Bundorf Lasset die Rinder zu ihr kommen

Hanns Friedrich

Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen: Die Gemeinde Bundorf feiert die Konfirmation von Ronja Marek im elterlichen Kuhstall. Allen Anwesenden scheint’s zu gefallen.

Bundorf - Es war, um bei den Worten von Pfarrer Lutz Mertten zu bleiben, mit Abstand die "kuhlste" Konfirmation zu Corona-Zeiten. So empfand es sicherlich auch Konfirmandin Ronja Marek, die an diesem Tag ihren Glauben offiziell bekannte - und zwar in einem Stall. Der Gottesdienst fand nämlich im großen Laufstall des elterlichen Milchviehbetriebs am Birkenhof in Bundorf. Der "Kirchenraum" lag dabei direkt neben den Futterplätzen der Kühe. Und die ließen sich von den Gästen in keinster Weise stören. Sie fraßen in aller Seelenruhe weiter oder gingen zur Rückenmassage an das entsprechende Gerät.

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Sicher lag es nicht an der Predigt von Pfarrer Lutz Mertten, dass sich ein Großteil der Tiere dann ganz entspannt zum Schlafen hinlegte, sondern an der üblichen Mittagszeit. Eben ein ungewöhnlicher Ort und damit eine ungewöhnliche Konfirmation. Aber durchaus passend, wie der Pfarrer meinte, "denn auch Jesus ist ja in einem Stall geboren, warum also nicht hier Gottesdienst feiern".

Kirche in Haus und Stall

Die Kirchengemeinde war in den Kuhstall von Familie Marek ausgewichen, da die evangelische Kirche von Sulzdorf, zu der auch die Gemeinde Bundorf gehört, unter den aktuellen Hygienebestimmungen einfach nicht genügend Platz für alle Besucher bietet. Hauskonfirmationen sollten laut Pfarrer Mertten das Problem lösen. Haus, oder Stall: Da die Familie von Konfirmandin Ronja Marek einen großen Milchviehbetrieb besitzt, war schnell klar, wo man das Fest begehen wollte.

Natürlich hatte der Pfarrer zuvor von Ronja erfahren, dass sie sich sehr eng mit den Tieren verbunden fühlt und sogar jeden einzelnen Namen kennt. Beim Melken hört sie gemeinsam mit den Kühen gerne Musik. Daher ließen sich die Tiere auch vom Gesang nicht aus der Ruhe bringen. Hin und wieder warfen sie interessierte Blicke auf das Geschehen.

Doch auch für das Fest war im Laufstall im Birkenhof alles vorbereitet: Ein Tisch, gedeckt mit einem weißen Tuch, Kreuz, Blumen, Kerzen und eine gestickte Schleife mit der Aufschrift "Zur Konfirmation Ronja 06.09.2020". Dahinter mit entsprechendem Abstand Platz für die Musiker und Bierbänke für die Gottesdienstbesucher. "Schon etwas ungewöhnlich, aber warum nicht", "Ich finde es eine ganz tolle Idee", "So kommt Kirche zu den Menschen", "Sehr guter pragmatischer Pfarrer", "Das ist Engagement", ließen die Gäste verlauten. Pfarrer Lutz Mertten hatte neben seiner Albe und Stola ein Umhängekreuz für die Konfirmandin, ihre Konfirmationskerze und eine Kniebank mit gebracht. Vor dem großen Stall gaben zwei Fichtenbäumchen, geschmückt mit den Farben der evangelischen Kirche, den entsprechenden Rahmen.

Immer wieder verwies der Prediger auf das Wort "Abstand", das in doppelter Hinsicht zu verstehen sei: Zum einen als etwas Positives, nämlich "mit Abstand eine Besonderheit", aber auch auf die Corona Zeit gemünzt "Abstand statt Nähe." So waren auch im Laufstall die Bänke entsprechend den Coronaregeln besetzt. Lutz Mertten erinnerte an die Zeit, als Ronja Marek noch ein Baby war und auf dem Arm von Mutter oder Vater kuschelte, oder in den Arm genommen wurde, wenn sie sich verletzt hatte. Solche Nähe sei zu Corona-Zeiten kaum noch möglich. "Auf Abstand gehen" sei aber keine Corona-Erfindung: Ein Beispiel sei das Älterwerden und damit auch der Abstand zum Elternhaus, wenn man eigene Wege gehe und selbständig werde.

Als Erinnerung an diesen besonderen Tag erhielt Ronja Marek am Ende noch die traditionelle Kerze und das Kreuz. Aber um ehrlich zu sein: Die werden wohl kaum nötig sein, um sich an die "kuhlste" Konfirmation zu Corona-Zeiten zu erinnern.