Einige Stammgäste haben sich vor dem jüngsten Stadtratsmeeting im Trusetaler Rathaus verwundert die Augen gerieben. Denn da wurde mit einer Tradition gebrochen. Tatsächlich war der Beginn der konstituierenden Versammlung, bei der die anwesenden Stadtparlamentarier verpflichtet wurden, auf 18 Uhr festgelegt. Gefühlt seit Urzeiten hatten die Veranstaltungen um 19 Uhr begonnen. Gleichwohl handelt es sich keineswegs um ein Versehen. „Wir wollen künftig immer um 18 Uhr loslegen“, verkündete Bürgermeister Kay Goßmann und fragte kurz in die Runde, ob das in Ordnung gehe. Eine Reihe von Stadträten stimmt nickend oder mit einem leisen „Ja, ist okay so“ dem Ansinnen zu. Kritik kam jedoch von Stadtrat Henri Endter von den Freien Wählern. Der Geschäftsmann will keineswegs von dem 19-Uhr-Termin lassen. Der habe sich bewährt. Und auch die Hinweise des Bürgermeisters, der Kreistag beginne ja schon um 5 Uhr nachmittags und Stadtratssitzungen in Brotterode-Trusetal dauerten gewöhnlich recht lang, deswegen benötige man auch mehr Zeit, konnten Endter nicht umstimmen. Mit dem Kreistag habe das nichts zu tun. Und das Pensum sollte schon vom Stadtrat in der üblichen Zeit zu schaffen sein, die Sitzungen dauern in der Regel über zwei Stunden. Mit der Vorverlegung will der Bürgermeister auch der Verwaltung entgegenkommen. Denn da ist die Sache mit den Überstunden. Während die ehrenamtlichen Kommunalvertreter ihre Freizeit zum Wohle der Stadt einsetzen und dafür eine kleine Entschädigung erhalten, ist es bei den Angestellten selbstverständlich Arbeitszeit. Etwas anderes wäre heute angesichts der EU-Verordnungen, wo jede Minute pingelig aufgeschrieben werden muss, eigentlich nicht zulässig. Die alten Zeiten, als in Trusetal praktisch für alle Verwaltungsleute die Teilnahme an den Ratssitzungen ein ungeschriebenes Gesetz, eine „freiwillige Pflichtveranstaltung“, war, sind Geschichte.