Ein anderes Kunstwerk auf dem Königsplatz ist nach Protesten verschwunden: die documenta-Treppe von Gustav Lange. Sie wurde für die documenta 9 (1992) auf dem Königsplatz errichtet. Über sie wurde jahrelang gestritten – auch juristisch. 2000 ließ die Stadt das "Elefantenklo" in einer Nacht-und-Nebel-Aktion abreißen.
Röhre am Rhein und ein goldener Erdogan
Am Rheinufer im Wiesbadener Stadtteil Kastel bekamen Kritiker Unterstützung vom Steuerzahlerbund. Er nahm die "Pixelröhre" – eine verspiegelte, begehbare Skulptur mit Ausblick auf das gegenüberliegende Mainz – 2022 in sein berüchtigtes Schwarzbuch auf. Mit 350.000 Euro sei das Kunstwerk zu teuer und außerdem "unnötig groß".
Aus Furcht vor Ausschreitungen wurde 2018 in Wiesbaden eine Statue des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan abgebaut. Sie war Teil des Kunstfestivals Wiesbaden Biennale und sorgte für internationale Schlagzeilen. Fans und Gegner des türkischen Präsidenten lieferten sich unter der goldenen Gipsfigur heftige Wortgefechte.
Symbol für Offenheit, Vielfalt und Verbundenheit?
Und auch in Frankfurt lassen sich Fürsprecher finden: In der Lesart der Auftraggeber steht das farbenfrohe Kunstwerk "für Offenheit, Vielfalt und internationale Verbundenheit". Anlass für den Auftrag war der Titel "World Design Capital 2026 Frankfurt und Rhein-Main", unter dessen Dach das ganze Jahr über zahlreiche Ausstellungen und Aktionen stattfinden.
Auf der Homepage des "WDC" wird das Kunstwerk noch tiefer interpretiert: "Die Balance der Farben symbolisiert sowohl das Zusammenspiel unterschiedlicher kultureller Perspektiven als auch das Verhältnis zwischen Mensch und Natur." Das Netz reflektiere auch das "WDC"-Leitthema "Design for Democracy": "Es lässt sich als Sinnbild für das Zusammenleben in einer demokratischen Gesellschaft verstehen: Jeder Knoten zählt, jede Verbindung trägt zur Stabilität des Ganzen bei."
Was passiert jetzt in Frankfurt nach der Kritik?
Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) ist von der deutlichen Kritik an einer Kunstinstallation in der Innenstadt überrascht. Dass das Kunstwerk so polarisieren werde, damit habe sie nicht gerechnet, sagte sie. "Gleichwohl bin ich sehr überzeugt von diesem Experiment."
Sie habe aber Verständnis für die Kritik. "Viele Menschen treibt ganz anderes um, sie haben finanzielle Sorgen, die Weltordnung verändert sich dramatisch und Unsicherheit greift um sich", sagte sie. "Und da geben wir als Stadt Frankfurt so viel Geld für ein Kunstwerk aus. Das gefällt nicht allen. Das nehmen wir sehr ernst."