Corona Inzidenz steigt auf 150: Warum der Landkreis wieder Spitze ist

Abstrich für einen Schnelltest: Im Landkreis Hildburghausen werden positive Ergebnisse wieder häufiger durch einen PCR-Test bestätigt. Foto: frankphoto.de/Bastian Frank

Bis zum Samstag war die Sieben-Tage-Inzidenz fast unter die magische Grenze von 100 gefallen. Doch nun geht’s steil bergauf. Der Landkreis ist bundesweit erneut Spitzenreiter.

Hildburghausen - Wäre die Rangliste der Länder sowie jene der Landkreise und kreisfreien Städte des Robert-Koch-Instituts (RKI) eine Fußballliga-Tabelle am letzten Spieltag: Thüringen hätte die Meisterschale gleich zweimal abgeräumt. Einmal mit einer landesweiten Sieben-Tage-Inzidenz von rund 48, vor Sachsen und Hessen mit jeweils fast 43. Und zum zweiten Mal in der Tabelle der Landkreise und kreisfreien Städte. Da nimmt Hildburghausen derzeit mit einem Inzidenzwert von rund 150 nahezu unangefochten den Spitzenplatz ein. Über 100 liegen nur noch die Stadt Emden (112), der Landkreis Günzburg in Bayern (107) und der Landkreis Sonneberg in Südthüringen(101).

Hildburghausens Landrat Thomas Müller (CDU) gab am Dienstagnachmittag, motiviert durch die Anfrage unserer Redaktion, gleich eine allgemeine Pressemitteilung an alle Print- und Funkmedien heraus. Darin ist von einem unrühmlichen Spitzenplatz die Rede. „Keiner von uns kann stolz darauf sein, unseren Kreis täglich an der Spitze der RKI-Liste lesen zu müssen. Dennoch ist es unsere Aufgabe im Gesundheitsamt, mit der gegenwärtigen Situation umzugehen, sie zu bewerten und alles daran zu setzen, das Infektionsgeschehen einzudämmen“, schreibt Landrat Müller in seiner Pressemitteilung.

Doch woran liegt es, dass der südlichste Landkreis Thüringens nicht von seinem hohen Infektionszahlen herunterkommt, während andere Kreise und kreisfreie Städte wie der Rhön-Grabfeldkreis, der Kreis Weimarer Land sowie die Städte Erfurt, Weimar, Jena und Gera unter einem Inzidenzwert von 35 liegen?

Das Gesundheitsamt, so Müller, habe einen genauen Überblick, unter welchen Umständen Infektionen zustande kämen. Infektionseinträge in Einrichtungen wie Pflegeheimen, Gemeinschaftsunterkünften oder Ähnlichem verzeichne der Landkreis kaum noch. Auch die hohe Impfrate spiele inzwischen eine entscheidende Rolle. „Es ist der private Bereich, der uns große Sorgen bereitet und uns dementsprechend die hohen Inzidenzwerte beschert“, lautet die Erklärung von Thomas Müller.

Beispiele für die Häufung der Infektionsfälle im privaten Bereich seien zuletzt die Ortsteile Rieth (acht aktive Fälle) und Gompertshausen (sechs aktive Fälle) in der Stadt Heldburg gewesen. „Keinesfalls möchten wir diese Einwohnerinnen und Einwohner alle über einen Kamm scheren“, schreibt Hildburghausens Landrat in seiner Pressemitteilung.

Wie im gesamten Landkreis gebe es auch in Gebietskörperschaften mit einer hohen Inzidenz viele Menschen, die sich seit Monaten strikt an die Maßnahmen halten und so einen wertvollen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie leisteten. Kontrollen im privaten Bereich gestalteten sich aber schwierig vor dem Hintergrund der Unverletzlichkeit der Wohnung. „Kontrollen ohne triftigen Grund sind nicht möglich“, so Müller. Deshalb appelliert er nochmals eindringlich an alle Bürger im Landkreis, sich an die geltenden Maßnahmen und vor allem an die Kontaktbeschränkungen zu halten. Was Durchhaltevermögen ausmachen könne, zeigten viele Landkreise und kreisfreie Städte, die Schritt für Schritt zum normalen Leben zurückkehren könnten. „Auch ich möchte, dass wir in unserem Heimatlandkreis bald wieder geöffnete Gastronomiebetriebe, kulturelle Veranstaltungen und Sportevents erleben können“, schreibt Landrat Thomas Müller.

Ähnlich sieht es Christopher Other (CDU), Vorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Heldburger Unterland und Bürgermeister der Stadt Heldburg. „Infektionsgeschehen, wie wir sie in Gompertshausen oder Rieth verzeichnen mussten, schaden der Allgemeinheit immens. Da im Sinne der ‚Bundesnotbremse‘ die Inzidenzwerte über wichtige Öffnungsschritte für den Landkreis entscheiden, ist jeder Infektionsfall, der durch Einhaltung der Kontaktbeschränkungen hätte verhindert werden können, einer zu viel. Das ist ärgerlich, weil viele Eltern und schulpflichtige Kinder endlich wieder ein Stück mehr Normalität im Alltag erleben möchten“, sagt Other.

Entschieden trat Landrat Thomas Müller Stimmen entgegen, die das hohe Infektionsgeschehen mit Verfehlungen im Gesundheitsamt in Verbindung gebracht hätten. Dessen Beschäftigte leisteten seit Monaten eine hervorragende Arbeit, könnten Infektionslagen genau einschätzen und entsprechend gegensteuern. „Solche Vorwürfe schaden der Akzeptanz unserer Arbeit in der Bevölkerung und sind Gift für die Motivation unserer Beschäftigten im Gesundheitsamt, die sich weit über das normale Maß hinaus einsetzen“, sagt Hildburghausens Landrat Thomas Müller.

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