Brieftaubensport Für Brieftauben gab’s kein Corona

Kurt Lautensack
Jugendmeister, von links: Markus Spindler stellvertretend für Julian Spindler (verhindert), David Ridzewski, Jonas Kaupert, Niklas Scholz (nicht auf dem Foto: Paul Aurig). Foto: Kurt Lautensack

Zur Auswertung des Flugjahres 2022 hatte der Vorstand der Brieftaubensportler der „Reisevereinigung 500/05 Hildburghausen“ des Regionalverbandes 500 Südthüringen in den Saal der Gaststätte Beyersdorfer nach Rieth eingeladen.

Grenzenlose Begeisterung und eine gewisse Faszination für die Sache – genau das ist es, was ein echtes Hobby braucht und ausmacht. Das war am vergangenen Wochenende in Rieth zu spüren, wenn die Brieftaubenfreunde der Reisevereinigung 500/05 Hildburghausen von ihrem Sport, der Hingabe zum Tier und deren Leistungen sprechen.

Das Hauptaugenmerk, auf das gesamte Flugjahr bezogen, lag natürlich auf den traditionellen Flügen, die in Weit-, Mittel- und Kurzstrecken eingeteilt werden. So werden im Laufe der Flugsaison von April bis September 13 Alttier (Mehrjährige)- und fünf Jungtierflüge (Einjährige) durchgeführt. Während die Jungtiere in der Regel eine Strecke von bis zu 300 Kilometer zurücklegen, liegen die Entfernungen bei den Alttierflügen zwischen 300 und 650 Kilometer. „Ab dem fünften Flug müssen zwei Flüge über 500 Kilometer beziehungsweise jeweils ein Flug über 500 und einer über 600 Kilometer dabei sein und insgesamt mindestens 2800 Kilometer zusammenkommen“, erklärte Andreas Peter, Vorsitzender der Reisevereinigung 500/05 Hildburghausen. Zu den Auflassorten für die Reisevereinigung gehörten beispielsweise drei Mal Vouziers mit 441 Kilometer und zwei Mal Margival mit 530 Kilometer (nordöstlich von Paris, Frankreich), Überherrn bei Saarlois (Saarland), Kusel und Kaiserslautern (Pfalz) oder Darmstadt. Sie liegen an der „Pariser Achse“, wie sie von den Brieftaubenfreunden bezeichnet wird, wobei auch hier oft mehrfach Starts erfolgten.

An dieser Stelle galt ein Dankeschön des Vorstandes vor allem auch den Kraftfahrern Siegfried Urbschat, Gerhard Schubert, Wolfgang Schmidt, Jochen Pommer und Peter Edelmann. Es sei keineswegs selbstverständlich, so der Vereinschef, freiwillig Wochenende für Wochenende bereit zu sein, den vereinseigenen „Tauben-Kabinenexpress“ mit einem ausgestatteten Tränk- und Belüftungssystem mit etwa 2400 Tauben an Bord zu den Auflassorten zu fahren. Dazu die Übernachtung im Laster in Kauf zu nehmen und wieder gut zu Hause anzukommen, während die Tauben, vorausgeflogen, längst im Heimatschlag gelandet waren.

Ein ähnlicher Dank galt dem Flugleiter Udo Staffel aus Gompertshausen, der im Vorfeld gründlich die Wetterkarte studieren muss und am Flugtag schon früh um 4 Uhr auf den Beinen ist. Mit ihm stimmen die Fahrer gewissermaßen den Auflass-Zeitpunkt ab. Eigentlich beginnen für ihn die Vorbereitungen auf den nächsten Start schon nach dem Ende des vorherigen Fluges. Seine engagierte Arbeit bestätigte auch Rainer Höhn, 2. Vorstand des Regionalverbandes 500 Südthüringen. Er habe als Flugleiter „eine glückliche Hand und ein Gefühl für die Wettersituation, die langfristig verfolgt werden muss“, sodass alle Flüge nach Plan durchgeführt werden konnten. Das sei bei Reisevereinigungen und Regionalverbänden in Deutschland nicht überall der Fall gewesen, so Höhn. Viele Reisevereinigungen hätten nach dem sechsten oder siebten Flug aus verschiedenen Gründen abgebrochen (mangels Beteiligung, aufgegeben et cetera), teilweise bedingt durch das Leistungsgefälle innerhalb einer Reisevereinigung. Dieses sei in der Reisevereinigung 05 Hildburghausen ziemlich ausgeglichen, was auch die einzelnen Preisflüge in ihrer Verteilung zeigten.

Coronazeit gut bewältigt

Was die Zeit während der Corona-Pandemie 2020/2021 betraf, sagte Andreas Peter, so habe die Fliegerei der Tauben an sich keine Probleme bereitet, den einzelnen Vereinen in den Einsatzstellen schon. Hier galt es, ein strenges Corona-Schutzkonzept einzuhalten, das bedeutete unter anderem, dass nur jeweils zwei Personen in der Einsatzstelle sein durften und ein Wechsel streng kontrolliert wurde. Auch hinsichtlich der während der Flugsaison herrschenden klimatischen Bedingungen sei stets „der Tierschutz oberstes Gebot“ gewesen. So musste der Start spätestens um 7 Uhr erfolgt sein und die Strecken waren auf 250 bis 300 Kilometer begrenzt. Dies alles sei ebenfalls streng kontrolliert und überwacht worden, so Andreas Peter. Die Gesundheit und das Wohl der Tauben stehe bei den Brieftaubenfreunden ohnehin an erster Stelle.

Nach 2019 bis zum heutigen Zeitpunkt wurden auch keine Ausstellungen durchgeführt und die Auswertungen fanden übers Internet oder in kleinem Rahmen statt. Eine Art Siegesfeier mit den Auswertungen fand erstmals jetzt wieder in Rieth statt. 2020 habe der gesamte Publikumsverkehr geruht und 2021 fand lediglich das traditionelle Pfingstfest mit Versteigerung durch die zwischenzeitliche Lockerung statt und natürlich auch dieses Jahr. In dem Zusammenhang dankte er besonders auch den Züchterfrauen, die nicht nur Verständnis für die Brieftaubenzucht aufbringen, sondern die Gemeinschaft mitgestalten. An dieser Stelle verwies er auch auf den neu gewählten Vorstand, der die Arbeit in seinem ersten Jahr gut organisierte und bewältigte. „Es hat eine gute Kommunikation unter den Vorstandsmitgliedern stattgefunden und ein ständiger Austausch unter Beteiligung der Einsatzstellenleiter, sodass Entscheidungen stets gemeinsam mitgetragen wurden“, so Peter. Dem neuen Vorstand gehören an: Andreas Peter (Vorsitzender der Reisevereinigung), Alexander Gieseking, Thomas Brehm, Maik Supp sowie Juliane Brenner (Zeilfeld) und Olaf Siebensohn (Gompertshausen).

Der größte Lohn für die züchterische Arbeit eines Taubensportlers ist es natürlich, wenn seine geliebten gefiederten Freunde vom Auflassen im mehrere hundert Kilometer entfernten Auflassort bis zum Eintreffen im Heimatschlag möglichst schnell sind. So überwiegt am Ende eines Flugjahres erst einmal die Freude und der Stolz über das Erreichte, so wie jüngst bei den Ehrungen der Sieger. Im Vordergrund standen natürlich die Auszeichnungen der Reisevereinigungsmeister mit Urkunden und Pokalen sowie der Sieger bei den Einzelflügen oder für die best- oder weitestgereisten Weibchen oder Männchen.

Ehrungen und Auszeichnungen

 

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