Coburg Regiomed: 98-Jährige übersteht Covid-19

Proben für Corona-Tests werden untersucht. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild

Regiomed zieht eine erste Corona-Zwischenbilanz. Bislang wurden knapp 1200 Patienten behandelt. Der überwiegende Teil der im Regiomed-Verbund Behandelten sei hochbetagt gewesen. Dabei habe sogar eine 98-jährige Patientin die Covid-19-Erkrankung überstanden.

Coburg/Sonneberg/Hildburghausen - In den Regiomed-Kliniken Coburg, Lichtenfels, Hildburghausen, Sonneberg und Neustadt sind seit Beginn der Corona-Pandemie bis zum 30. Juni 1169 infizierte Patienten behandelt worden. An der Krankheit Covid-19, die das Corona-Virus auslöst, waren 234 Frauen und Männer erkrankt; 98 in Coburg, 74 in Sonneberg, 46 in Lichtenfels, 14 in Hildburghausen und zwei in Neustadt. 49 von ihnen mussten auf den Intensivstationen der Krankenhäuser behandelt, 30 künstlich beatmet werden. Zwei Patienten mussten an die "künstliche Lunge" angeschlossen werden. Diese Zahlen gab Professor Dr. Stefan Piltz, Pandemiebeauftragter des bayerisch-thüringischen Klinikverbunds, in einer Telefonkonferenz mit Journalisten jetzt bekannt.

Piltz wies darauf hin, dass die künstliche Beatmung "hohe medizinische Kompetenz" erfordere. Die Sterblichkeit bei Covid-19-Kranken habe in den Regiomed-Kliniken leider bei 25 Prozent gelegen. Diese zunächst hoch anmutende Zahl relativere sich, wenn man um die Werte in China - 80 Prozent - oder Italien - je nach geografischer Region 40 bis 60 Prozent - wisse. Sie zeuge, so Piltz, "von hoher medizinischer Kompetenz", was der Regiomed-Verbund im deutschlandweiten Vergleich sehr gut darstellen könne, "da müssen wir den Vergleich mit Universitätskliniken nicht scheuen". Den Patienten komme zudem zugute, dass man in Coburg, Lichtenfels, Sonneberg und Hildburghausen auf die Erfahrungen anderer Länder mit Covid-19 zurückgreifen könne und im ständigen Austausch mit Medizinern weltweit stehe.

Der überwiegende Teil der im Regiomed-Verbund Behandelten sei hochbetagt gewesen, der Altersdurchschnitt habe bei 72 Jahren gelegen. Eine 98-jährige Patientin habe, nachdem sie die Covid-19-Erkrankung überstanden hatte, wieder in ihre Altenpflegeeinrichtung zurückkehren können.

Viele der Patientinnen und Patienten seien aus Altenpflege- und Dialyseeinrichtungen in die Krankenhäuser gekommen. Einige von ihnen hätten Verfügungen vorgelegt, die bestimmte Behandlungen, beispielsweise künstliche Beatmung, ausgeschlossen hätten. Hier habe man sich beschränken müssen, beispielsweise auf Palliativmedizin.

In den Altenpflegeeinrichtungen von Regiomed habe man bislang keinen einzigen Corona-Ausbruch verzeichnen müssen. Allerdings, so schränkte Stefan Piltz ein, könne es auch hier keine hundertprozentige Sicherheit geben. Regiomed tue mit seinem Hygienekonzept und den eingeschränkten Besucherregelungen, an denen laut Geschäftsführer Robert Wieland vorerst festgehalten wird, alles, um die Bewohnerinnen und Bewohner der Alteneinrichtungen vor Corona zu schützen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Häuser würden bereits seit April auf das Virus abgestrichen. Das, was andere jetzt einfordern, sei bei Regiomed schon seit Monaten geübte Praxis, betonte dessen Pandemiebeauftragter. Sein Fazit: "Regiomed hat bislang einen hervorragenden Job gemacht. Das, was wir erreicht haben, ist gut und bemerkenswert." Auch externe Fachleute hätten bescheinigt, "dass wir gut aufgestellt sind und viele Dinge vorbildlich und frühzeitiger als andere geregelt und mit großer Fachkompetenz gelöst haben". Dazu gehöre die Einrichtung der zentralen Abstrichstelle am Marienhaus in Coburg gemeinsam mit den Haus- und Fachärztevereinen Coburg. Regiomed sei nicht Teil des Corona-Problems, sondern wichtiger Teil der Lösung in der Pandemie, betonte Stefan Piltz.

Deshalb irritiere ihn, wie "unpassend" die wahren Verhältnisse bei Regiomed sowohl von Berufskollegen als auch Politikern bewertet und nicht richtig widergespiegelt worden seien. Piltz fühle sich an Passagiere eines Flugzeugs erinnert, von denen keiner eine solche Maschine steuern könne, aber die Kompetenz des Piloten anzweifle. Regiomed als Corona-Hotspot zu bezeichnen und in die Nähe norddeutscher Schlachthöfe zu rücken, in denen sich Hunderte Menschen mit dem Virus angesteckt haben, stoße die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Klinikverbunds vor den Kopf, "vor allem, wenn man die eigene Gesundheit für andere riskiert", so der Pandemiebeauftragte.

Dass sich Beschäftigte im Medizinbereich - auch bei Regiomed - infiziert hätten, sei in einer Pandemie nicht zu vermeiden. Die Ansteckung könne sowohl bei der Arbeit, im privaten Umfeld oder auf Reisen geschehen sein. Piltz: "Wir sind da nicht die einzigen in Deutschland gewesen." Daraus habe man Lehren gezogen. So würden Beschäftigte, die aus dem Urlaub zurückkehren, abgestrichen. Erst wenn das Ergebnis negativ ist, könnten sie ihre Arbeit bei Regiomed wieder aufnehmen.

Professor Piltz erläuterte, wie Corona die Mitarbeiter des Klinikverbunds gerade in der Anfangsphase der Pandemie belastet habe. Die Patientenversorgung habe im März innerhalb kurzer Zeit völlig umgekrempelt, Covid-19-Isolierbereiche geschaffen und ein strenges Hygienekonzept erstellt und umgesetzt werden müssen. "Medizinisch war das eine Mammutaufgabe, und das hat viele Ressourcen verbraucht". Zudem habe man das Bewusstsein schaffen müssen, dass eine Ansteckungsgefahr nicht nur von Erkrankten, sondern auch von Kollegen ausgehen könne. Es habe einige Zeit gebraucht, bis das Beschäftigte "in der Breite" verinnerlicht hätten, sagte Piltz. Er sei "begeistert" vom und "dankbar" für das Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihre Aufgaben trotz hoher psychischer Belastungen gemeistert hätten. Stefan Piltz: "Wir können uns auf sie verlassen."

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