Brief an Müller Kunst, über die man sich wundern kann

Herr Müller bekommt täglich Post aus der Lokalredaktion. Foto: Freies Wort

Danny Scheler-Stöhr schreibt an Herrn Müller und macht sich seine Gedanken zur Kunst.

 
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Natürlich haben Sie recht, lieber Herr Müller, ... ... über Kunst kann man streiten. Manchmal kann man sich über sie auch wundern – oder beides. Wissen Sie zum Beispiel, was es mit dieser geschwungenen Alu-Konstruktion am Bahnhof auf sich hat, Müller? Oder mit den prominent am Ilmenauer Apothekerbrunnen platzierten nackten Figuren? Nein? Sie gehören halt mittlerweile zum Stadtbild dazu. Und die Kinder benutzen sie gerne zum Turnen und Klettern.

Apropos Figuren: Auch Frauenwald bekommt jetzt drei Figuren. Dazu wurde sogar bundesweit nach einem Künstler gesucht. Ob der Gewinner dieses Kunstwettbewerbs wollte, dass man über seine Naturwesen streitet oder sich wundert? Das kann ich Ihnen nicht sagen, Herr Müller. Aber seine Figuren werden auf jeden Fall die Blicke auf sich ziehen und sicherlich auch für Gesprächsstoff sorgen. Immerhin soll allein die Umsetzung dieser Installation rund 70 000 Euro kosten. Kunst hat eben ihren Preis. Fragen Sie mal diejenigen, die Tausende Euro für ein bisschen Gekritzel, Pardon ... abstrakte Gemälde, ausgeben.

Doch zurück nach Frauenwald. Was wird dort künftig zu sehen sein? Ein schreitender Mensch, ein stehender Riese und ... ja und was eigentlich? Eine Figur, im Vierfüßler-Stand, die versucht, sich vom Boden abzustoßen, während sie gleichzeitig mit ihm verwachsen ist? So sieht es jedenfalls der Künstler. Doch ich weiß nicht so recht. Irgendwie fällt mir beim Betrachten dieses Kunstwerks nicht der Begriff „Erdung“ ein, sondern vielmehr der Titel „Mist! Kontaktlinse verloren“ oder „Frauenwald find’ ich zum Kotzen“. Oder ... Nein, diesen letzten Gedanken behalte ich für mich. Auf eine Sexismus-Debatte mit Ihnen, lieber Müller, habe ich keine Lust.

Mit freundlichen Grüßen

Danny Scheler-Stöhr

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