Coronaimpfungen in Suhl Drohungen gegen Hausärzte

Zu Coronaimpfungen Foto: dpa

Die Coronaimpfungen standen erneut im Sozialausschuss auf der Tagesordnung. Ein Thema, das viele Fragen aufwirft und auch reichlich Zündstoff mitbringt, wie Drohbriefe an impfende Ärzte zeigen.

Suhl - Einen Überblick zum Stand der Coronaimpfungen in Suhl gab Allgemeinmedizinerin Anke Sperling, die zugleich Stadträtin der Freien Wähler ist, im Sozialausschuss am Mittwoch. Demnach liefen die Impfungen in Suhl, wie andernorts auch, schleppend. Das sei hinreichend bekannt, meinte sie. Und mit Impfbussen und Aktionen wie Familienimpfen oder Impfen ohne Termin werde Verschiedenes versucht, um das Tempo zu beschleunigen.

Impfquoten in Suhl sind noch ausbaufähig

Nach aktuellen Zahlen liegt die Impfquote der über 18-Jährigen deutschlandweit bei 86,4 Prozent, deutlich darunter der Thüringer Wert von 59,2 Prozent und auch die Suhler Quote mit 58,3 Prozent. Damit belegt die Stadt den fünften Platz im Freistaat. Bei den Geimpften, die älter als 60 Jahre sind, sehen die Zahlen noch mal anders aus: Hier beträgt die deutschlandweite Impfquote 84,6 Prozent, die landesweite 79,7 Prozent und in Suhl liegt die Quote bei 81,4 Prozent, was der sechste Platz unter den Kreisen und kreisfreien Städten im Freistaat ist. Angesichts des sehr hohen Altersdurchschnitts in der Stadt schätzt Amtsärztin Marion Peterka diesen Wert als schlecht ein und empfiehlt dringend, dass sich jeder Ungeimpfte mit seinem Hausarzt in Verbindung setzt und sich beraten lässt.

Die Zurückhaltung bei den Impfungen spürt man derweil in der Impfstelle Suhl. Anke Sperling, die auch Suhler Obfrau der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) ist, führte im Ausschuss aus, dass die Einrichtung ihre Öffnungszeiten aufgrund der geringen Nachfrage nach Terminen deutlich reduziert habe. „Es wird nur noch eine Schicht gefahren, die teilweise auch nur eine Stunde dauert“, sagte die Hausärztin. Daran haben auch die Auffrischungsimpfungen nichts geändert – zumindest bislang.

Fragen zur Auffrischung und zum Grippeschutz

Während zur Ausschusssitzung am Mittwoch noch galt, dass laut Ständiger Impfkommission (Stiko) zunächst nur Immungeschwächte eine dritte Impfung erhalten sollen, empfiehlt die Stiko nun allen Geimpften ab 70 Jahren, ihren Schutz gegen das Coronavirus mit einer dritten Impfung aufzufrischen. Wobei dies in Thüringen und anderen Bundesländern mitunter schon so gehandhabt wurde. Entsprechend gab es auch einige Fragen seitens der Ausschussmitglieder dazu.

Ebenso zum Thema gleichzeitige Coronaimpfung und Grippeschutzimpfung. Die beiden Totimpfstoffe könnten parallel verabreicht werden, beantwortete Anke Sperling eine Frage von AfD-Stadtrat Andreas Unger. „Ganz praktisch wäre das linker Arm, rechter Arm“, meinte sie. Ob man das tue, müsse jeder Arzt selbst entscheiden. Schließlich seien eventuelle Nebenwirkungen dann nicht einem Serum zuzuordnen. „Ich würde es nicht machen.“

Suhler Ärzte erhalten anonyme Drohbriefe

Aber Anke Sperling führt weiterhin Impfungen gegen das Coronavirus durch, auch wenn sie und andere Suhler Hausärzte deswegen mittlerweile bedroht werden. „Wir haben anonyme Briefe mit Drohungen erhalten“, sagte die Medizinerin. Es gebe Hinweise, dass die Schreiben von den sogenannten „Souveränen Bürgern Thüringens“ stammten, wusste Grünen-Stadtrat und Hausarzt Bernhard Hofmeier zu berichten, der in seiner Praxis ebenfalls Coronaimpfungen vornimmt. Es laufe bereits eine Anzeige gegen Unbekannt, so Anke Sperling.

 

Bilder