Brotterode Hunderte Existenzen in Gefahr

Marelli Automotive Lighting in Brotterode plant einen drastischen Stellenabbau. Die Beschäftigtenzahl soll von 900 auf 125 in zwei Jahren sinken.

Die Gewerkschaftsmitglieder Foto: IG Metall Suhl-Sonneberg

Die etwa 900 Beschäftigten von Marelli Automotive Lighting in Brotterode, einschließlich Arbeitnehmerüberlassung, blicken in eine ungewisse Zukunft. In etwa zwei Jahren laufen die aktuellen Volumenaufträge für Hauptscheinwerfer der Automobilindustrie aus. „Neue Aufträge sind seitens des Managements nicht in Sicht“, heißt es in einer Pressemitteilung der IG Metall vom Montag.

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Bei einer Versammlung der IG Metall-Mitglieder am Sonntag in Barchfeld war auch der Thüringer Ministerpräsident, Bodo Ramelow, anwesend und sprach den Menschen Mut zu, die Pläne des Unternehmens nicht einfach hinzunehmen. Er hatte sich zuletzt an das globale Management gewandt, um zum Erhalt des Standortes beizutragen. Konkrete Antworten habe es nicht gegeben. Auch vom Thüringer Wirtschaftsminister, Wolfgang Tiefensee, lägen dem Management konkrete Angebote vor, wie der Freistaat Thüringen zum Erhalt des Standortes und der Beschäftigung unterstützen kann.

„Es ist kaum hinzunehmen, dass ich den Beschäftigten die bittere Botschaft überbringen musste. Das wäre Aufgabe des Unternehmens. Aber die Arbeitgeber sind auf Tauchstation. In einer ersten Information an den Betriebsrat am 31. Januar war von einer Reduzierung der Belegschaft auf nur noch 125 Beschäftigte die Rede. Das können und werden wir nicht einfach so zur Kenntnis nehmen“, ärgert sich Yvonne Krug, Betriebsratsvorsitzende bei Marelli Automotive Lighting Brotterode.

Die Möglichkeiten eines Betriebsrats seien bei Personalabbau und De-facto-Werksschließung gesetzlich begrenzt. Zumindest könne das Vorhaben des Arbeitgebers so nicht verhindert werden. Darüber habe man am Sonntagmorgen mit den Mitgliedern der IG Metall beraten. Trotz der ungewöhnlichen Zeit war die Mehrzweckhalle in Barchfeld komplett gefüllt. „Es geht um die Zukunft von hunderten Existenzen und Familien in der Region. Einstimmig beschlossen wir, den Arbeitgeber zu Verhandlungen für einen Sozialtarifvertrag aufzufordern. Dabei geht es um den Preis, der die Personalreduzierung oder Schließung kostet. Und vielleicht gelingt es ja, einen Weiterbetrieb des Werkes dadurch als kostengünstigere Alternative zu erzwingen“, kündigt Uwe Laubach, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Suhl-Sonneberg, an.