Entwarnung am Coburger Marktplatz Verdächtiger Gegenstand führt zu Großeinsatz

, aktualisiert am 05.02.2022 - 18:16 Uhr

Die Polizei sperrt am Samstagmorgen das Zentrum von Coburg. Am Rathaus wird ein verdächtiger Gegenstand entdeckt. Der Täter ist ermittelt.

Coburg - Der Coburger Marktplatz ist am Samstagmorgen evakuiert worden, nachdem eine Mitarbeiterin der Stadt Coburg an der Tür zum Bürgerbüro im Rathaus einen verdächtigen Müllsack, einen Beutel sowie einen Zettel mit einer wirren Botschaft entdeckt hatte. Der Einsatz begann um 8 Uhr, teilte Matthias Potzel, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken, auf Anfrage der Neuen Presse am Morgen mit.

Auf den ersten Blick habe die Frau mehrere Behälter mit Flüssigkeiten sowie Kabel in der Tüte erkannt. Daraufhin verständigte sie die Integrierte Leitstelle für Feuerwehr und Rettungsdienst und deren Notrufdisponenten wiederum die Polizei. „Vorort entschieden Polizei und Feuerwehr, den Müllsack aus Sicherheitsgründen selbst nicht genauer zu inspizieren und alarmierten die Technische Sondergruppe des Bayerischen Landeskriminalamts die speziell für die Erkundung solcher verdächtiger Gegenstände ausgebildet und ausgestattet ist“, ergänzte Stefan Probst, Pressesprecher der Polizeiinspektion Coburg, gegen Mittag.

Nach der Überprüfung des Inhalts der Tüte gaben die Spezialisten des Bayerischen Landeskriminalamts um 14.35 Uhr Entwarnung. Vom Inhalt der Tüte ging, so Stefan Probst, keine konkrete Gefahr aus. Polizeibeamte entfernten den verdächtigen Gegenstand samt Inhalt und stellten diesen als Beweismittel im Strafverfahren sicher. Die Sperrung des Coburger Marktplatzes konnte daraufhin aufgehoben werden.

Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass ein bereits mehrfach polizeilich in Erscheinung getretener 54-Jähriger die Tüte samt Inhalt an der Eingangstür des Coburger Rathauses anbrachte. Die Coburger Polizei ermittelt wegen eines Vergehens der Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten. Nach Informationen der Neuen Presse handelt es sich mutmaßlich um den Mann, der auch für die Hakenkreuzschmierereien im Stadtgebiet verantwortlich ist.

Weil allerdings zunächst nicht auszuschließen war, ob vom Inhalt des Müllsacks und des Beutels eine Bedrohungslage ausgeht, wurde der Marktplatz geräumt, der Wochenmarkt sofort geschlossen. Das Zentrum wurde weiträumig abgesperrt. Die Polizei, der Rettungsdienst und die Freiwillige Feuerwehr Coburg waren mit mehreren Einsatzkräften und Fahrzeugen vor Ort.

Sebastian Sorge, Pressesprecher der Coburger Feuerwehr, erläuterte, dass der Coburger Marktplatz großräumig abgesperrt wurde. Die Stand- und Wagenbetreiber mussten ihre Verkaufsstellen umgehend verlassen, ebenso Kunden des Wochenmarktes sowie Besucher der Innenstadt. Die Zugänge zum Marktplatz wurden mit weiß-rotem Flatterband abgesperrt.

Aus der Ferne war erkennbar, dass sich auf den Gegenständen Zeichen befinden, die auf eine Gefährdung hinweisen, die vom Inhalt ausgehen könnte, so Sebastian Sorge in einer ersten Lageeinschätzung weiter. Mit der Gefahrgutausrüstung, die bei der Feuerwehr im Dammweg stationiert ist, näherten sich Einsatzkräfte der Tür und unterzogen Beutel und Müllsack einer ersten Untersuchung mit speziellen Geräten. Anschließend übernahmen Spezialisten der Polizei die weitere Erkundung. Der Einsatz zog sich über mehrere Stunden hin, so Sebastian Sorge und Stefan Probst. Die Innenstadt blieb bis zum Nachmittag gesperrt.

Auf Fotos ist erkennbar, dass auf einem der Zettel unter anderem ein Atomsymbol aufgebracht ist. Auf dem Beutel steht „8tung“ mit einem Pfeil auf den daneben hängenden Müllsack.

Am Samstagmorgen befanden sich Hunderte von Menschen in der Coburger Innenstadt. Einsatzkräfte beklagten, dass einige die Absperrung ignoriert und die Gefahrenlage völlig verkannt hätten. Von Unvernunft war die Rede, „manche laufen einfach durch die Absperrung“, beklagte ein Feuerwehrmann. Von Besuchern der Innenstadt wiederum wurde kritisiert, dass nicht an allen Absperrungen Ordnungskräfte standen, die Informationen hätten geben können, welche Geschäfte rund um den Marktplatz trotz der Gefahrenlage geöffnet haben und erreichbar sind und welche nicht.

Die Stadtverwaltung ermöglichte es nach Angaben ihres Sprechers Louay Yassin, dass die Marktbeschicker ihre Verkaufsstände am Samstag so lange, wie sie es für sinnvoll erachteten, geöffnet lassen konnten. Auch wurden laut Yassin Gespräche mit den Händlern geführt, ob sie wegen der Evakuierung des Wochenmarktes diesen am Sonntag oder Montag fortsetzen wollten. Daran habe kein Interesse bestanden, weil die Marktbeschicker davon ausgingen, dass dies nicht auf Kundeninteresse stoße, so der Stadtsprecher.

Er kündigte an, dass Oberbürgermeister Dominik Sauerteig darüber nachdenke, auch heuer die Standgebühren zu senken. „Solche Überlegungen gibt es“, sagte Louay Yassin am Samstag. Die endgültige Entscheidung darüber liege aber beim Stadtrat.

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