Covid Games Kreisklasse schlägt alle

Die Abschlusstabelle der Covid Games, der Trainingsmeisterschaft in Pandemie-Zeiten: Punkte gab es für gelaufene und mit dem Rad gefahrene Kilometer sowie für mehrere Sonderprüfungen wie Liegestütz. Foto: SV Dietzhausen

Mehr als 120 Sportler machen bei den Covid Games des SV Dietzhausen mit. Vier Wochen lang wird gegeneinander angetreten. Das Fußball-Team aus der untersten Liga gewinnt. Wie hat die SG Dolmar Kühndorf das gemacht?

Dietzhausen - Am Ende konnten sich alle über diese bislang eher verborgenen Talente nur noch wundern. Da müsse wohl ein eigens engagiertes Marathon-Team am Dolmar nonstop seine Runden drehen und Kilometer für Kilometer aufs Vereins-Punktekonto einzahlen, mutmaßte man. Florian Winkler und Sebastian Wendt vom SV Dietzhausen, die Erfinder der Covid Games, mussten lachend grübeln nach vier Wochen Wettkampf in Corona-Zeiten.

Die Spielgemeinschaft SV Dolmar Kühndorf, ihres Zeichens Vierter in der 1. Kreisklasse (Staffel 3), der untersten Spielklasse im Fußballkreis Rhön-Rennsteig, hat die Trainingsmeisterschaft souverän für sich entschieden. Diese bestand aus den Disziplinen Laufen (100 km entsprechen 1 Punkt), Radfahren (200 km gleich 1 Punkt) sowie wöchentlichen Sonderprüfungen.

Dass es genau so kommen könnte, sei bereits nach der ersten von vier Wochen absehbar gewesen, erklären die Spiele-Erfinder Florian Winkler und Sebastian Wendt. Bereits in der ersten Woche spulen die Kühndorfer 291,2 Lauf-Kilometer ab. Auf Platz zwei schafft es der 1. Suhler SV, einer von drei Fußball-Klubs aus der Landesklasse. 261,4 Kilometer stehen beim SSV zu Buche, in der zweiten Woche sinkt der Wert auf 218, dann auf 98. Suhls Trainer Bernd Eckert hat Verständnis für den Einbruch seines Teams. Die sich abzeichnende Entscheidung des Thüringer Fußball-Verbandes, die Saison 2020/2021 abzubrechen, sei nicht spurlos an den Spielern vorübergegangen. Als der Saisonstopp unausweichlich scheint, lässt der Elan nach. „Da habe ich richtig gemerkt, wie die Motivation wegbrach. Ich hatte danach nur noch wenig Chancen, die Jungs zu motivieren. Vor den Covid Games war die Beteiligung noch deutlich besser“, erzählt ein mindestens genauso enttäuschter Bernd Eckert am Telefon. Der überraschend gute Platz vier in der Landesklasse (Staffel 3) blieb ohne Happy End. „Ich bin stolz auf die Jungs, dass wir das erreicht haben. Wir haben für unsere Verhältnisse eine gute Saison gespielt. Das nehmen wir mit in die neue Saison“, so Bernd Eckert.

Die Corona-Krise nagt an den Nerven der Menschen. Auch an denen der Amateursportler, die seit Monaten im Ruhemodus verharren müssen. Das merkt man auch an der Beteiligung bei den Covid Games des SV Dietzhausen.

Sieben Vereine machen mit, insgesamt sind es zwischen 120 und 140 Sportler, die Kilometer und Punkte sammeln. Fragt man Dietzhausens Trainer Sebastian Wendt, wer aus seiner Mannschaft die aktivsten und fleißigsten waren, sagt er: „Hauptsächlich die alten Hasen.“ Wendt selbst gehörte neben Christian Weigelt – beide sind 38 Jahre alt – zu den ausdauerndsten Radfahrern.

In der Disziplin Laufen sind die Rückmeldungen besser. Vor allem Überflieger Dolmar Kühndorf verfügt über sehr sportliche Beine, die anscheinend fürs Laufen gemacht sind. Der gute Start in den ungewöhnlichen Wettbewerb, glaubt Sebastian Wendt, habe sie extrem motiviert: „Nach der ersten Woche waren sie schon sehr weit vorne.“ Und tatsächlich bekommen die Kreisklasse-Kicker auch in den drei folgenden Wochen jeweils die meisten Punkte gutgeschrieben. Covid Games-Mitgründer Florian Winkler hat die Zahlen ausgewertet: „Sie haben mit zehn Leuten einen Wochenschnitt von 36 Kilometern pro Person geschafft, jede Woche also 360 Kilometer abgerissen – im Schnitt jeder fast einen Marathon.“

Trotzdem: Auch Erfinder-Verein SV Dietzhausen kann sich auf die Schulter klopfen. Beim Radfahren ist man beinahe immer absoluter Spitzenreiter. Und Sebastian Wendt ergänzt, dass man ebenfalls die nicht zu unterschätzende Sonderprüfung im Bier-Exen, die „Königsdisziplin der Kreisliga“, für sich entschieden habe. „Auch deswegen hat uns Kühndorf zum Sportfest eingeladen. Sie wollen eine Revanche!“, so Wendt.

Genau diese Begleitumstände sind ein wichtiger Punkt, warum die Macher der Covid Games ihre Trainingsmeisterschaft in der fußballfreien Zeit als Erfolg einstufen. „Als Mannschaften haben wir uns gut verstanden. Wir haben Kontakte geknüpft. Den Grundgedanken haben wir umgesetzt: Es hat Spaß gemacht“, sagt Dietzhausens Trainer.

Aber mit dem Ende der Covid Games steht Sebastian Wendt vor derselben Herausforderung wie alle anderen Übungsleiter, die ihre Mannschaft nach Monaten des Sportverbots irgendwie weiter bei Laune halten müssen. Eine baldige Neuauflage der Covid Games sei nicht geplant, sagt ein hörbar ernüchterter Sebastian Wendt. „Es ist keine Verlängerung geplant, weil du jetzt einfach kein Ziel mehr hast. Ich hatte gehofft, dass es nach den Covid Games etwas gibt. Nun bin auch ich mit meinem Latein am Ende.“

Ein wichtiges Ziel gebe es aber trotzdem noch. Die sieben Mannschaften, die sich an der vierwöchigen Trainingsmeisterschaft beteiligt haben, werden sich weiterhin für den sportlichen Nachwuchs stark- machen; damit zumindest der wieder gemeinsam trainieren darf. Sonst sei die Gefahr groß, meint Sebastian Wendt, dass man einen Großteil an die Spielekonsolen verliere.

Und der Vollblut-Fußballer ergänzt kämpferisch: „Sport ist nicht das Problem, Sport ist Teil der Lösung!“

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