Corona-Pandemie in Südthüringen Protestieren und Posieren – Impfgegner vor dem Landratsamt

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Protest vor der bevorstehenden Impfpflicht im Gesundheitswesen ... Foto: Heiko Matz

Mehrere Dutzend Menschen haben sich am Donnerstagnachmittag vor dem Landratsamt des Wartburgkreises versammelt, um gegen einen „Impfzwang“ zu protestieren, darunter offenbar zahlreiche Beschäftigte des Gesundheitswesens. Doch es gab auch ganz andere Botschaften.

Bad Salzungen - Diesmal kein „Spaziergang“. Stattdessen gab es am Donnerstagnachmittag ein Zusammentreffen vor dem Landratsamt in Bad Salzungen, für das zuvor in einschlägigen Online-Kanälen von hiesigen Gegnern der Coronapolitik geworben wurde. Mehrere Dutzend Menschen – hundert laut offizieller Polizeischätzung – versammelten sich vor dem Gebäude. Darunter auffallend viele junge Frauen, die dort Kerzen abstellten samt Kopien ihrer Ausbildungszertifikate. Warum? Weil sie – wie auch viele andere hier – in der Pflege arbeite und sich nicht impfen lassen wolle, sagt eine auf Nachfrage. Und wenn die Impfpflicht im Gesundheitswesen Mitte März komme, sei sie ihren Job wohl los. Sie ist nicht die Einzige. Eine ganze Reihe Kerzen trägt „M&I“ als Aufschrift, offensichtlich sind mehrere Mitarbeiterinnen der gleichnamigen Bad Liebensteiner Klinik in Bad Salzungen dabei. „Aus Protest“ werfen viele die Zertifikate – versehen mit Anti-„Impfzwang“-Botschaften – in den Briefkasten des Landratsamtes.

Daneben: Einer, der gefühlsduselige Empathie-Botschaften verteilt. Ein anderer, der das Ganze keineswegs Protestveranstaltung nennen will. Und auf die Frage, was es denn dann sei, nicht mehr mit einem reden will. Auch verschwörungstheoretische und übliche „Spaziergangs“-Botschaften sind zu lesen. Die Behauptung, dass die Covid-Impfung töte, wird daneben laut. Man habe das ja selbst schon erlebt. Dann werden Bilder und Videos vor den Kerzen gemacht, es wird posiert. Manches davon landet – davon kann man ausgehen – noch am Abend im Netz, zur Selbstvergewisserung.

Nach einer Dreiviertelstunde löst sich das Ganze allmählich auf. Und alles war bis dahin ruhig verlaufen. Dennoch, sagt Polizei-Einsatzleiter Uwe Metz, bleibe es eine unangemeldete Versammlung und verstoße gegen geltendes Recht. Wo man diese doch durchaus hätte anmelden können, wenn man Protest ausdrücken will. So aber wird von Einzelnen – nachvollziehbar auch politisch motiviert – in der Anonymität des Internets dazu aufgerufen, wie bei den „Spaziergängen“. Und, so Metz: „Viele der Leute sind sich nicht darüber klar, wem sie hier eigentlich hinterherlaufen.“

 

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