Brotterode-Trusetal Pechstein und Seidel im Goldenen Buch

Susann Eberlein
Eisschnellläuferin Claudia Pechstein und Shorttrackerin Anna Seidel haben sich in das Goldene Buch der Stadt Brotterode-Trusetal eingetragen. Zuvor waren sie zu Gast beim Talk im Thüringer Wald von Journalist und Moderator Mirco Robus. Bürgermeister Kay Goßmann brachte das Goldene Buch mit in den Naturerlebnis Trusepark. Foto:  

Nach dem Talk im Thüringer Wald haben sich Eisschnellläuferin Claudia Pechstein und Shorttrackerin Anna Seidel in das Goldene Buch von Brotterode-Trusetal eingetragen. Dazu gab es kulinarische Überraschungen und ein Treffen mit einer jungen Künstlerin.

Claudia Pechstein und Anna Seidel sind schnell unterwegs. Nicht nur auf dem Eis, auf dem sie zahlreiche internationale Erfolge gefeiert haben und sich zu echten Sportidolen in der Welt entwickelten. Sondern auch im Alltag. Wenn die achtfache Rekord-Olympionikin Pechstein die Jugendweihefeier ihrer Nichte frühzeitig verlässt und Seidel auf dem Weg zur Reha in Mannheim einen Boxenstopp einlegt, um beim Talk im Thüringer Wald in Trusetal dabei zu sein.

Weil das knappe Zeitfenster einen offiziellen Empfang im Rathaus unmöglich machte, hat der Bürgermeister das Goldene Buch kurzerhand mit zur Talkrunde im Naturerlebnis Trusepark gebracht. „Es ist nicht besonders groß und auch noch nicht besonders voll. Aber dafür hat es ausnahmsweise die heiligen Hallen des Rathauses verlassen. Weil Sie beide so schnell sind, muss man da natürlich dran bleiben“, scherzte Bürgermeister Kay Goßmann (CDU), der die beiden Sportlerinnen zum Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Brotterode-Trusetal einlud.

Anna Seidel sei als Kind öfter im Thüringer Wald gewesen, Trusetal kannten beide Frauen aber noch nicht. Oder besser gesagt: Nicht wirklich. „Wir haben unsere Schlittschuhe früher immer Trusetaler genannt“, erinnerte sich Claudia Pechstein. Ein Gast klärte auf, dass die Schienen einst in dem Bergdorf hergestellt und geschliffen wurden – und damit vielleicht sogar ein Mosaiksteinchen der einzigartigen Karriere bildeten.

Dabei liebäugelte Claudia Pechstein Anfang der 1990er-Jahre sogar mit Starts im Shorttrack, das bis heute nicht über den Status einer Randsportart hinauskommt. „Wenn die Olympischen Spiele 1992 nicht erfolgreich gewesen wären, wäre ich vielleicht gewechselt“, verriet sie. So beschränken sich ihre Erfahrungen auf einen Show-Wettkampf mit Entertainer Stefan Raab. „Ich spüre die Schmerzen in den Füßen heute noch“, sagte sie. „Ich kann dich beruhigen. Mir tun die Füße auch immer ein Vierteljahr weg, wenn ich neue Schuhe bekomme“, wiegelte Anna Seidel ab. Die beiden Frauen lachten. Sie kennen sich gut, teilten sie sich bei den jüngsten Olympischen Winterspielen in Peking doch eine Wohnung.

Aus dem Nähkästchen
Im Talk, der von Moderator Mirco Robus in Kooperation mit dem Dorfclub Trusetaler Echo und vielen ehrenamtlichen Helfern auf die Beine gestellt wurde, plauderten die Eis-Stars über ihre Laufbahnen. Sie blickten auf die Anfänge in Kindertagen, ihre größten Erfolge und ihre größten Hürden wie Doping-Vorwürfe bei Pechstein und Verletzungspech bei Seidel. „Wenn man sich zurückkämpfen muss, wird man mental so viel stärker“, sagte die 24-jährige Seidel. Erst im März 2021 brach sie sich das Schien- und Wadenbein und drohte die Olympischen Winterspiele zu verpassen. Ob sie 2026 zum vierten Mal beim Höhepunkt der Sportwelt zu sehen sein wird, ob Claudia Pechstein auch in der kommenden Saison noch an Weltcups teilnehmen will, ließen die Frauen offen. „Ich gehe mein Weg. Was andere sagen, kann mir relativ egal sein“, so Pechstein mit ihrer typischen Berliner Art.
 

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