War das jetzt ein Außerirdischer? Nein. Aber Julien Hauck sah in dem grasgrünen Chemikalienschutzanzug schon ein bisschen aus wie ein Alien. Die „Verkleidung“ aber trug der junge Mann aus guten Grund: Brandschutzerziehung war am letzten Schultag vor Pfingsten für 214 Grundschüler in Floh angesagt. Die Lehrer hatten Pause. Ihre Rolle übernahmen ausgebildete Feuerwehrleute. Zum Beispiel Julien Hauck. Die Kinder durften ihm unter anderem auch beim Aufziehen der Atemschutzmaske zusehen. „Wenn ihr einen Feuerwehrmann so seht, dann habt bitte keine Angst. Wir wollen euch helfen“, wandte er sich an die Schüler. Auch brauche es ihnen nicht Bange zu werden, wenn sie das schon etwas unangenehme Geräusch des Pressluftatmers hörten. Gerade im Brandfall würden sich Kinder aus Angst verstecken. Die Brandschutzerziehung war aber noch weitaus mehr, als ihnen die Angst vorm voll ausgerüsteten Feuerwehrmann zu nehmen. Die Kinder wurden mit einer gehörigen Portion Wissen ausgestattet. Beispielsweise erfuhren sie wie ein Feuer entsteht, dass es gutes und böses Feuer gibt, wie ein Notruf richtig abgesetzt wird und lernten auch Stoffe kennen, die sehr schnell brennen. Dass eine Kerze im oberen Bereich am heißesten ist, wussten die meisten Kinder. Dass ihre Temperatur dort aber bei 1400 Grad Celsius liegt, war vielen unbekannt. Gestaunt haben die Mädchen und Jungen auch an den Stationen am Feuerwehrgerätehaus. Hier durften sie in das Innere einen Tanklöschfahrzeuges, eines Löschgruppenfahrzeuges und eines Einsatzleitfahrzeuges schauen. Die entsprechende Technik bekamen sie kindgerecht von Ortsbrandmeister Michael Eck erklärt. Der Floher Wehrführer Enrico Eberhardt zeigte den Mädchen und Jungen wie eine Wärmebildkamera funktioniert. In Vierergruppen durften sie mit diesem Gerät sogar allein in einen vernebelten Raum vordringen und dort den Stofflöwen Florian suchen. „Das war gar nicht so schwer“, waren sich Frederik, Elias, Eddie und Jamie einig. Während die Gruppen mit der Wärmebildkamera auf die Suche gingen, agierten die anderen an der Kübelspritze. Am Ende hatten alle Kinder begriffen: Um Feuerwehrmann zu sein, braucht es Mut, Wissen und Bereitschaft, anderen zu helfen. Am Ende schauten die Kinder noch zu, was passiert, wen brennendes Fett mit Wasser gelöscht wird. Das sollte man niemals tun. Immer die Flamme ersticken – lautet die richtige Vorgehensweise. „Wir sind sehr froh, die Brandschutzerziehung endlich wieder durchführen zu können“, erklärte Gemeindejugendfeuerwehrwart Chris Köhler. Zwei Jahre lang musste dieser andersartige Unterricht aus Coronagründen ruhen. Das ist jetzt vorbei. Natürlich war und ist solch ein Tag auch immer eine gute Werbung für den Nachwuchs. Und der macht eine freiwillige Feuerwehr aus. Derzeit gehören 62 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 16 Jahren zur Jugendfeuerwehr Floh-Seligenthal. „Eine stattliche Anzahl“, so Köhler. Die Ausbildung findet auch wieder zu den bekannten Zeiten regelmäßig statt. Auch Bürgermeister Ralf Holland-Nell ist mit diesem Stand natürlich hoch auf zufrieden. „Schön, dass sich so viele Kinder und Jugendliche für die Arbeit der freiwilligen Feuerwehr interessieren – anderen zu helfen, kann nicht hoch genug angerechnet werden und ist eine sehr sinnvolle Freizeitbeschäftigung“, sagte er. Derzeit freut sich der Feuerwehrnachwuchs auf das vom 8. bis 10. Juli in Struth-Helmershof bevor stehende Kreisjugendfeuerwehrzeltlagerungen. Der Nachwuchs vom Rennsteig wird daran teilnehmen.