Brandschutz Freie Wege, Rauchmelder und die 112

Bis zu einer Höhe von 23 Meter kann die Drehleiter der Suhler Feuerwehr eingesetzt werden. Hier ist sie in der vergangenen Woche beim Hochhausbrand zu sehen. Foto: /Steffen Ittig

Ein Wohnungsbrand, der fragen aufwirft: Nach dem Feuer in einem Suhler Wohnhochhaus fragen sich viele, wie sicher Mehrfamilienhäuser bei Feuer sind. Antworten darauf und dazu, welche Fluchtmöglichkeiten bestehen und was im Brandfall zu tun ist, gibt es von der Feuerwehr.

 
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Beim Brand einer Wohnung im Hochhaus Friedrich-König-Straße 44 kam vor gut einer Woche ein Bewohner, der aus dem Fenster sprang, ums Leben. 34 weitere wurden durch den austretenden Rauch verletzt und sechs von ihnen mussten medizinisch versorgt werden.

So mancher sorgt sich seither um die Sicherheit in Wohnblocks und Hochhäusern. Marko Gottschalk, der den Feuerwehr-Einsatz in der vergangen Woche leitete, beruhigt: „Der bauliche Brandschutz hat funktioniert.“ Der Fachbereichsleiter Einsatz bei der Suhler Berufsfeuerwehr erläutert, dass in sämtlichen Hochhäusern der Stadt Trockenleitungen vorhanden sind, über die das Wasser zu möglichen Brandherden gepumpt werden kann. Die Wehr sieht er für derlei herausfordernde Einsätze bestens vorbereitet und ausgerüstet: „Wir trainieren solche Einsätze regelmäßig, die Vorgehensweise ist standardisiert.“ Im Hochhaus seien die Wohnungen mit Brandschutztüren versehen gewesen, Treppenhaus und Wohnbereich sind baulich getrennt, alles entspricht den Vorschriften: „Die Menschen sind in diesen Gebäuden grundsätzlich sicher!“

Hilfe nur ohne Eigengefährdung

Gottschalk lobt in diesem Zusammenhang auch die Nachbarn, die bei dem nächtlichen Brandereignis versuchten, zu helfen und öffneten die Wohnungstür. Dabei trat der Rauch in den Flur aus, in der Folge wurde er von einigen Anwohnern eingeatmet. Darum stellt der Feuerwehrmann klar: „Hilfe sollte nur bis zu dem Punkt gegeben werden, an dem man sich noch nicht selbst gefährdet.“

Patrick Keil ist Leiter des Fachbereichs Vorbeugender Brand- und Gefahrenschutz und bestätigt Gottschalks Einschätzung: „In der Friedrich-König-Straße 44 hat alles funktioniert, was der vorbeugende Brandschutz vorsieht. Letztlich blieb das eigentliche Feuer auf eine Wohnung beschränkt.“ Er erläutert, dass grundsätzlich alle Hoch- und Mehrfamilienhäuser sicher sind, sofern keine illegalen Umbauten erfolgten. Ihm ist aber auch klar, dass Menschen in einer Brandsituation durchaus unterschiedlich reagieren und mahnt daher im Fall eines solchen Falles dazu, Ruhe zu bewahren.

Ob im Einfamilienhaus oder im Wohnblock: Treppenhäuser sollten grundsätzlich vor Brandlasten frei gehalten werden. Dies betrifft beispielsweise die trotz aller Verbote nicht selten vorzufindenden Schuhschränke auf den Fluren, die dort eigentlich nicht stehen dürften. Dass auf den Fluchtwegen kein Gerümpel herumstehen sollte und diese freizuhalten sind, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Brandschutztüren sollten geschlossen bleiben und nicht etwa verkeilt werden, um im Sommer zu lüften. In den in Suhl häufig anzutreffenden Wohnblocks der Plattenbauserie WBS 70 gibt es an den Balkons übrigens einen zusätzlichen Fluchtweg: Den mit einer Platte abgedeckten Durchgang auf den Nachbarbalkon, der in der Regel durch die Nachbarwohnung in das nächste Treppenhaus führt und so ein Verlassen der Wohnung ermöglicht. Der Durchbruch sollte entsprechend auf beiden Seiten frei gehalten werden. „Keinesfalls sollte man aber über die Balkonbrüstung klettern, das wäre einfach zu gefährlich“, erläutert der Brandschützer. Patrick Keil und Marko Gottschalk appellieren unmissverständlich: „Um Schäden so gering wie möglich zu halten, ist Früherkennung der beste Weg!“

