Breitungen Leuchtstoffwerk: Experimente fürs Leben

Fünf Jugendliche mit einer Schwäche für Chemie werden alle 14 Tage im Leuchtstoffwerk Breitungen erwartet: Hier können sie in der „Jugend-Unternehmenswerkstatt“ experimentieren. Zur Eröffnung kam Thüringens Wirtschafts- und Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee.

In weißen Kitteln und mit Schutzbrillen auf der Nase warteten vier Breitunger Regelschüler gestern im Ausbildungslabor des Leuchtstoffwerks auf Besuch aus Erfurt. Das Labor, in dem sie – normalerweise zu fünft – ein Schuljahr lang alle zwei Wochen unter fachlicher Anleitung experimentieren dürfen, wurde offiziell als „Jugend-Unternehmenswerkstatt“ (JUW) eröffnet. Thüringens Wirtschafts- und Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee war gekommen, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen („Stift“), Sven Günther, SPD-Landtagsabgeordnete Janine Merz, Landrätin Peggy Greiser und Breitungens Bürgermeister Ronny Römhild. Gemeinsam mit den beiden Geschäftsführern des Leuchtstoffwerks, Wolfgang Eisenberg und Dominik Uhlich, zerschnitten die Gäste das symbolische Band und gaben den Weg zu Kolben, Gläsern und Pipetten frei.

Die Schüler zeigten sich erkenntlich. Sie brachten Stoffe zum Leuchten, einen Fluoreszenzspringbrunnen zum Sprudeln, bauten die Chemolumineszenz der Glühwürmchen nach und ließen Elefantenzahnpasta aus einem Zylinder quellen. Mancher der Zuschauer räumte freiwillig ein, nicht (mehr) viel von der Materie zu verstehen.

Die fünf Regelschüler vom ersten Jahrgang der Jugend-Unternehmenswerkstatt haben eine Schwäche für die Chemie. Sie kommen freiwillig ins Labor und lassen sich von den promovierten JUW-Leitern, Stefan Ullrich und Anne Schmidt, Zusammenhänge erklären und Tricks zeigen. Unterstützt werden sie von den LWB-Laborantinnen Alica Gratz, Margret Kaufmann und Sabine Romeis. Und auch wenn das Jahr in der Unternehmenswerkstatt über die Schule zustande kam: Vor Noten muss keiner der Teilnehmer Angst haben.

Es geht bei den Jugend-Unternehmenswerkstätten hauptsächlich um die Persönlichkeitsentwicklung, erklärte Minister Tiefensee in Breitungen. Die jungen Leute sollen sich ausprobieren dürfen und entdecken, welche Fähigkeiten in ihnen stecken – aber „erst mal ohne Zweck“. Es soll in dieser Phase kein Ziel gesteckt werden, machte der Minister deutlich. Es reiche, wenn sich später eventuell aus dem Interesse ein Berufswunsch entwickele.

Tiefensee erzählte, wie er vor sieben Jahren ein Unternehmen besucht habe, in dem es eine Werkstatt gab, die an fünf Tagen in der Woche geöffnet war. Kinder zwischen sechs und 16 Jahren konnten dort testen, was ihnen liegt. „Das hat uns imponiert.“

2016 entwickelte die IHK Südthüringen ein Konzept, seit 2021 koordiniert „Stift“ das Werkstätten-Projekt und baut es unter der Initiative „Jungforscher Thüringen“ im ganzen Land aus. Die Stiftung möchte das Interesse an den MINT-Fächern fördern, also alles, was mit Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu tun hat. Mittlerweile existieren 17 Werkstätten in Thüringen, die jüngste in Breitungen nimmt eine besonderer Rolle ein: Sie ist bislang die einzige JUW in Form eines Chemielabors.

Wie Minister Tiefensee in Breitungen sagte, versuche er, bei jeder Werkstatt-Eröffnung dabei zu sein. Sein Haus bezuschusst das Projekt: Bis zu 5000 Euro für die Einrichtung der Werkstatt und jährlich weitere 5000, um den Betrieb zu finanzieren. „Mögen sich weitere Nachahmer finden“, wünschte sich der SPD-Mann im Leuchtstoffwerk.

LWB-Geschäftsführer Wolfgang Eisenberg freute sich über Anlass und Besuch, gab aber auch offen zu, dass er die fünf Jung-Chemiker gerne als künftige Kollegen sehen würde. Vielleicht, sinnierte er, holen sie in zwei, drei Jahrzehnten den nächsten Innovationspreis? Das Leuchtstoffwerk Breitungen hat die Auszeichnung im vergangenen Jahr erhalten und das Preisgeld zu großen Teilen gleich weitergereicht: Es soll der besseren Ausstattung des Chemieunterrichts in den Regelschulen Breitungen und Bad Liebenstein dienen. Mit der Breitunger Regelschule pflegt das Werk seit Jahren eine Partnerschaft. Viele der Lehrlinge, die im Leuchtstoffwerk etwa eine Ausbildung zum Chemikanten absolvieren, haben ihren Schulabschluss in Breitungen gemacht.

„Wir wollen die Leute natürlich auch für uns begeistern“, sagte Wolfgang Eisenberg am Rande der Veranstaltung und warb für „Zukunftsberufe in einem High-Tech-Unternehmen“. So könne das Leuchtstoffwerk durchaus bezeichnet werden.

Momentan jedenfalls läuft es gut an der „Langen Sömme“ im Breitunger Gewerbegebiet West. Eisenberg sprach von einem Umsatz in diesem Jahr von voraussichtlich mehr als 15 Millionen Euro – vor einigen Jahren bewegte man sich bei sieben, acht Millionen Euro. Bereits im vergangenen Jahr investierte das Werk knapp 1,5 Millionen Euro, 2022 werde es mit zwei bis 2,5 Millionen Euro deutlich mehr sein, sagte der Geschäftsführer. Obwohl er ein energieintensives Unternehmen leitet, zeigte er sich guten Mutes: Man habe schon einiges durchlebt und lasse sich auch von der aktuellen Krise nicht abschrecken.

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