Café Inklusiv Ilmenau Wunsch: ältere und behinderte Menschen mehr zusammenbringen

Yvette Schleußinger

Die Lebenshilfe im Ilm-Kreis hat im Ilmenauer Sozial- und Gleichstellungsausschuss von ihrer Arbeit berichtet. Vor welchen Herausforderungen steht man?

Sitzung des Gleichstellungsausschusses im Café Inklusiv Ilmenau. Foto: Yvette Schleußinger

Das Café Inklusiv in Ilmenau ist am Donnerstag Thema im Sozial- und Gleichstellungsausschuss gewesen. Auf Vorschlag von Maria Franczyk (CDU) traf man sich direkt vor Ort, um sich ein Bild von den Angeboten der Lebenshilfe Ilm-Kreis zu machen. Vorstand Conny Wandner berichtete von Erfolgen, aber auch Herausforderungen in der Arbeit der Lebenshilfe.

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Drei festangestellte Mitarbeiter sorgen gemeinsam mit einem jungen Koch für ein abwechslungsreiches gastronomisches Angebot im Café. Besonders das Mittagsangebot erfreut sich großer Beliebtheit. Doch wirtschaftlich „ist es nicht einfach, ein Café in Ilmenau in die schwarzen Zahlen zu bringen“, betont Wandner. Um wirtschaftlich zu bleiben, müsse das Angebot regelmäßig angepasst oder die Preise verändert werden. Dennoch ist sie zufrieden: „Wir sind froh, dass es gut angenommen wird.“ Neben dem regulären Café-Betrieb gibt es einen dazugehörigen Tagestreff. Dort verbringen derzeit acht Personen mit geistiger Behinderung ihren Tag – sie basteln, singen oder helfen im Café mit. Eigentlich sei der Treff für 15 Personen ausgelegt. „Es können aber nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern auch Rentner herkommen“, erklärt Wandner. Auch für Selbsthilfe- und Elterngruppen steht das Café offen. Der Veranstaltungsraum kann für verschiedene Zwecke genutzt werden – auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten.

Allgemein ist die Lebenshilfe Ilm-Kreis gut aufgestellt und steht aber vor kleinen finanziellen und personellen Herausforderungen. Zum 31. Dezember habe der familienentlastende Dienst eingestellt werden müssen, da nicht genügend Gelder von der Pflegekasse bereitgestellt worden seien. „Wir merken, dass die Mittel knapper werden“, so Wandner. Beim Personal sei man gut aufgestellt, dennoch spüre man den Fachkräftemangel. Zwar könnten offene Stellen besetzt werden, jedoch sei es bei Schichtarbeit schwieriger, geeignetes Personal zu finden. Ein Lichtblick ist die Waldkindertagesstätte, die erstmals vollständig ausgelastet ist. „Der Geburtenknick ist bei uns nicht angekommen“, berichtet Wandner. Der Kindergarten betreut derzeit 29 Kinder und unterscheidet sich von regulären Einrichtungen: „Die Kinder gehen immer in den Wald – bei jedem Wetter. Ja, auch wenn es schneit“ , so Wandner. Madeleine Henfling (Grüne) merkte an: „Kita-Kosten und Personal waren vorher ehrenamtlich nicht mehr stemmbar. Es war gut, dass die Lebenshilfe es übernommen hat.“

Während die Angebote gut angenommen werden, bleibt ein Ziel bislang unerfüllt: Das Café sollte auch ein Treffpunkt für Senioren und Ilmenauer Bürger sein. „Leider wird das Angebot im Café Inklusiv nicht genügend angenommen“, räumt Wandner ein. Die erhoffte Begegnung zwischen Menschen mit Behinderung und älteren Menschen bleibe weitgehend aus. „Es ist leider noch so, dass in den Köpfen der Menschen eine Trennung von Menschen mit Behinderung und beispielsweise Senioren vorgenommen wird.“ Karl-Heinz Mitzschke (Linke) sieht darin eine verpasste Chance: „Ich sehe die Möglichkeit, auch hier etwas gegen Einsamkeit im Alter zu tun.“ Auch Rolf Macholdt, Mitglied des Seniorenbeirats, betont: „Es wäre schön, wenn mehr Senioren kämen“. Er verweist außerdem auf das Projekt Agathe.

Gegenüber im Café laufen aktuell Umbauarbeiten. Dort entsteht eine Intensiv-Wohngemeinschaft für pflegebedürftige Menschen. Maria Franczyk lobt das Café abschließend: „Die Küche kann man hier wirklich empfehlen und die Bedienung ist freundlich und fleißig.“