Die Impfdurchbrüche seien zum einen auf das Ein-Dosis-Impfschema zurückzuführen – und nur für dieses habe die Firma bislang eine Zulassung, so Bogdan. Zum anderen entwickelten die Über-60-Jährigen, bei denen das Vakzin in Deutschland aufgrund seines Nebenwirkungsprofils primär angewendet werde, wiederum nach Impfungen im Vergleich zu jungen Menschen eine geringere und weniger lang anhaltende Immunantwort. Als dritter Faktor komme dann aber auch noch die hochinfektiöse Delta-Variante hinzu, sagt Bogdan.
Zahlen aus Frankreich
Auch beispielsweise in Frankreich gibt es derweil Hinweise dafür, dass der Johnson-&-Johnson-Impfstoff weniger wirksam sein könnte. Krankenhäuser in Marseille und Tours berichteten zuletzt, dass auffallend viele Geimpfte auf der Intensivstation das Präparat von Johnson-&-Johnson erhalten hatten. In Marseille waren es mit Stand Dienstag vier von elf Eingelieferten, in Tours drei von neun.
Insgesamt infizierten sich in Frankreich seit Beginn der Impfungen mit dem Johnson-&-Johnson-Impfstoff Ende April etwa 32 von gut einer Million mit dem Präparat geimpften Menschen mit Covid-19. Frankreichs Medikamentenbehörde spricht in diesem Zusammenhang von „Impfversagen“. Die Zahl sei potenziell ein Signal. In den 17 Fällen, bei denen die Virusvariante bekannt ist, hatten sich Menschen mit Delta angesteckt, hieß es in einem Bericht.
Mit Blick auf die aufkeimende Diskussion, ob folglich eine zweite Impfdosis empfohlen oder vorgeschrieben werden müsste, erklärt Stiko-Mitglied Bogdan, dass die Firma aktuelle Studien zur Impfung mit dem Vakzin in einem Zwei-Dosis-Schema durchführe. Publizierte Ergebnisse in begutachteten Fachjournalen lägen aber noch nicht vor.
Dennoch: Immunologe Watzl stellt klar, dass der Johnson-&-Johnson-Impfstoff vor einer schweren Corona-Erkrankung sehr wohl schützt. Eine Sprecherin des Pharma-Riesen Johnson-&-Johnson sagt, dass kein Corona-Impfstoff derzeit Infektionen zu 100 Prozent verhindern könne. „Unser zugelassener Covid-19-Impfstoff als Einmaldosis kann jedoch nachweislich dazu beitragen, das Infektionsrisiko zu verringern und schwere Verläufe zu vermeiden“, betont sie. Für die Einmal-Dosis-Impfung wiesen Daten auf eine robuste und langanhaltende Wirkung über einen Zeitraum von bisher gemessenen acht Monaten hin – auch gegen Delta und andere Virus-Varianten.
EMA betont Schutzwirkung
Eine Sprecherin der EMA betont ebenfalls, dass generell alle in der EU zugelassenen Impfstoffe ein hohes Maß an Schutz gegen das Virus böten. Das Johnson-&-Johnson-Vakzin habe in klinischen Studien einen hervorragenden Schutz vor schweren Erkrankungen gegen die Beta-Variante gezeigt, obwohl der Schutz vor leichten Erkrankungen geringer sei. Um ein endgültiges Urteil über die Wirksamkeit des Impfstoffs auch gegen die Delta-Variante zu fällen, seien die Zahlen der jüngsten Studien aber noch zu gering, wendet sie ein.
In Frankreich empfiehlt die Gesundheitsbehörde mittlerweile nach einer Impfung mit Johnson-&-Johnson eine Auffrischungs-Impfung mit einem mRNA-Impfstoff. Die vorhandenen Daten könnten die langfristige Wirkung der Einmalimpfung gegen Delta nicht bestätigen.
Ist eine Kreuzimpfung sinnvoll?
Laut Watzl haben auch die Gesundheitsminister in Deutschland eine Empfehlung herausgegeben, dass alle mit dem Impfstoff von Johnson-&-Johnson (und auch Astrazeneca) geimpften Menschen nach sechs Monaten mit einem mRNA-Impfstoff geimpft werden. „Immunologisch macht das absolut Sinn, da wir bereits wissen, dass so eine Kreuzimpfung wunderbar funktioniert und einen sehr guten Schutz gibt“, so Watzl. Offiziell angeboten werden diese Auffrischungs-Impfungen aber noch nicht.
Von Seiten der EMA-Sprecherin heißt es dazu: Vor Empfehlung einer Kreuzimpfung bei dem Vakzin müssten noch entsprechende Daten ausgewertet werden. Man erwarte aber, dass sich ein solches als heterolog bezeichnetes Impfschema auch beim Johnson-&-Johnson-Impfstoff als geeignet entpuppen werde.