Corona-Medikament Landen Tausende Packungen Paxlovid in der Tonne?

Bernhard Walker
Das Zeitfenster, in dem man Paxlovid verschreiben kann, ist schmal. Foto: //Chris Sweda

280 000 Dosen des Coronamedikaments drohen hierzulande im Februar abzulaufen. Hauptgrund: Bisher wird es kaum verschrieben. Das liegt auch an seinen Wechselwirkungen.

US-Präsident Joe Biden hat es nach seiner Corona-Infektion genommen – so wie Gesundheitsminister Karl Lauterbach auch. Damit ist Lauterbach aber eine Ausnahme. Denn in Deutschland wird das antivirale Medikament Paxlovid, das schwere Verläufe einer Covid-19-Erkrankung verhindern soll, wenig verordnet. Deshalb droht, dass im Februar 280 000 Packungen des Medikaments vernichtet werden müssen. Dann läuft ihr Haltbarkeitsdatum ab, heißt es in einem Schreiben des Bundesgesundheitsministeriums an den CSU-Abgeordneten Stephan Pilsinger.

Mittel muss schnell verordnet werden

Im Frühjahr hatte Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) eine Million Dosen Paxlovid bestellt. Damit es optimal wirkt, muss es spätestens fünf Tage nach Beginn einer Infektion eingenommen werden. Wenn also jemand einen positiven Schnelltest hat, kommt es darauf an, dass ihm ein Arzt das Mittel schnell verordnet. Dann wird es ihm mit dem Botendienst von einer Apotheke zugestellt. Es gibt keine verlässliche Angabe darüber, wie oft das Mittel verordnet worden ist. Schätzungen pendeln zwischen 10 000 und 30 000 Patienten, die in Deutschland Paxlovid bekamen.

Lauterbach drängt schon seit geraumer Zeit darauf, dass es mehr werden. Für Ältere, sagt er, sei das Mittel lebensrettend, wenn es schnell eingesetzt werde. Der Minister schlägt deshalb vor, dass Ärzte das Medikament künftig selbst an ihre Patienten abgeben. Die Apothekerverbände lehnen den Vorstoß strikt ab. Das Problem, so die Apotheker, sei nicht, dass sie das Medikament nicht rasch lieferten – sondern, dass die Ärzte es selten verordneten. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) dagegen begrüßt die avisierte Änderung, möchte aber die Fachärzte einbinden. Der Grund: Mediziner sollten genau prüfen, ob es sinnvoll sei, einem Infizierten Paxlovid zu geben. Für viele Menschen mit Vorerkrankungen sei das der Fall. Allerdings steht auch fest, dass das Präparat ungünstige Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auslösen kann.

Kein „Gamechanger“ in der Pandemie

Auf die Krux mit den möglichen Wechselwirkungen weist auch Ulrich Weigeldt, der Chef des Hausärzteverbands, hin. Er mahnt deshalb die Politik, keine falschen Erwartungen zu wecken. „Paxlovid kann für eine kleine Gruppe an Hochrisikopatientinnen und Patienten sehr hilfreich sein. Es ist jedoch kein ‚Gamechanger‘ für die breite Bevölkerung“, sagt Weigeldt. Der Bremer Pharmakologe Bernd Mühlbauer rechnet nicht damit, dass die Ärzte mehr Paxlovid verordnen, wenn sie das Medikament selbst abgeben dürfen. Dafür sei die Frage der Wechselwirkungen zu komplex: „Die Ärzte haben einen Heidenrespekt davor – zu Recht“, so Mühlbauer in der „Pharmazeutischen Zeitung.“ Treffen Weigeldts und Mühlbauers Einschätzung zu, dürfte sich Lauterbachs Großbestellung weiterhin als Ladenhüter erweisen.

 

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