Hildburghausen Heftige Rangeleien zwischen Polizei und Demonstranten

Beim Polizeieinsatz gegen eine nicht angemeldete Corona-Versammlung ist es am Mittwochabend auf dem Marktplatz und in der Innenstadt von Hildburghausen zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen.

 
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Hildburghausen - Rund 600 Demonstranten hatten sich nach Schätzung der Polizei kurz vor 19 Uhr auf dem Marktplatz in Hildburghausen versammelt. Da diese trotz Aufforderung den Mindestabstand nicht einhielten und auch keine Schutzmasken trugen, erklärte die Einsatzleitung gleich zu Beginn die Versammlung für beendet und forderte die Teilnehmer auf, den Marktplatz zu verlassen.

Da diese der Aufforderung nicht nachkamen, sorgten mehrere Gruppen von Bereitschaftspolizisten dafür, die Demonstranten vom Marktplatz zu drängen. Dabei kam es am Rande vereinzelt zu teils heftigen Auseinandersetzungen. Einige Teilnehmer leisteten Widerstand und gingen auch auf Polizeibeamte los. Ein Demonstrant wurde zur Identitätsfeststellung in Gewahrsam genommen.

Danach zogen die Demonstranten in Kleingruppen durch die Innenstadt. Auch am Stadttheater und in der Nähe von Supermärkten ist es zu Rangeleien zwischen Bereitschaftspolizei und Teilnehmern gekommen, berichtet unser Fotograf. An der Kreuzung Coburger Straße/Ecke Wiesenstraße haben Demonstranten Pyrotechnik gezündet. Die Stimmung soll dort sehr aufgeheizt und aggressiv gewesen sein.

Später zog ein Teil der Demonstranten wieder zurück zum Marktplatz. Mehrere Polizeifahrzeuge folgten ihnen und bezogen dort Position. Insgesamt noch drei Mal zuletzt kurz nach 20 Uhr - verkündete die Einsatzleitung über Lautsprecher, dass die Versammlung aufgelöst sei und die Teilnehmer sich in Kleingruppen vom Marktplatz entfernen und nach Hause gehen sollen.

Darauf reagierten Gruppen von Teilnehmern mit Sprechchören: „Für die Freiheit, auf die Straße für die Freiheit“ schallte über den Marktplatz sowie „Schämt Euch!“ - adressiert an die Polizeibeamten.

Am Rande des Markplatzes wurden noch einmal zwei Demonstranten zur Feststellung der Personalien vorübergehend in Gewahrsam genommen.

Wer verantwortlich für die Eskalation hin zur Gewalt gewesen sei, darüber gibt es unterschiedliche Angaben und Wahrnehmungen. Der 44-jährige Christian aus Hildburghausen sagt, die Polizei habe durch ihr Vorgehen die Eskalation ausgelöst. Der 58-jährige Wolfgang – ebenfalls aus der Kreisstadt - sagt: Er habe gesehen wie drei Polizisten einen Teilnehmer rabiat zu Boden gedrückt hätten. Die beiden Hildburghäuser Doreen und René sprechen von massiver Polizeigewalt gegenüber friedlichen Bürgern, die nur ihre Freiheit bekunden wollten. Sie hätten beobachtet, wie ein älterer Mann niedergeknüppelt worden sei. Auch Pfefferspray soll bei dem Einsatz angewendet worden sein, sagen sie. Solche Polizeigewalt sei nicht gerechtfertigt gewesen.

Die Polizei dagegen spricht von heftigem und teilweise auch gewalttätigem Widerstand einzelner Demonstranten gegen Polizeibeamte. Auf einem Handyvideo, das ein Mitarbeiter unserer Redaktion aufgenommen hat, ist zu sehen, wie ein Teilnehmer mit beiden Armen und Fäusten auf einen Polizisten einschlägt.

Zur Versammlung gegen die Corona-Politik auf dem Marktplatz in Hildburghausen war erst am frühen Mittwochabend über ein Social-Media-Portal aufgerufen worden. Am Mittwochmittag hatte es in einem gleichlautenden Aufruf noch geheißen, dass der Ort der Versammlung außerhalb der Region Südthüringens liegen solle.

Eine ähnliche Protestveranstaltung hatte es bereits am vergangenen Montagabend gegeben. Diese war mit etwas mehr als 1000 Teilnehmern und einem wesentlich geringeren Polizeiaufgebot friedliche und ohne Zwischenfälle verlaufen.

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