Clueso am Start Der Olympia-Song kommt aus Erfurt

Thomas Bremser
Clueso bei seinem Konzert-Heimspiel vergangenen Samstag auf dem Erfurter Domplatz. Foto: //Michael Kremer

Bei der Fußball-EM haben sich Songs wie „Major Tom“ oder „Pyrotechnik“ zu Fanhymnen entwickelt. Nun hat auch das deutsche Olympia-Team einen eigenen Song für Paris.

 
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In den Profisport hat es den Erfurter Sänger Clueso nie gezogen. Für Fußball sei er „zu schmächtig“ gewesen, die Methoden im DDR-Turnsport waren ihm zu brutal. „Ich habe mich wirklich mit Bändern an Tische gefesselt, damit der Bus, der mich abholen wollte, mich nicht mitnimmt. Es war schon sehr hart, und da hatten mein Bruder und ich damals keinen Bock drauf“, sagte der 44-Jährige. Zumindest musikalisch hat es Clueso („Gewinner“, „Chicago“) jetzt zu den Olympischen Spielen geschafft. Denn der Songwriter singt den offiziellen Song für das deutsche Team. „Für immer jetzt“ erscheint an diesem Freitag.

„Musik ist ein ständiger Begleiter von Athletinnen und Athleten auf ihrem Weg zu den Olympischen und Paralympischen Spielen. Musik verbindet, tröstet, motiviert und erzählt Geschichten – wie der Sport“. So begründet der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) die Entscheidung, erstmals einen Teamsong in Auftrag zu geben. Man wolle den Olympia-Teilnehmenden von Team Deutschland „einen musikalischen Begleiter für ihre ganz besondere Reise mit ins Gepäck geben, sodass sie immer an ihre Geschichten und Emotionen erinnert werden“.

Der nur 140 Sekunden lange Track hat einen eingängigen Pop-Beat, Bläser, Chöre und einen simplen Refrain („Und wir rennen an allen vorbei, keiner hätte auf uns gesetzt. Hauen ein Denkmal in die Zeit. Für immer jetzt“). Für einen Motivationssong müsse der Text auch nicht in die Tiefe gehen, findet Clueso. Seine ersten Versuche beim Songwriting seien zu verkopft gewesen. Er habe dann entschieden, sich dem Thema durch Gespräche mit den Sportstars zu nähern.

Scheitern für den Erfolg

„Viele Leute sehen gar nicht, wie oft man verlieren muss, um zu gewinnen. Das kenne ich auch von der Musik. Dass man sehr oft scheitern muss und oftmals auch aus dem Freundes- und Familienkreis viel Gegenwind bekommt nach dem Motto: ‚Warum machst du das eigentlich?’“

In der zweiten Strophe singt der Thüringer, der früher leidenschaftlicher Breakdancer war, über diese zwei Seiten der Medaille: „Wie oft sieht man nur die Perfektheit? Und nicht die Risse im Gold. Wir toppen unsere beste Zeit, so wie Usain Bolt.“

Für Clueso, der eigentlich Thomas Hübner heißt, war das Schreiben an einem Olympia-Song ein Balanceakt: Zwar sollen sich die Athletinnen und Athleten in den Textzeilen wiederfinden. Andererseits möchte er das Lied aber auch nach den Spielen von Paris noch auf seinen Konzerten präsentieren. Darum fängt der Songwriter mit dem Partylied vor allem ein Gefühl ein.

Kabinen-DJs und laute Musik

Bei der früheren Turn-Weltmeisterin Pauline Schäfer-Betz (27) kommt die Song-Premiere des deutschen Teams gut an. „Bei der Fußball-EM merkt man ja, dass der Zusammenhalt auch durch Musik intensiv gefördert wird. Wenn ein Song dazu beiträgt, dass sich auch die Fans mit dem Team Deutschland identifizieren können, finde ich das eine wahnsinnig schöne Sache.“

Musik ist für viele im Spitzensport tatsächlich wichtig, um sich vor dem Training oder dem Wettkampf in Stimmung zu bringen. Die deutschen Hockey-Herren haben dafür einen extra „Kabinen-DJ“ bestimmt, Individualsportler wie Kitesurfer Jannis Maus (28) greifen auf ihre Playlists zurück. „Bevor ich aufs Wasser gehe, höre ich laut Musik und blende alles andere aus.“

Die Mutter aller Olympia-Hymnen

Ein eigener Song für das deutsche Olympia-Team ist zwar neu, musikalisch untermalen die Organisatoren die Spiele aber schon seit mehreren Jahrzehnten. Das epische Duett „Barcelona“ von Freddie Mercury und Montserrat Caballé sorgte 1992 für Gänsehaut, allerdings starb der britische Sänger wenige Monate vor der Eröffnungsfeier.

Die Mutter aller Olympia-Hymnen, Whitney Houstons imposantes „One Moment In Time“, wurde 1988 in Seoul lediglich bei Medaillenverleihungen und Fernsehübertragungen eingespielt – mauserte sich darüber dann aber zum weltweiten Hit. Auch Megastars wie Gloria Estefan (1996, Atlanta), Björk (2004, Athen), Sarah Brightman (2008, Peking) und Muse (2012, London) sind musikalische Olympioniken.

Noch ist nicht bekannt, wer den offiziellen Song für die Paris-Spiele singt, die am 26. Juli beginnen. Die deutschen Leichtathleten, Surfer und Fußballerinnen feiern ihre Medaillen jedenfalls mit Clueso – der einen Tag nach der Eröffnungsfeier auch in der deutschen Fanzone in Paris auftreten wird.

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