerker.

Claudia Katrin Leyh und Detlef Nicolmann erhielten den Denkmalpreis bereits zum zweiten Mal. Dieses Jahr zeichnete sie Landrätin Greiser für die Sanierung des Herrenhauses des Ritterguts Oberkatz aus. Vor sieben Jahren übernahmen sie es von Leyhs Eltern und bauen es seitdem Stück für Stück aus. Auch sie erledigten vieles mit eigener Arbeit, beispielsweise das Ölen der Fußböden. Historische Baumaterialien für die Sanierung beschafften sie über eine Börse und durch Kontakte. Auf dem Dachboden fanden sie die originalen Türen, die sie gegen die Spanplattentüren austauschten, die noch aus DDR-Zeiten stammten. „Das war ein Riesen-Puzzle“, die passende Tür für jeden Durchgang zu finden, beschreibt Claudia Katrin Leyh.

Das Rittergut soll öffentlich nutzbar sein, der Belebung des ländlichen Raums dienen und das Zusammenleben der Generationen ermöglichen, so Leyh. Zurzeit wohnt ihre Mutter auf dem Gut. Als nächstes wollen Claudia Katrin Leyh und Detlef Nicolmann das Seitengebäude des Gehöfts renovieren.

Den Denkmalpreis für die Restaurierung der romanischen Basilika in Herrenbreitungen nahmen Bürgermeister Ronny Römhild und Cornelia Reum entgegen. Sie sitzt dem Förderverein Breitunger Basilika und Schloss vor. Landrätin Peggy Greiser nannte die Basilika das „strahlende Wahrzeichen des Ortes, das nun wieder in seinem Gesamtbild erlebbar ist.“ Im Gegensatz zu den privaten Bauherren erhielt die Gemeinde keinen Geldpreis.

Robert Eberhardt, der das Rußwurmsche Haus in Breitungen sanierte, konnte den Preis nicht persönlich entgegennehmen. Seine Mutter Andrea Eberhardt vertrat ihn. Ihr Sohn erwarb das Haus in der Amtsstraße 27 im Jahr 2013. Damals sei es in sehr schlechtem Zustand gewesen. Eberhardt habe das Dach neu gedeckt, die statischen Probleme an der Westflanke beseitigt, und Fassaden sowie Innenräume restauriert, zählte Greiser die baulichen Veränderungen in ihrer Laudatio auf.

Der Landkreis fördert denkmalgerechte Sanierungen jährlich mit bis zu 150 000 Euro. Das sei eine freiwillige Leistung, die andere Thüringer Landkreise nicht anböten, betont die Landrätin. Welche Bauarbeiten bezuschusst werden, lege die Denkmalförderrichtlinie fest, erklärte der Fachdienstleiter der Bauaufsicht, Jens Müller. Bis zu 50 Prozent der Renovierungskosten könne gefördert werden, maximal jedoch 3000 Euro. In vergangenen Jahren habe der Bedarf die verfügbaren Fördermittel etwa um die Hälfte überschritten, sagte Müller. Dieses Jahr konnte das Budget von 150 000 Euro jedoch nicht ausgeschöpft werden, weil in der unteren Denkmalschutzbehörde coronabedingt Personal fehlte.

„Ich wünsche mir, dass mehr Menschen den Mut dazu haben, denkmalgerecht zu sanieren“, sagte Landrätin Greiser. Fachwerkhäuser seien Teil der kulturellen Identität der Region, ziehe Touristen an und erhalte lokales Handwerk. Der Preis sei vor allem eine symbolische Ehrung der Menschen, die dieses kulturelle Erbe mit „Geduld und Spucke“ erhalten, sagte die Landrätin.

 

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