Corona Narretei soll nicht zu Verstößen mutieren

Kostümierte beim umstrittenen Lichtmess-Umzug in Jüchsen. Foto: privat/FW

Nach dem illegalen Umzug in Jüchsen schlagen die Wellen hoch. Polizei und Landratsamt warnen, viele Bürger des Ortes sehen sich ins falsche Licht gerückt.

Jüchsen/Meiningen/Suhl - Aus dem Karnevalsruf „Lichtmess ohe!“ wurde spätestens am Sonntagnachmittag „Lichtmess oje ...“: Nach dem illegalen Lichtmess-Umzug im Grabfeldort Jüchsen, der mit einem Polizeieinsatz endete, ist das mediale Interesse groß. Auch, dass Jüchsener selbst zahlreiche Videos und Bilder ins Netz gestellt haben, bringt die nun ungeliebte Aufmerksamkeit. Eine Frau sagt: „Je weiter die weg sind, desto genauer wissen die scheinbar, was hier los war“ und bezieht sich damit vor allem auf einen Bericht im Privatfernsehen. Zahlreiche Bürger des Ortes weisen auch in Zuschriften an diese Zeitung darauf hin, dass sie sich in ein falsches Licht gerückt sehen: „Hier wurde aus einer Mücke ein Elefant gemacht“ oder „Wir halten uns selbstverständlich an die geltenden Regeln“, heißt es darin beispielsweise. Ortsteilbürgermeisterin Beate Heßler sagt dieser Zeitung: „Wir müssen wieder zur Normalität zurückkommen und hoffen, dass nächstes Jahr Lichtmess wieder so gefeiert wird, wie es gute Tradition ist.“

Unterdessen betreiben die Polizei und das Landratsamt Schmalkalden-Meiningen Prävention. Mögliche Nachahmer des illegalen Treibens und der Auseinandersetzung mit der Polizei vom Sonntag werden mit Blick auf die bevorstehenden beiden – eigentlich närrischen – Wochenenden gewarnt: „Eine legale Karnevalsveranstaltung ist aufgrund der aktuellen Verordnungslage und des hohen Infektionsgeschehens im Landkreis einfach nicht möglich“, teilt Vizelandrätin Susanne Reum mit. Sie leitet auch den Krisenstab des Landratsamtes. Die Polizei werde mit den zuständigen Behörden ab sofort auch für andere närrische Veranstaltungen die notwendigen Maßnahmen treffen. Nochmals wird auf die Folgen hingewiesen. „Neben dem hohen Infektionsrisiko und gesundheitlichen Folgen ziehen solche Aktionen auch empfindliche Sanktionen mit sich“, heißt es: Die möglichen Straftatbestände reichen vom Tatbestand der Nötigung, der mit Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren oder Geldstrafen belegt ist, bis zu einer Gefährdung des Straßenverkehrs (bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe und Beschlagnahme des Führerscheins), Verstoß gegen das Pflichtversicherungsgesetz und die Abgabenordnung (Steuerhinterziehung), die ebenfalls mit empfindlichen Geld- und Freiheitsstrafen belegt sind, sowie diverse Ordnungswidrigkeiten. Hinzu kommen mögliche Corona-Bußgelder, etwa für die Teilnahme an nicht genehmigten Ansammlungen (200 Euro), privatem beziehungsweise gewerblichem Alkoholausschank (200 Euro beziehungsweise bis zu 10 000 Euro) oder auch das Nichttragen einer qualifizierten Mund-Nase-Bedeckung (60 Euro Strafe).

Derzeit würden bereits die am Sonntag in Jüchsen aufgenommenen Anzeigen bearbeitet und weiteres Videomaterial gesichtet, um Identitäten der Teilnehmer festzustellen und Regelverstöße anzuzeigen. Derzeit gehen die Behörden davon aus, dass sich 40 bis 50 Personen ordnungswidrig verhalten haben, sagt Landratsamtssprecher Christopher Eichler am Mittwoch.

Autor

 

Bilder