Dampflok & Co. Nostalgie auf dem Weg zum Abstellgleis

Erst einmal dem aktuellen Bahnverkehr wieder auf die Schiene verhelfen – da fehlt in Thüringen das Geld für Dampf-Nostalgie. Foto: dpa/Stefan Puchner

Vor einem Jahr war die Zuversicht noch groß: Das Land hatte das Bahn-Nostalgieprogramm für die Jahre 2022 bis 2027 neu ausgeschrieben. Nun kam das Aus für die beliebten Fahrten.

Erfurt - Eisenbahnfans – Spötter sprechen gern auch von „Pufferküssern“ – sind eigentlich ein treues Publikum. Sie begeistert es, wenn es so richtig schnaubt und dampft, wenn alte Eisenbahntechnik (und da darf es auch dieselbetrieben oder gar elektrisch sein) so richtig ins Rollen kommt. Aber auch Familien finden sich regelmäßig als Fans der Technik – beim Ostsee-Urlaub sind Fahrten mit dem „Rasenden Roland“ oder der „Molly“ quasi Pflicht-Programm. Vor diesem Hintergrund war bislang auch das Bahn-Nostalgieprogramm in Thüringen angesiedelt.

Ja, es „war“. Denn jetzt kam recht überraschend zum Jahresende das Aus für die beliebten Nostalgie-Fahrten, die unter Namen wie „Rodelblitz“, „Elstertal-Express, „Rotkäppchen-Express“ oder „Wartburg-Express“ bekannt geworden sind. Ein Sprecher des Thüringer Infrastrukturministeriums bestätigte am Freitag auf Anfrage, dass das Programm zum Jahresende ausläuft.

Der Grund dafür ist wenig nostalgisch und auch gar nicht romantisch: Es ist schlicht kein Geld mehr da für die Nostalgiefahrten. Im MDR wird ein Verantwortlicher mit den Worten zitiert, der öffentliche Nahverkehr habe erst einmal absoluten Vorrang, er müsse nach den Verlusten wegen der Corona-Pandemie stabilisiert und ausgebaut werden.

Das Land hatte sich die bisher unter der Regie der Bahn-Tochter DB Regio organisierten Fahrten jährlich rund 500 000 Euro kosten lassen. Davon wurden Fahrten auf 16 Routen an 25 Tagen pro Jahr mit 6600 Zugkilometern organisiert, größtenteils mit Dampfloks, aber auch mit historischen Dieselfahrzeugen.

Die seit mehr als 20 Jahren angebotenen Nostalgiefahrten hätten sich „zu einem festen Bestandteil des touristisch orientierten Eisenbahnverkehrs in Thüringen entwickelt“ und seien über die Grenzen des Freistaats hinaus bekannt, warb die Landespolitik bislang für das Projekt. Man bezuschusse die Fahrten aus zwei Gründen: Zum einen setzt man darauf, dass die Dampfloks auch Werbung für den regulären Bahnverkehr machen und dort zu Fahrgastzuwachs führen. Zum anderen unterstützten die Fahrten mit deutschlandweiter Kundschaft die Thüringer Tourismuslandschaft, was sich in Übernachtungen und Besuchen weiterer Reiseziele niederschlage.

Den Angaben zufolge waren die Thüringer Nostalgiefahrten sehr gut nachgefragt und regelmäßig ausverkauft. Rund 9000 Fahrgäste waren im Vor-Corona-Jahr 2019 gezählt worden, das entspricht rechnerisch einer Subvention von rund 55 Euro pro Fahrkarte.

Urheber des Dampflokprogramms waren Bahn-Enthusiasten bei DB Regio, bei der einstigen landeseigenen Nahverkehrsgesellschaft und aus dem Umfeld des Vereins „IGE Werrabahn Eisenach“. Im Zusammenspiel aus staatlichen Geldern, Aktivitäten der DB und ehrenamtlichen Helfern konnte ein Traditionszug mit historischen Reichsbahn-Waggons im Bestand der DB erhalten werden. Gezogen werden die meisten Züge von einer Dampflok der legendären Baureihe 41, die auf Landeskosten aufgearbeitet wurde und vom Werrabahn-Verein gewartet und betrieben wird.

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