BlasUp! zum SOS-Festival Blasmusik aus allen Rohren

Die Singertaler aus Themar bringen auch amerikanisch inspirierten Swing und Jazz mit nach Suhl. Foto: /Bastian Frank

Die erste Erwähnung der Blasmusik war in der Bibel – dort sorgte der Stil noch für beachtliches Unheil. Heute sorgt Blasmusik durchweg für Begeisterung. Am Samstag, 25. Juni, heißt es bei unserem SOS-Festival auf dem Platz der Deutschen Einheit in Suhl: „Blas Up! Von Polka bis Swing“. Vier Gruppen aus der Region präsentieren sich ab 19 Uhr. Die Instrumente reichen vom fast fünf Meter langem Alphorn bis zur Blechtrompete.

Die Blasmusik ist uralt. Die Blasmusik ist jung und super modern. Beides stimmt. In der Bibel haben die Posaunen von Jerichow die Stadtmauern einstürzen lassen – ob durch besonders rockige oder besonders schrille Töne ist nicht überliefert. Heute interessieren sich immer mehr junge Menschen für Blasmusik.

Ein Grund: Neben der beliebten Volksmusik können tausend weitere Stilrichtungen ins Publikum geblasen werden. Die eingängige Swing Musik der 1930er und -40er Jahre ist ohne Big Bands und die Klarinette von Benny Goodman unvorstellbar. Die wilden Arrangements des Balkan Brass reißen längst nicht mehr nur die Besucher serbischer Zigeunerhochzeiten vom Hocker, sondern tragen prämierte Filmmusiken.

Blasmusik haut einfach um. Und deshalb heißt es am Samstag, 25. Juni, zum SOS-Festival unseres Verlages auf dem Platz der Deutschen Einheit in Suhl: „Blas up! Von Polka bis Swing“ Wer bei Blasmusik an Biertrinkbegleitmusik denkt, der hat die Entwicklung in der Szene völlig verschlafen. Blasmusik ist mittlerweile ein jugendtauglicher Musikstil. Längst sind die großen Kapellen und Ensembles auf dem Land und in den kleineren Städten zu einem Mittelpunkt der Kreativität geworden. Blasmusik verbindet die Generationen und Geschmäcker.

Los geht das erste Blasmusik-Event im SOS mit dem Zella-Mehliser Alphorn-Ensemble, das alle Besucher bereits am Einlass mit den bis zu vier Meter langen Alphörnern begrüßt. Danach spielt das gemischte Kinder-, Jugend- und Erwachsenen-Blasorchester der Musikschule Suhl, bevor schließlich die Gompertshäuser Blasmusik allen Besuchern mehr als nur den Marsch bläst. Zum Abschluss geben die Musiker des Unterhaltungsorchesters Singertaler einen Einblick in ihr Repertoire. Sie sind in Suhl keine Unbekannten, denn sie gastierten nahezu jährlich mit einem großen Konzert im benachbarten CCS.

Thomas Darr, leidenschaftlicher Vollblutmusiker und selbsternannter Instrumentenbauer hat sich einem für Thüringen eher ungewöhnlichen Instrument verschrieben – dem Alphorn. Wenn man im kalten Monat Dezember auf einen Mann trifft, der an einem steilen Hang einen wild gewachsenen etwas krummen Ahornbaum fällt, dann kann es sein, dass es sich um einen Alphornspieler handelt. Aus dem Baum stellt er dann in seinem Garten am Zella-Mehliser Regenberg ein solches fremdländisch anmutendes Blasinstrument her. Seit 2004 hat er das schon drei Mal gemacht. Was aber bringt einen ausgebildeten Musiker dazu, solch ein unhandliches Alphorn zu spielen und sich sogar das Instrument selbst zu bauen? „Mich hat dieses Instrument mit seinem besonderen, ja fast meditativen Klang schon immer beeindruckt“, sagt er

Thomas Darr, Musiklehrer für Blechblasinstrumente und vom Naturell aus neugierig, begann mit der Suche. „Man schaut dann schon mal beim Waldspaziergang nach einem passendem Stamm.“ Nach einem halben Jahr war der Ahornbaum mit der notwendigen Krümmung für ein Alphorn gefunden.

Aufwendiger hingegen ist die Herstellung des Instruments. Dass ein klassischer Musiker nicht zwangsläufig zwei linke Hände fürs Praktische haben muss, dafür ist Thomas Darr ein Beispiel. Man sieht ihn, wie er den Baumstamm mit der Motorsäge und Hobeln in die Form des Instruments bringt. Danach ist in der Tischlerei an der Bandsäge sehr viel Genauigkeit gefragt, denn der Rohling muss genau in der Mitte durchgetrennt werden. Und wieder greift der Instrumentenbauer zur Motorsäge. Er höhlt mit diesem klobigen Werkzeug mit viel Zartgefühl die beiden Seiten aus. Nur sieben Millimeter dürfen stehen bleiben, denn das ist die Wandstärke der beiden Seiten des Alphorns. „Ein einziger Patzer, und alles ist nur noch Brennholz. Es muss nur dann fix gehen, wenn beide Seiten ganz passgenau wieder zusammengeleimt werden. Jede Unebenheit im Innern des Alphorns erzeugt falsche Töne. Aber dann, wenn die Motorsäge Ruhe hat, wird es spannend wie beim Stapellauf eines Schiffes: Der erste Ton wird dem neuen Instrument entlockt und man sieht, ob das Werk gelungen ist.

Die Gompertshäuser Blasmusiker haben ihre Stücke auch schon auf CD veröffentlicht. Die Titel zeugen von der Begeisterung der Musiker für eigenhändig produzierte Blasmusik, von der engen Verbindung zu Orten, Festen und Geschichten ihrer Heimat. Darunter sind Stücke, die eigens für Familienmitglieder, regionale Besonderheiten oder Traditionen komponiert wurden. Die „Theo-Polka“ ist für einen Neffen geschrieben, die „Heuernte“ ist vom tschechischen Freund, die Ballade „Ein Stern für Mama“ ein ganz persönliches Solo für Klarinette und Trompete. Es wird das Jahr über in verschiedenen Besetzungen gespielt, zu den unterschiedlichsten Anlässen.

Am 1. Mai 1988 stellte sich das damalige Jugendorchester in seiner Heimatstadt Themar erstmals der Öffentlichkeit vor. Die Szene wurde ganz und gar von jungen, engagierten Musikanten beherrscht, die herzerfrischend aufspielten und auch kritische Zeitgenossen davon überzeugen konnten, dass die Blasmusik aus dem Singertal als würdiger Vertreter dieses Landstrichs heranwächst. Der Sound von Glenn Miller oder auch Musik im Stil von James Last beschwingt heute alle Generationen. Man hat den Zahn der Zeit also keineswegs verschlafen. Es muss nicht immer reine Blasmusik sein, sagt Andreas Lotz, Dirigent des Vereins, und zieht alle Register musikalischer Vielfalt, die mit Bläsern machbar sind. Doch bei aller Begeisterung für die Musik, wichtig bleiben vor allem die Möglichkeiten einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung, die der Jugend wieder Ziele und Perspektiven gibt.

Die Musikschule „Alfred Wagner“ bietet mehrere Ensembles unter ihrem Dach. Einmal im Jahr zeigen die Schüler bei einem großen Konzert ihr Können.

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