Brief an Müller „A besonere Sprooch“ erhalten

Constanze Wagner
Herr Müller bekommt täglich Post aus der Lokalredaktion. Foto: Freies Wort

Constanze Wagner schreibt an Herrn Müller und macht sich Gedanken zum Tag der Sprache.

Natürlich haben Sie Recht, lieber Herr Müller, ... ... die Dialekte sterben langsam aus und das ist schade. Dabei habe ich in meiner Zeitung gelesen, dass der 10. September, also dieser Samstag, der Tag der Sprache ist und man sich da auch zu den Dialekten seine Gedanken macht.

Ein Haus oder ein Fest lassen sich ja notfalls fotografisch oder per Video für die Nachwelt erhalten. Aber der Dialekt? Er muss gesprochen und an die nächste Generation weiter gegeben werden, nicht erst wenn de „Kechel“ groß sind.

Aber geben wir ’s doch mal ehrlich zu: wenn uns jemand in sächsischem Dialekt beraten oder bedienen würde, dann lächeln wir insgeheim. Es klingt halt putzig. Und ich muss zugeben, dass beim Hören eines Bayerischen Dialektes bei mir sofort Kabarettstimmung aufkommt.

Als ich zur Schule ging, hatte man hochdeutsch zu sprechen oder man war gleich ein „Dorftroddel“, obgleich ja Städte auch ihren eigenen Dialekt haben. Es gibt beispielsweise Erfurtsch, oder, wie der Ilmenauer sagen würde, Arfuortsch. Ein Dialekt ist schließlich keine falsche Sprache, sondern eher eine ganz spezielle, regionale; an eine Gegend gebunden und einzigartig.

Natürlich isses manchmal nicht ganz passend. Wenn zum Beispiel die berühmten Sportschuhhersteller ihre Hightech-Produkte als „Super-Rennsemmeln“ anpreisen oder die Wetterfrösche im Fernsehen eine ordentliche Dämmse oder Schnieh vorhersagen würden.

Ein Sandwich klingt auch verheißungsvoller als ne Bemme und dass man Holemutz essen kann, das wissen nur die Bewohner in und um Neuhaus am Rennweg, denn es ist Hallimasch.

Für alle, die dem Dialekt aufgeschlossen und interessiert gegenüberstehen, gibt es ein hörens- und lesenswertes Buch inclusive CD unter dem Titel „Von Ilmenau und’n Nastern dremm remm“. Gunter Lacroix hat dort Geschichten, Sprüche und Gedichte zusammengetragen und mit Unterstützung vieler Einheimischer aufsprechen lassen. Damit wurde das noch vorhandene Mundartwissen für kommende Generationen erhalten.

Hier und da gibt es auch Kindergärten, die schon mit Mundart arbeiten. Ich glaube Plattdeutsch wird in dieser Hinsicht sehr gepflegt.

Also lieber Müller, reden Sie nicht drumrum, sondern einfach mal wie Ihnen der Schnabel gewachsen ist. Das ist gar nicht so einfach, wenn es richtiger Dialekt werden soll.

Es wär ein guter Beitrag zum Tag der deutschen Sprache!

Mit freundlichen Grüßen

Constanze Wagner

 

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