Branchenumfrage Der Optimismus bekommt wieder einen Dämpfer

Ohne Rohstoffe wie Stahl geht in der Zulieferindustrie fast nichts. Doch die benötigten Materialien sind aktuell knapp und teuer. Foto: dpa/Martin Schutt

Die Thüringer Zulieferindustrie blickt weiterhin optimistisch in die Zukunft. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Verbandes Automotive Thüringen. Doch die Verschärfung der Corona-Regeln, unsichere Mengenabrufe und die schlechte Verfügbarkeit von Rohstoffen belasten die Unternehmen.

Eisenach/Erfurt - Die Pandemie ist noch nicht vorbei – das bekommt auch die Thüringer Automobilzulieferindustrie deutlich zu spüren. Denn der erhoffte Re-Start gerät durch Lieferengpässe, Kostensteigerungen bei Vormaterialien und ständige Produktionsunterbrechungen immer wieder ins Stocken. Zu diesem Ergebnis kommt der Branchenverband Automotive Thüringen nach der Auswertung seiner jüngsten Mitgliederbefragung unter 190 Unternehmen. Zwar blieben Thüringens Zulieferer in ihren mittelfristigen Erwartungen und Planungen weit überwiegend optimistisch – aber die ausgeprägte Planungsunsicherheit stelle ein unübersehbares Risiko dar, erklärte AT-Geschäftsführer Rico Chmelik am Montag in Hörselberg bei Eisenach.

So zeigen die Umfrageergebnisse, wie angespannt die Situation in der Branche noch immer ist. Denn etwa 40 Prozent der Unternehmen melden selbst gegenüber dem Corona-Jahr 2020 rückläufige Umsätze und rückläufige Mitarbeiterzahlen. „Im Vergleich zu 2019 sind die Vor-Corona-Werte noch lange nicht erreicht“, sagte Chmelik. 71 Prozent der Unternehmen berichten, dass das Vor-Corona-Niveau beim Umsatz noch nicht wieder erreicht worden sei.

In der Branche kommen derzeit laut Chmelik gleich mehrere Herausforderungen zusammen. Neben der Pandemie hätten die Unternehmen mit steigenden Materialpreisen, schlechter Materialverfügbarkeit und unplanbaren Mengenabrufen der Fahrzeughersteller zu kämpfen. Zudem stecke die Branche mitten im Strukturwandel. „Der Wandel zur Elektromobilität kommt nicht irgendwann, wir stecken mitten drin“, so Chmelik. 51 Prozent rechnen damit, dass es bis zu einer vollständigen Erholung noch sechs bis zwölf Monaten dauern wird. 87 Prozent berichten, dass sie von Materialengpässen und steigenden Preisen für Rohstoffe und Vorprodukte betroffen sind. „Es fehlen nicht nur Chips, sondern auch Kunststoffgranulat, Magnesium, Stahl, Aluminium und Holz. Eigentlich fehlt es an allem“, so Chmelik. Für die Unternehmen bestehe daher die Herausforderung, die eigene Produktion so zu planen, dass sie unter den aktuellen Bedingungen weiter laufen könne.

„Liquidität wird wieder zu einem Thema, denn wir müssen sehen, wie lange Unternehmen durchhalten, die keinen Umsatz erwirtschaften können, weil ihnen die nötigen Materialien fehlen“, so Chmelik. Aufträge seien vielfach vorhanden, was fehle seien die Rohstoffe. Immerhin: 83 Prozent der befragten Unternehmen berichten, dass sie bereits Umsätze mit Komponenten für die Elektromobilität erwirtschaften. In den meisten Fällen machen diese aber noch weniger als 25 Prozent des Gesamtumsatzes aus.

54 Prozent der Unternehmen gaben an, sie fühlten sich selbst für den Strukturwandel nicht gut vorbereitet. Firmen wollen vor allem mit neuen Produkten, Automatisierung und Digitalisierung sowie der Erschließung neuer Geschäftsfelder auf den Wandel reagieren. „Die mangelnde Vorbereitung ist oft einfach ein Mangel an passenden Mitarbeitern“, erklärte Chmelik. Digitalisierung und Automatisierung der Produktion würden neue Qualifikationen erfordern, die auf dem Markt nicht verfügbar seien und im eigenen Unternehmen erst herausgebildet werden müssten. Das brauche Zeit. Immerhin gehen 84 Prozent der Unternehmen davon aus, dass ihr Standort in Thüringen in den kommenden Monaten entweder wachsen wird oder zumindest die aktuelle Größe behält. 76 Prozent planen Investitionen in den Standort Thüringen.

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