Bodendenkmale im Wartburgkreis Neue Infotafel am „Ruhlaer Häuschen“

red

Viel Wissenswertes an idyllischer Stelle: Die neue Infotafel „Ruhlaer Häuschen“ wurde offiziell eingeweiht. Demnächst wird zudem noch eine Infotafel zur Schweina-Quelle aufgestellt.

Das hatte die rüstige Rennerin aus Klingenthal nicht erwartet: Am ersten Tag ihrer Runst (Rennsteigwanderung) von Hörschel nach Blankenstein suchte sie ein schönes Plätzchen für eine Rast – und wurde mit einer Brotzeit überrascht. Die neuen Hinweisschilder „Bodendenkmal Ruhlaer Häuschen“ und „Häuschenteich an der Quelle der Schweina“ hatten sie neugierig gemacht. Und so kam sie als erste offizielle Besucherin zur neuen Infotafel „Ruhlaer Häuschen“. Gerade war die Einweihung neben der Quelle der Schweina erfolgt. Auf Einladung von Gerald Slotosch, Bürgermeister der Stadt Ruhla, waren viele Partner und Mitglieder des Vereins „Arche Nova Ruhla“ sowie des Rennsteigvereins 1896 an diesem schönen Plätzchen versammelt.

„Im Wald liegen rund 80 Prozent der Bodendenkmale“, sagte Thomas Grasselt, Gebietsreferent vom Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA), und führte weiter aus: „Hier am ehemaligen Wettiner Jagdschloss haben wir ein gutes Beispiel dafür, wie Forstwirtschaft und Denkmalpflege gut zusammenarbeiten können.“

Die Grundlagen für die Infotafel hatte Benjamin Hoffmann, ein Ruhlaer, der an der Fachhochschule Erfurt Forstwirtschaft studierte, mit seiner Bachelorarbeit „Ruhlaer Häuschen – Geschichte und Vermessung eines Bodendenkmals“ gelegt, die von Professorin Anka Nicke wissenschaftlich betreut wurde. Hoffmann hat mit moderner Lasertechnik das Höhenprofil der Bodenstrukturen erstellt und unter Anleitung von Frank Jelitzki, Archäologe im TLDA, das Bodendenkmal abgesteckt. Weitere Recherchen brachten schließlich Pläne des Jagdschlosses hervor, die nach Lage und Größe mit den Bodenstrukturen überein-stimmten. „Das kann Wissenschaft bringen, erlebbare Befunde für die Vergangenheit“, zeigte sich Thomas Grasselt begeistert.

Vielen Wanderern und auch manchen Einheimischen ist wohl nicht bekannt, dass unmittelbar am Rennsteig im 18. Jahrhundert ein kleines barockes Jagdschloss mit Nebengelassen gestanden hat und dass sogar ein Barockgarten geplant war.

Nun sind die Ergebnisse der Recherche von Benjamin Hoffmann vom Verein „Arche Nova Ruhla“ mit dem Layout und Design von André Nestler aus Eisenach anschaulich auf der Infotafel zusammengestellt worden. Den Standort für die Tafel hat Revierleiterin Ariane Rudloff mitbestimmt. Sie wird bei forstlichen Maßnahmen im Bereich und in der Nähe des Bodendenkmals besondere Sorgfalt walten lassen, sodass die Bo-denstrukturen der ehemaligen Schlossanlage auch erhalten bleiben. Das weiß auch Ansgar Pape, der Leiter des Thüringischen Forstamtes Marksuhl, zu schätzen. „Für die Besucher wird mit der Tafel die Geschichte dieses Ortes erlebbar und zugleich die Notwendigkeit des Schutzes von Bodendenkmalen als eine Aufgabe der Forstwirtschaft bewusst gemacht“, sagte er.

In der Ruhlaer Gegend ist vor Jahren schon ein weiteres Beispiel erarbeitet worden. „2005 wurde im Rahmen einer Diplomarbeit der Fachhochschule Schwarzburg, die sich mit Wald-, Industrie- und Besiedlungsgeschichte der Region beschäftigte, in der Nähe der Wallfahrt Glasbach am Rennsteig der Fundort eines mittelalterlichen Eisenschmelzofens, eines sogenannten Rennofens, gesichert. Diese Arbeit legte den Grundstein für eine gute Zusammenarbeit von Thüringen-Forst und TLDA“, berichtete Karina Kahlert, Praxisbetreuerin der Diplom- wie auch der Bachelorarbeit und bis 2021 Referentin im Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrum. Als Vereinsmitglied der „Arche Nova Ruhla“ bedankte sie sich im Namen aller Partner bei Thomas Grasselt vom TLDA für die gute Zusammenarbeit und Förderung des Projektes mit Mitteln zur Erhaltung von Kulturdenkmälern.

Auch Torsten Ertelsberger, Mitarbeiter der Stadtwirtschaft Ruhla, trug gemeinsam mit Kollegen durch das Aufstellen von Infotafel und Hinweisschildern sowie durch die Reparatur der Bänke und die Pflege des Plätzchens zum Gelingen des Projektes bei. „Zukünftig werden Infotafel und Bänke von den Ruhlaer Wanderwegewarten mit gepflegt“, berichtete Christin Stamm von der Touristinfo Ruhla und Silke Möller, Sachgebietsleiterin Kultur und Tourismus der Stadt, fügte hinzu: „Das Bodendenkmal wird als Ziel in die Rundwanderwege des staatlich anerkannten Erholungsortes eingebunden und auch vermarktet.“ Zudem gab Patrick Iffert, Wanderwegewart von Bad Liebenstein, bekannt, dass demnächst noch eine Infotafel zur Schweina-Quelle aufgestellt und so das Thema noch ergänzt wird.

Alle Beteiligten wünschen sich, dass der idyllische Ort mit all seinen Bestandteilen, wie dem Bodendenkmal Ruhlaer Häuschen und der Schweina-Quelle mit dem Häuschenteich, lange erhalten bleibt. „Mögen viele Besucher und Heimatfreunde sowie Wanderer und Renner des Rennsteigvereins 1896 dieses Kleinod erkunden und die Botschaft weitertragen: Schützt die Bodendenkmale im Wald!“, so Gerald Slotosch.

 

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