Blutbuche Schmalkalden Schutz-Status oder nicht?

Birgitt Schunk

Die Sorge ums Wohl der „Blutbuche“ in Schmalkalden geht weiter. Leser fragen, ob das stattliche Exemplar als Naturdenkmal eingestuft ist.

Auf dem „Platz Stadt Fontaine“ wird gebaut. Die Stadt versichert, dass alles für den Erhalt der Blutbuche getan wurde und wird. Foto: Birgitt Schunk

Die Blutbuche auf dem Platz „Stadt Stadt Fontaine“ bewegt schon lange die Gemüter – seit dem Beginn der Bauarbeiten für die geplante Terrasse im vergangenen Jahr erst recht. Unter der Rubrik „Leser fragen, Redakteure antworten“ wandte sich Rainer Jahn an diese Zeitung. Er will wissen, weshalb die Blutbuche noch nicht als Naturdenkmal gekennzeichnet wurde. Er erinnert an ein Schreiben des Vereins für Schmalkaldische Geschichte und Landeskunde e. V. von 2015 an die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes, in dem beantragt worden sei, 33 Bäume im Raum Schmalkalden als Naturdenkmale auszuweisen. Doch was ist daraus geworden?

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Blutbuche trotzt Pilzbefall dank natürlicher Abwehrstoffe

Wir gaben die Fragen weiter. Wie aus der Stadtverwaltung Schmalkalden zu erfahren war, wurde im November 2011 an der Blutbuche erstmals eine eingehende Untersuchung durch ein zertifiziertes Gutachterbüro durchgeführt. „Grund dafür war der vorab festgestellte Befall des wulstigen Lackporlings am Stammfuß an der nordwestlichen Seite des Baumes. Der wulstige Lackporling ist ein Schwächeparasit, der durch Weißfäule langsam Holz abbaut“, erklärt Nikolas Flossmann vom Sachgebiet Tiefbau & Grünflächen des städtischen Bauamtes. Aufgrund des Befalls wurde eine Bohrwiderstandmessung veranlasst, um die Restwandstärke und somit die Standsicherheit zu prüfen. „Aus dem Gutachten geht hervor, dass die Blutbuche keine gravierenden Schäden durch den Pilzbefall aufweist. Nachweislich schottet der Baum bis heute den Pilzbefall ab durch natürliche Einlagerung pilzhemmender Stoffe.“

Nach der eingehenden Untersuchung habe es im März 2016 noch einmal eine Begehung mit der Unteren Naturschutzbehörde und der zuständigen Stelle der Stadtverwaltung Schmalkalden gegeben. „Bei diesem Termin wurde die Möglichkeit erörtert, den Baum als Naturdenkmal auszuweisen. Hierbei wurde die Blutbuche seitens der Naturschutzbehörde als nicht schutzwürdig eingestuft“, heißt es aus der Stadtverwaltung.

Blutbuche trotzt Prognosen: Neue Hoffnung auf Naturdenkmal-Status

Grund dafür sei u. a. die gutachterliche Einschätzung gewesen, dass der Baum lediglich noch weitere zehn Jahre überleben kann. Doch die Blutbuche zeigte sich offenbar robuster als angenommen. „Die Stadt Schmalkalden konnte durch die in 2024 und 2025 eingehenden Untersuchungen den erheblichen Rückgang des Pilzes und die deutliche Regenerierung der Blutbuche feststellen“, so Floßmann. Aufgrund dieser Erkenntnisse habe es erneut eine Rücksprache zwischen der Stadtverwaltung Schmalkalden und der Unteren Naturschutzbehörde gegeben. Nun soll die Blutbuche erneut unter die Lupe genommen und der Status als Naturdenkmal geprüft werden. Dies soll bis spätestens 2027 erfolgen.

Vier Bäume in Schmalkalden als Naturdenkmale anerkannt

Von den einst 33 im Stadtgebiet beantragten Bäumen wurden vier als Naturdenkmale ausgewiesen. Dabei handelt es sich nach Aussage der Stadtverwaltung um die Stieleiche in der Künkelsgasse, eine Linde in der Bäche, eine Douglasie in Volkers und die Eiche im Hedwigsweg.

Die aktuelle Liste der Naturdenkmäler könne bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Schmalkalden-Meiningen eingesehen bzw. angefragt werden. Die Unteren Naturschutzbehörde und das städtische Bauamt seien in Sachen Pflege und Erhaltung der Bäume im ständigen Austausch. Die untere Naturschutzbehörde sei zuständig für die Einstufung, Überwachung und Kennzeichnung von Naturdenkmälern.

„Wir haben es freiwillig getan“: Stadt investiert in Blutbuche

Im vergangenen Sommer und Herbst waren die Wogen hochgeschlagen aus Sorge um die Blutbuche, die Debatten nahmen Fahrt auf. Die Stadtverwaltung hatte immer wieder versichert, dass im Zuge der Baumaßnahme alles getan werde, damit der stattliche Baum keinen Schaden nimmt. Für 7000 Euro hatte die Stadt ein Gutachten erstellen lassen – und nahm weitere Gelder in die Hand, um zusätzliche Maßnahmen zu realisieren.

„Dazu waren wir nicht verpflichtet, wir haben es freiwillig aber trotzdem getan“, sagt Schmalkaldens Bürgermeister Thomas Kaminski und verweist auf Untersuchungen, durch die das Wurzelwerk unter die Lupe genommen worden sei, um Beschädigungen zu vermeiden. Entsprechend des „Röntgenbildes“ seien die Bohrungen gesetzt worden. Die Auflockerung des Bodens und die Verbesserung der Nährstoffversorgung des Baumes seien zudem wichtige Maßnahmen für den Erhalt, die die Stadt angeschoben habe.