Bundestag Wahl könnte die Karten in Thüringen neu mischen

Eine Wahlhelferin sortiert die roten Wahlbriefe mit den abgegebenen Stimmen für die Bundestagswahl 2017. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Symbolbild/dpa

1,7 Millionen Thüringer können am Sonntag mitentscheiden, wie der Bundestag in den nächsten vier Jahren zusammengesetzt ist. Für die CDU im Freistaat geht es darum, wie viele Wahlkreise sie gegen SPD und AfD verteidigen kann.

Wahlkampfendspurt auf Märkten und Plätzen in Thüringen: Kurz vor der Bundestagswahl an diesem Sonntag haben die Parteien noch um Wähler geworben. Die SPD beschloss ihren Wahlkampf am Samstag in Erfurt, die anderen Parten hatten ihre Anhänger bereits in den vergangenen Tagen zu Kundgebungen mit ihren Kandidaten eingeladen.

Vor allem die CDU steht bei der Wahl vor einer großen Herausforderung. 2017 erzielte sie ein Erststimmenergebnis von 31,6 Prozent, gewann alle acht Wahlkreise und schickte ihre Direktkandidaten in den Bundestag. Nach Prognosen könnten ihr die SPD, die bundesweit im Aufwind ist, aber auch die AfD in diesem Jahr Wahlkreise streitig machen.

Laut einiger Umfragen - die allerdings nur ein punktuelles Stimmungsbild wiedergeben - könnte die AfD bei den Zweitstimmen in Thüringen erstmals stärkste Partei werden, ebenso wie in Sachsen und Sachsen-Anhalt. «Ich möchte, dass wir hier von Thüringen ein Signal aussenden, dass die AfD nicht die stärkste Kraft, sondern dass die Sozialdemokraten die stärkste Kraft in Thüringen sind und dass dieses Land rot ist und progressiv, fortschrittlich und nicht menschenfeindlich», sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider, in Erfurt.

Die AfD, die in Thüringen wegen rechtsextremistischer Tendenzen vom Verfassungsschutz beobachtet wird, lag vor vier Jahren bei der Bundestagswahl bei den Erststimmen mit 22,5 Prozent hinter der CDU. Vor allen in Ostthüringen werden ihr am Sonntag Chancen auf Direktmandate eingeräumt.

«Die CDU holt auf und hat die Chance, in allen Thüringer Wahlkreisen zu gewinnen», gibt sich CDU-Fraktionschef Mario Voigt zuversichtlich. «Wir sind in einer knappen Situation», räumt er ein. Es liege an den rund 1,7 Millionen Wahlberechtigten, wer Thüringen in Berlin direkt vertrete.

Die Erwartung, einige ihrer Kandidaten direkt durchzubringen, hat in diesem Jahr auch die SPD, die 2017 auf 14,6 Prozent der Erststimmen kam. Im Fokus steht dabei der ehemalige Biathlon-Olympiasieger Frank Ullrich, der gegen den umstrittenen CDU-Kandidaten Hans-Georg Maaßen in Südthüringen antritt. SPD-Fraktionschef Matthias Hey freute sich über einen positiven Trend für die SPD, für die Thüringen in ihrer Geschichte einst ein Stammland war.

Unter den acht Wahlkreisen weist der für Erfurt - Weimar - Weimarer Land II die meisten bekannten Namen auf. Neben dem SPD-Politiker Schneider tritt dort die Bundesvorsitzende der Linken, Susanne Hennig-Wellsow, an. Nach Jahren als Partei- und Fraktionsvorsitzende in Thüringen will sie erstmals in den Bundestag einziehen. Die Linke hatte vor vier Jahren 17,6 Prozent der Erststimmen erhalten.

Außerdem kandidiert in Erfurt Katrin Göring-Eckardt, die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag. Derzeit gehört das Direktmandat der CDU-Haushaltspolitikerin Antje Tillmann, die es verteidigen will.

Grüne und FDP kamen 2017 auf einen Erststimmenanteil von 3,6 und 5,5 Prozent in Thüringen. Die Wahlbeteiligung lag damals bei 74,3 Prozent. In diesem Jahr gab es laut Landeswahlleiter Günter Krombholz einen relativ hohen Anteil an Briefwählern - auch wegen der noch nicht überstandenen Corona-Pandemie. Am Wahltag werden nach seinen Angaben rund 30 000 freiwillige Helfer für einen ordnungsgemäßen Ablauf sorgen.

Aus der Bundestagswahl 2017 war die CDU in Thüringen als stärkste Partei hervorgegangen - sie erhielt 28,8 Prozent der Zweitstimmen. Das Landesergebnis der AfD lag bei 22,7 Prozent vor der Linken mit 16,9 Prozent und der SPD mit 13,2 Prozent. Die FDP schnitt bei den Zweitstimmen mit 7,8 Prozent und die Grünen mit 4,1 Prozent ab.

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