Rauchmelder retten Leben

Neben der allgemeinen Vorsicht gibt es laut Patrick Keil eine technische Einrichtung, deren Sinn nicht hoch genug einzuschätzen ist: Die elektronischen Rauchmelder. Längst sind sie Pflicht und auch für relativ kleines Geld zu bekommen. „Sie können wirklich Leben retten“, betont er. Auch wenn die Pflicht nicht überwacht werde, rät er eindringlich, sich an sie zu halten und diese praktischen Helfer in Schlaf- und Aufenthaltsräumen und entlang der Fluchtwege zu installieren und zudem regelmäßig ihre Funktion zu kontrollieren. Bei den großen Vermietern ist das ja sowieso gängige Praxis.

Der Befürchtung, dass die Rauchmelder viele Fehlalarme auslösen würden, nimmt Marko Gottschalk sofort den Wind aus den Segeln: „Wir haben in Suhl pro Jahr so etwa 50 Alarmierungen, weil heim-Rauchmelder anspringen. In immerhin der Hälfte der Fälle entwickelt sich daraus tatsächlich ein Brandeinsatz.“

Was aber, wenn man mitbekommt, dass in der Nachbarschaft ein Rauchmelder anschlägt? Der Warnton ist schließlich unüberhörbar: „Wenn der Rauchmelder anspringt, versuchen Sie, den Bewohner zu kontaktieren. Sollte ein Steak zu scharf angebraten worden sein, wird er öffnen und das erklären. Gibt der Rauchmelder aber weiter Signal und niemand reagiert, wählen Sie umgehend den Notruf 112!“.

Heutzutage schließen Türen oft so dicht, dass kein Geruch nach außen dringt. Sich also auf seine Nase zu verlassen, ist kein Grund, die Rettungskräfte nicht zu alarmieren. Dass einem Fehlalarm eine saftige Rechnung folgt, schließen die Feuerwehrmänner Gottschalk und Keil unisono aus: „Wir fahren lieber zehn Mal zu einem Fehlalarm als einmal zu spät zu kommen.“

Haustüren und Wege freihalten

Was aber, wenn man sich selbst in einer brennenden Wohnung oder in unmittelbarer Nähe befindet? – „Die Hochhäuser verfügen allesamt über Durchsageeinrichtungen, über die wir Verhaltensanweisungen an die Bewohner geben können“, erläutert Einsatzleiter Marko Gottschalk. In der Wohnung sollte man dann möglichst weit vom Brand weg Sicherheit suchen. Sollte bereits Rauch auf dem Flur sein, nicht hinaus gehen, sondern die Tür wieder schließen und in der Wohnung die Anweisungen der Feuerwehr abwarten. „Wir machen dann klare Ansagen!“ Und die könnten unter Umständen auch lauten, in der Wohnung zu bleiben, Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Generell sollten in allen Gebäuden die Haustüren zwar geschlossen, aber nicht verschlossen sein. Denn sollten Bewohner im Brandfall beim Verlassen ihrer Wohnung den Schlüssel vergessen haben, stünden sie sonst vor verschlossenen Türen. In der Regel lassen sich Türen, die geschlossen sind nicht von außen öffnen, von innen hingegen schon. „Und für alle denkbaren Einsatzfälle und Eventualitäten gibt es heutzutage entsprechende technische Vorrichtungen, bis hin zu Panik-Schlössern und automatischen Schließanlagen. Die Haustür ist immer auch ein Notausgang!“, erläutert Patrick Keil.

Gemeinsam mahnen die Feuerwehrmänner eindringlich, „alles, wo Feuerwehr drauf steht auch zu beachten: Feuerwehrzufahrten und Stellplätze dienen der Sicherheit und sind keine Parkplätze, Fluchtwege sind uneingeschränkt frei zu halten!“

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