Demo in Sonneberg „Wahrheit wird uns freimachen“

Rund 300 Teilnehmer finden zur Versammlung auf dem Pikoplatz am Abend des zweiten Adventssonntags zusammen. Foto: Carl-Heinz Zitzmann

Sehr unterschiedliche Akzente setzen am Sonntagabend zwei Kirchenmänner: Derweil Martin Michaelis einmal mehr die Corona-Maßnahmen verteufelt, bedankt sich Pfarrer Rainer Kunz bei den Entscheidungsträgern in Bund, Land und Kreis für deren Anstrengungen, Gesundheit und Leben der Menschen in der Pandemie zu schützen.

Der große Schulterschluss zwischen Querdenkern und evangelischer Kirche, er war am Sonntagabend in Sonneberg nicht zu haben. Ein Jahr, nachdem der vormalige Steinacher Stadtpfarrer Martin Michaelis am zweiten Adventssonntag des Jahres 2021 auf Einladung einer „Initiative von Heilberufen“ eine Generalabrechnung mit den Corona-Ansteckungsschutzmaßnahmen vom Stapel ließ, hatten ihn die damaligen Veranstalter für den zweiten Adventssonntag dieses Jahres erneut eingeladen. Um die 300 Teilnehmer kamen zu der Kundgebung auf dem Pikoplatz – umrahmt mit Gesangseinlagen von Kristina Jakobs.

Den Schwerpunkt seiner Ausführungen legte Michaelis einmal mehr aufs staatliche Handeln in den Zeiten der Pandemie. Sich selbst setzte der streitbare Kirchenmann dabei als Opfer von gesellschaftlicher Spaltung, manipulativer Berichterstattung im Gefolge seines Hönbach-Auftritts und Anfeindungen von Verwandten, Freunden und Arbeitskollegen in Szene. Wie berichtet, war Michaelis in den Monaten nach seinem Redebeitrag an der Grenzkapelle das Vertrauen entzogen worden, weiterhin als Vorsitzender der Pfarrergesamtvertretung der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands zu wirken. Am Sonntag in Sonneberg kam der er hierauf zurück. Dabei machte er kenntlich, er sehe sich mit seinen mahnenden Worten von damals heute umfassend bestätigt. Zum Beleg berief er sich auf einen MDR-Bericht, in dem kürzlich die tödlichen Folgen eines Impfschadens in Dresden thematisiert wurden. In den Obduktionsbericht zum Sterbefall habe er, lange bevor der Fernsehen berichtete, Einsicht nehmen können. Noch heute würden die Wirkstoffe als Arznei und Heilmittel dargestellt, ein Status, den diese nicht beanspruchen könnten, schlussfolgerte er. Die Medien würden mit der Diffamierung kritischer Geister fortfahren, dabei „wertvolle Zeit vertun, in denen Leben gerettet werden kann“.

„Die Wahrheit wird uns freimachen“, eine Aufarbeitung ihrer „Fehlentscheidungen“ bleibe die Politik bisher schuldig. Auf Vergebung könnten die Verantwortlichen aber nur hoffen, wenn diese revidieren, was zu „Gesetzen geführt hat, die zu Unrecht den Schein des Rechts“ bekommen haben.

Pfiffe und Buhrufe für Rainer Kunze

Vom Pikoplatz machte sich der Tross hernach auf zur evangelischen Stadtkirche. Am Mikrofon vorm Kirchportal zeigte sich Demo-Anmelder Ulrich Nimz, Augenarzt in Sonnberg, eingangs erfreut, im Gegensatz zum Beisammensein von vor einem Jahr dieses Mal einen offiziellen Vertreter der evangelischen Kirche willkommen heißen zu können. Doch war im Anschluss der Beitrag von Rainer Kunz offenkundig so ganz und gar nicht nach dem Geschmack mancher Zuhörer. Der Sonneberger Pfarrer bezog sich – gleichauf Michaelis – ebenfalls mehrfach auf Martin Luther. Allerdings warb er, auch Einlassungen des Reformators zum Verhalten in Pestzeiten und zum Umgang mit der Obrigkeit zu beachten. Kunz bat anzuerkennen, dass Deutschland im Vergleich mit anderen Ländern eigentlich recht gut durch die Pandemie gekommen ist. „Den Regierenden ist zu danken“, in Stadt, Land und Bund. Auch äußerte Kunz, in Deutschland könne es keinen Zweifel daran geben, dass man in Frieden und Freiheit seine Meinung kund tun könne. Beschützt werden diese Grundrechte von der Polizei, so der Seelsorger. Man lebe in einem Land, „in dem die übergroße Mehrheit gut leben kann“, führte er aus. Innerer und äußerer Friede sind gewahrt.

Mit Pfiffen und Buhrufen bekam Kunz diese Zusammenfassung quittiert – „so viel zum Thema Meinungsfreiheit“, entgegnete der wiederum dem erbosten Publikum. Ein nicht geringer Teil der Zuhörerschaft wandte sich in der Folge ab und verzichtete darauf Kunzes Einladung zum gemeinsamen Gebet für den Frieden zu folgen.

Beendet wurden Demo und Kundgebung schließlich von Nimz, der einlud sich gegebenenfalls zum Kehraus noch bei einem Glas Glühwein auszutauschen. Das letzte Wort nahm sich vor ihrem Liedvortrag Ines Ehrlicher, die es unfassbar nannte wie „dieser Mensch“ die schöne, gemeinsame Stimmung beschädigt habe.

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