Der Markt wachse. Die Umsätze auf dem legalen Glücksspielmarkt lagen zuletzt mit 63,5 Milliarden Euro auf einem Rekordhoch - daraus resultierten staatliche Steuereinnahmen von 6,6 Milliarden Euro. Die Summe sei mehr als doppelt so hoch wie die Erträge aus alkoholbezogenen Steuern, sagt der Glücksspielforscher.
"Glücksspielsucht kann jeden treffen", stellt Hayer klar. Männer sind häufiger spielsüchtig als Frauen. Als stärker gefährdet gelten Jugendliche und junge Erwachsene, Personen mit niedrigem Einkommen, geringer Bildung, Menschen mit Migrationserfahrung. Und: Kinder aus spielsüchtigen Familien haben ein drei- bis fünffach erhöhtes Risiko, selbst später einmal exzessiv zu "zocken". Das Problem sei unterschätzt, es brauche breite Aufklärung, mehr Mittel für Forschung, Prävention und das Versorgungssystem.
Online-Glücksspiele gelten als besonders gefährlich
"Glücksspiele haben unterschiedlich hohes Suchtpotenzial", unterstreicht der Psychologe. Große Gefahr bestehe, wenn ein Angebot stark verfügbar und zugleich die Spielgeschwindigkeit hoch ist. Vor allem Online-Glücksspiele seien hochriskant: Denn Zocken via Handy ist jederzeit und von überall aus ständig möglich, der Zahlungsverkehr bargeldlos, Hemmschwellen sinken, das anonyme Spielen verläuft ohne jegliche soziale Kontrolle.
Das kennt Familienvater Martin aus Unna: Er war lange dem Online-Kasino verfallen, hat massive Schulden angehäuft. "Ich konnte das vor meiner Frau und meinem Sohn gut vertuschen, weil ich mit immer neuen Krediten die alten Kredite abgelöst habe", erzählt der 45-Jährige. Post vom Gerichtsvollzieher habe er länger abfangen können. "Ich habe uns komplett ruiniert, exzessiv Vertrauen missbraucht und meine Familie mit runtergezogen."
Mithilfe einer ambulanten Therapie habe er sich aus dem Online-Zocker-Sumpf befreit, schildert Martin. Allerdings: "Spielsucht ist therapierbar, aber nicht heilbar. Ich bin ein trockener Spieler." Ähnlich sagt Nicole Dreifeld: "Man ist immer nur eine Armlänge vom Rückfall entfernt. Das Suchthirn schläft nie."