Blindenverband Begegnung auf Augenhöhe

Annett Recknagel

Wechsel an der Spitze des Kreisverbandes des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Schmalkalden-Meiningen. Wolfgang Leffler gibt den Vorsitz an Frank Gruhn ab.

Frank Gruhn (rechts) ist der neue Vorsitzende des Kreisverbandes des Blinden- und Sehbehindertenverbandes. Damit löst er Wolfgang Leffler (zweiter von links) ab. Mit im Bild Jürgen Schmidt als Behindertenbeauftragter des Landratsamtes und Landrätin Peggy Greiser. Foto:  

Der Dunkelcontainer, der im Juni 2019 auf dem Gelände am Siechenrasen in Schmalkalden stand, habe sie sehr beeindruckt. „Sie gehen offenen Herzens durchs Leben“, sagte Landrätin Peggy Greiser zur Wahlversammlung der Kreisorganisation des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Thüringen e.V.. Der ein oder andere könne sich davon eine Scheibe abschneiden. Dass sich die Vereinsmitglieder von der Corona-Krise nicht hatten irritieren lassen, imponierte ihr obendrein sehr. „Sie sind ein Verband, der so viel gibt“, lobte Greiser und schickte ein großes Dankeschön in Richtung Wolfgang Leffler.

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Der Mann aus Floh-Seligenthal hatte dem Verband 16 Jahre lang vorgestanden und 20 Jahre lang im Vorstand mitgearbeitet. Jetzt war es für ihn an der Zeit, ade zu sagen. Aus Altersgründen, wie er seinen Rückzug begründete. Natürlich bleibe er weiterhin Vereinsmitglied, betonte Leffler. Außerdem ließ er es sich nicht nehmen, auf die Ergänzende Unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) in Schmalkalden hinzuweisen. Seit deren Bestehen im April 2018 hatten die Beratungen kontinuierlich zugenommen. Im Anfangsjahr waren es noch 34 Menschen, die beratende Hilfe suchten. 2019 erhöhte sich die Zahl bereits auf 124. Im Coronajahr 2020 wurde 136 geholfenl, 2021 stieg die Zahl gar auf 236 Beratungen an.

Während der Pandemie erfolgte die Beratung größtenteils telefonisch. Im laufenden Jahr verzeichnet man bereits mehr als 80 Beratungen. „Das sind Zeichen, wie gut die EUTB-Stelle angenommen wird und wie viel wir zu tun haben“, verkündete Leffler. Fest steht für ihn, dass man im Verband nur gemeinsam stark sei und als Körper- und Sinnesbehinderte nur zusammen viel erreichen könne.

Den Tätigkeitsbericht lieferte Lefflers Frau Carmen. Sie erinnerte daran, dass die letzte Wahl des Kreisvorstandes Ende März 2019 stattgefunden hatte. Mit dem Ausbruch von Corona konnten Vorstandssitzungen nur noch virtuell stattfinden. Ebenso betraf das die monatlichen Treffs der beiden Kreisgruppen in Schmalkalden und Meiningen. Leider konnten auch sie in den Jahren 2020 und 2021 nur drei mal zusammen kommen. Allein aber seien sie nicht gewesen. Telefonische Betreuung habe es in regelmäßigen Abständen immer gegeben. Wenn Hilfe gebraucht wurde, habe man diese organisiert- Landesweite Veranstaltungen wie Tagungen und Ausschusssitzungen seien zum Großteil online durchgeführt worden.

Service trotz Pandemie

Wichtig für die Belange blinder und sehbehinderter Menschen sei es, deren Bedürfnisse im öffentlichen Leben umzusetzen, merkte Carmen Leffler an. Unter anderem würden seit der vergangenen Wahl drei Schülerinnen und eine Studentin bei deren Seminarfacharbeiten begleitet. Andere Schulprojekte seien leider coronabedingt ausgefallen. 2019 war der Verband mit drei Informations- und Beratungsständen in Meiningen und Schmalkalden statt. Zudem war er in die Landeskirche in Floh eingeladen, um über das Leben mit Sehbehinderung und Blindheit aufzuklären und um zu zeigen, dass man trotzdem ein normales Leben führen könne.

Zum 25. Jubiläum des Blindeninstitutes Thüringenstand in Schmalkalden ein Dunkelcontainer. Organisiert hatte diesen der Kreisverband. Auch die Führungen übernahmen Mitglieder des Blindenverbandes. Auf diese Weise bekamen 150 Besucher, darunter Landrätin Peggy Greiser und Schmalkaldens Bürgermeister Thomas Kaminski, einen Eindruck vom „Leben in der Dunkelheit“.

Zudem fand 2019 auf dem Markt in Schmalkalden ein Kinderfest statt, an dem sich der Verband mit vielen Mitmachaktionen beteiligte. Auch die „Woche des Sehens“ erfreute sich mit 60 Teilnehmern guter Resonanz. Dazu kamen ein Grillfest sowie Weiterbildungen und Schulungen.

2020 war es wegen Corona dann vorbei mit den vielen Events. Beratungen durften nur telefonisch von zu Hause durchgeführt werden, erinnerte Carmen Leffler. Im September 2020 wurde gemeinsam mit Jürgen Schmidt vom Behindertenverband in Meiningen ein E-Bus angeschaut, um ihn auf Barrierefreiheit zu überprüfen. Die gegebenen Hinweise wurden dankbar angenommen und umgesetzt. Weiter fand, trotz Pandemie, eine Inklusionsveranstaltung in Schmalkalden statt.

Die „Woche des Sehens“ war mit einem „Tag der offenen Tür“ in der Beratungsstelle verbunden. Nach Voranmeldung konnten dort verschiedene Hilfsmittel getestet werden. Die Firma „Beta – Hilfen für Sehgeschädigte“ übergab ein Bildschirmlesegerät. Auch 2021 wurden die Mitglieder aus Coronagründen größtenteils telefonisch betreut. Veranstaltungen gab es nur wenige. Im September trafen sich beide Kreisgruppen e zu einem Erfahrungsaustausch mit Gästen des hessischen Partnerverbandes zu einem Grillfest. Die „Woche des Sehens“ fand statt und auch eine Weiterbildung gab es. „2022 scheint jetzt besser anzufangen“, sagte Carmen Leffler. Beratungen in den Räumlichkeiten der EUTB finden wieder regelmäßig statt. „Die Zahl der Ratsuchenden nimmt ständig zu“, so Leffler.

Feste Größe

Der Kreisverband setzt sich derzeit aus 59 Mitgliedern zusammen. Seit der letzten Wahl konnte man 14 neue begrüßen. Jürgen Schmidt als Behindertenbeauftragter des Landratsamtes wies in seinem Grußwort darauf hin, wie wichtig Barrierefreiheit und Inklusion seien, wenn es um gleichberechtigte und selbstbestimmte Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft gehe. Der Kreisverband des Blinden- und Sehbehindertenverband Thüringen e. V. leiste eine große Rolle. „Mit der Blickpunkt Auge Beratung konnten sie schon vielen Menschen helfen“, betonte Schmidt und versäumte es nicht, Wolfgang Leffler für die jahrelange Tätigkeit und die gute Zusammenarbeit mit dem Behindertenverband zu danken.

Der wiederum gab den Dank an seine Frau und an die Mitglieder weiter. Der neue Vorstand setzt sich aus Frank Gruhn (Vorsitzender) und Andreas Bochnig als Stellvertretender zusammen. Zudem gehören die beiden Beisitzer Gunther Münch und Kornelia Riesel dazu. Sabine Tessenow kam als Beisitzerin und Kassenwartin neu in den Vorstand.