Chancenlos gegen Finnia Weltrekord im Waldbad Goldlauter

Eine Chance hatten die acht Staffelteilnehmer nicht wirklich, die gegen Weltklasse-Schwimmerin Finnia Wunram im Waldbad Goldlauter-Heidersbach angetreten sind. Wohl aber jede Menge Spaß und eine ausgekugelte Schulter.

Einen solchen Gast hat das Waldbad Goldlauter- Heidersbach in all seinen Jahrzehnten bisher noch nicht begrüßt. Und auch vor Finnia Wunram, Freiwasserschwimmerin, Deutsche Meisterin, mehrfache Vize-Europameisterin, Vize-Weltmeisterin und Zehnte bei den Olympischen Spielen in Tokio, auch noch keine Spitzensportlerin, die gleich gegen acht Schwimmer und Schwimmerinnen in zwei Staffeln angetreten ist. Am vergangenen Freitagabend nahm der Spaßwettkampf im Rahmen des 475. Ortsjubiläums seinen Lauf, bei dem die Promi-Staffel und die der Freizeitschwimmer aus Thüringen jedoch absolut keine Chance hatten, die beide zeitgleich gegen ihren Weltklasse-Gast antraten. Auch nicht, nachdem sie sich einen klaren Vorteil verschafften, indem sie der Einzelkämpferin den Startsprung verwehrten.

„14 Tage vorher wusste ich, dass ich in einer Staffel mitschwimmen soll“, sagt Petra Krauß aus Heidersbach, die im Sommer drei- bis viermal in der Woche ihre Bahnen zieht und dabei 2500 bis 3000 Meter schwimmt. Seit diesem Zeitpunkt aber bin ich täglich hier gewesen und habe trainiert“, lacht sie . „Ich wollte mich ja nicht blamieren. Sogar den Startsprung habe ich geübt, um vielleicht noch fünf Sekunden zu retten.“ Genützt hat es nicht viel im Bezug auf die Weltklasse-Herausforderin. Zumindest ging ihre Staffel, in der auch Torsten Schübel, Steffen Otto und Uwe Margraf nach dem Startsignal von Schwimmmeisterin Petra Lindner gegen die 26-Jährige antraten, als zweite ins Ziel. Auch die Erfahrungen des Triathleten Margraf, 19-facher Ironman und zwei- bis dreimaliger Trainingsgast pro Woche im Waldbad, konnten nicht viel ausrichten.

Alles gegeben, trotz ausgekugelten Arms

Alles gegeben und trotzdem als letzte ins Ziel kam die Vereins-Promi-Staffel, mit Holger Weiß aus dem nordischen, Lisa-Marie Weiß aus dem alpine Bereich, Brigitte Fahnenschmidt von der SG Beerberg, die 100 Jahre Frauensport feiert und Ortsteilbürgermeister Matthias Gering. „Vorbereitet habe ich mich nicht. Die 50 Meter werde ich schon schaffen“, sagte er vor dem Start. Dass er mit einem ausgekugelten Arm aus dem Wasser steigen würde, ahnte zu diesem Zeitpunkt niemand. Trotzdem hat er seine Bahn durchgezogen, an ein Aufgeben nicht gedacht.

Martin Reinhardt, der für den Tourismus Verantwortliche aus der Verwaltungsstelle Goldlauter-Heidersbach, kommentierte. „Seien Sie Augenzeuge eines Events, dass es so nicht wieder geben wird“, lockte er die Gäste des Bades an den Beckenrand. Und wie bei einem spannenden, entscheidenden Fußballspiel, bei dem es um alles geht und so mancher Kommentator sich um Stimme, Kopf und Kragen redet, beschrieb er, wie sich Finnia Wunram davon machte, ohne sich dabei auch nur einen Hauch anzustrengen. „Da zieht sie ab. Ganz elegant“, schwärmte er, während am Ende Matthias Gering mit Halte-durch-Parolen angefeuert wurde. Eine Interview-Runde gab es am Abend ebenfalls, bei der auch die Badgäste ihre Fragen zu Sport und Sportlerin beantwortet bekamen.

Die Idee für den ungewöhnlichen Wettkampfabend hatte der Ortsteilbürgermeister, als er mit Martin Reinhardt zusammen Finnia Wunram während Olympia in Tokio beim zehn Kilometer Freiwasser Wettkampf vor dem Bildschirm verfolgte. Schwierig war es, ein für alle passenden Termin zu finden. Mit Jörg Wunram, Finnia Wunrams Papa, verbindet Matthias Gering bereits eine lange Bekanntschaft. Der Redakteur und der Ortsteilbürgermeister hatten sich 2017 während einer Hörfunk-Reportage über Ernst Anschütz kennengelernt. Später ging es für 16 Länder, 16 Gipfel gemeinsam auf den Beerberg. Und wie Matthias Gering als DDR-Bürger die Wendezeit erlebte, war Teil einer weiteren Reportage.

Dass alle Teilnehmer an dem Wettbewerb Weltrekordgeschichte im Waldbad geschrieben haben, darüber sind sie sich einig. Denn so etwas wird es in dieser Konstellation wohl wirklich nicht noch einmal geben.

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