Corona-Aufarbeitung Bitte ohne Sträflingskleidung

Endlich startet der Landtag die gründliche Corona-Aufarbeitung. Unser Kommentator warnt: Ein Tribunal macht keinen Sinn.

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Langsam schwindet unser aller Erinnerung an die Unbilden der Corona-Zeit. Gut, dass im Landtag endlich zwei Ausschüsse mit einer sorgfältigen Analyse des Verhaltens von Politik, Verwaltung und Gesellschaft in dieser Pandemie beginnen. Gut auch, dass in einem der beiden (“Enquete“) auch Wissenschaftler sitzen. Das erhöht die Chancen auf eine kompetente, sachliche, abwägende und gründliche Debatte, aus der man Lehren für die Zukunft ziehen kann – etwa, was strenge Verbote oder Schließungen in zentralen Bereichen wie Schule oder Familie betrifft. Die AfD will das nicht. Sie hat, wie viele ihrer Anhänger, die Verantwortlichen in Sträflingskleidung vor Augen und Wut statt Fairness im Sinn. Rechtspopulisten würden am liebsten ein Tribunal inszenieren, einen Schauprozess, mit dem sie die schmerzlichen Emotionen Betroffener nutzen, um das verhasste demokratische, aufs Allgemeinwohl ausgerichtete System besserwisserisch vorzuführen.

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Schuldig: Für Populisten (hier auf Plakaten einer Demo im April 2022) steht das Ergebnis der Corona-Aufarbeitung bereits fest. Foto: picture alliance/dpa

Selbstverständlich muss der Untersuchungsausschuss hartnäckig prüfen, ob, ausgehend von dem damaligen Wissensstand, politische Verantwortungsträger vermeidbare Fehler gemacht haben und diese im Fall des Falles auch mit Namen und Hausnummer benennen. Aber bitte ohne Vorverurteilung und auf der Basis rationaler Argumente.

S.2 markus.ermert@insuedthueringen.de