Na das war ja fast wie im Film: Die junge Polizistin steigt aus dem Streifenwagen aus, läuft lächelnd auf die Kinder und die Erstklässler heben feixend beide Hände hoch. Solche und ähnlich lustige, abenteuerliche und erkenntnisreiche Momente erlebten am Donnerstag die Schulkinder der Herpfer Grundschule an ihrem Blaulichttag, von dem sie freilich bis kurz nach acht Uhr noch keinen blassen Schimmer hatten. Minuten, bevor die beiden Polizeiautos auf den Schulhof rollten, hatte die Schulsirene geschrillt, verbunden mit der strengen Durchsage, dass jetzt alle umgehend das Schulgebäude zu verlassen haben. Dem einen oder anderen jagte die unheimliche Unterrichtsunterbrechung natürlich eine ordentlichen Schrecken ein. Sogar Tränchen flossen, doch ein Probealarm einmal im Jahr, ein Test für den Ernstfall an der Schule, muss nun mal sein. Da die Kinder gut vorbereitet waren und das Szenario schon wiederholt mit ihren Lehrern durchgespielt hatten, klappte die Evakuierung des Schulhauses wie am Schnürchen. Ohne Jacke und noch in ihren Hausschuhen liefen die Kinder, immer dem Lehrer nach, schnurstracks ins Freie. Die Schüler im Obergeschoss nahmen die Feuerleiter, die in den unteren Räumen stürmten durch den Haupteingang und wer sich zufällig gerade in den Toilettenräumen aufhielt, nutzte den Ausgang zum Schulgarten. Kurz darauf schon hatten sich alle auf dem Hof versammelt und freuten sich über das Lob von Schulleiterin Michaela Wichert, die danach noch die letzten Tränen trocknete. Aber eigentlich war die Angst bei den meisten Mädchen und Jungen längst verflogen – spätestens als sie all die Fahrzeuge auf dem Schulgelände sahen. Die ließen ihr Blaulicht natürlich ausgeschaltet und wirkten daher ganz und gar nicht furchteinflößend.