Bischöfin zu Besuch Zuhören und ganz genau hinschauen

Im Philipp-Melanchthon-Gymnasium diskutierte Bischöfin Beate Hofmann (rechts) mit Jugendlichen und Gemeindemitgliedern unter anderem über ihre Vorstellungen zur Zukunft der Kirche. Foto: privat

Sehen und hören: Das zeichnete den dreitägigen offiziellen Besuch von Bischöfin Beate Hofmann im Evangelischen Kirchenkreis Schmalkalden aus. Ein Resümee.

Drei Tage lang besuchte Bischöfin Beate Hofmann den evangelischen Kirchenkreis Schmalkalden. Begleitet wurde sie von Pröpstin Sabine Kropf-Brandau aus Bad Hersfeld. Vielfältig waren die Eindrücke.

„Was hat sich durch die Pandemie und den Krieg in der Ukraine verändert in Kirche und Gesellschaft? Wie sollte die Kirche von morgen aussehen?“ Diese beiden Fragen zogen sich wie ein roter Faden durch die 15 Stationen des Besuchs der Kasseler Bischöfin. Vielfältig waren die Begegnungen. Besuche bei der Schmalkalder Tafel und in der Martin-Luther-Schule (wir berichteten), standen ebenso auf dem Plan wie Gespräche mit Bürgermeistern und Landräten, mit Ordnungsbehörden und Menschen, die auf die Straße gehen. Auch Jugendliche, Mitarbeitende der Jugendarbeit und der Diakonie sowie Menschen aus der Breite der Gesellschaft sind den beiden Besucherinnen aus Hessen begegnet. Ein Besuch im Forstamt und in der neuen Sonderausstellung des Museums Schloss Wilhelmsburg komplettierten das umfangreiche Programm. Museumsdirektor Kai Lehmann hatte darauf bestanden, die Gäste persönlich durch die erst vor wenigen Wochen eröffnete Ausstellung zu führen. Bekannt lebhaft berichtete der promovierte Historiker über den Mitte des 17. Jahrhunderts lebenden Johann Jeremias Glaser, liebender Familienvater, akribischer Buchhalter, Geschäftsmann, aber auch Scharfrichter des Herzogs. Die Visitation der Bischöfin schloss mit einer Andacht in der Stadtkirche ab. Mit mehr als 150 Personen hatten Bischöfin und Pröpstin Kontakt in diesen Tagen. Der Ruf nach klarer Positionierung der Kirche wurde immer wieder laut, aber auch der Wunsch, den Ort für Begegnung und Gespräch zu öffnen. „Das besondere Gepräge unserer Region ist in den Tagen sehr deutlich geworden“, resümiert Dekan Ralf Gebauer. „Wir haben auf die Punkte geschaut, wo es Probleme gibt, für die wir gemeinsam eine Lösung suchen müssen. Dazu gehören unter anderem die feststellbaren Spaltungen der Gesellschaft.

Daneben ist aber auch das viele Gute sichtbar geworden, was uns in Südthüringen auszeichnet: Herzlichkeit, Engagement, Kreativität, Gastfreundschaft. Es ist richtig toll bei uns, und das darf man ruhig spüren.“ Insgesamt sei er mit dem Verlauf der Visitation zufrieden, sagt der Schmalkalder Dekan. Vor allem habe ihn beeindruckt, wie gut Bischöfin und Pröpstin zugehört und hingeschaut haben. „Das Hinschauen und Hinhören zeichnet eine Visitation aus, denn nur so kann Verständnis wachsen. Ich habe oft den Eindruck, dass wir nicht das Gleiche meinen, auch wenn wir die gleichen Worte gebrauchen“, erklärt Gebauer.

Als Beispiele hierfür nennt er die Begriffe „Demokratie“ und „Freiheit“. „Was wir darunter verstehen, müssen wir im Gespräch miteinander klären, damit wir wieder zusammenfinden. Kirche kann für diese Gespräche den Raum geben, damit unterschiedliche Menschen zusammenkommen.“

Ihre persönlichen Eindrücke über den Besuch im kleinsten Kirchenkreis der Evangelischen Landeskirche Kurhessen-Waldeck schildert Bischöfin Beate Hofmann in den nächsten Tagen in einer eigenen Kolumne.

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