Naturschutztag Wenn es trockener und wärmer wird

Berit Richter
Der Biber ist eines der Themen, die zum Naturschutztag besprochen werden. Foto: dpa/Patrick Pleul

Der 4. Naturschutztag des Ilm-Kreises steht am 18. März im Zeichen des Wassers. Anmeldungen sind noch bis 10. März möglich

„Der letzte Sommer war der wärmste, sonnenreichste und trockenste in Thüringen seit der Wetteraufzeichnung“, sagt Landrätin Petra Enders (pl.) „Die Folgen haben wir alle gesehen.“ Anlass für die Untere Naturschutzbehörde, ihren diesjährigen Naturschutztag unter das Motto Wasser zu stellen.

Zum vierten Mal gibt es am 18. März diesen Tag, verbunden mit einer Reihe von Fachvorträgen. Diese werden sich unter anderem um den Biber drehen. „Er bietet eine große Chance, wenn man bereit ist, sich auf ihn einzulassen“, so Andreas Mehm, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde im Ilm-Kreis. Sorge das Tier doch dafür, dass auf natürliche Weise Wasser angestaut wird.

Dem Biber wird deshalb einer der insgesamt acht Fachvorträge zum Naturschutztag gewidmet sein. „Wir wollen auf Probleme aufmerksam machen, aber auch positive Beispiele aufzeigen“, erklärt Mehm. So geht es unter anderem auch ums Pennewitzer Teichgebiet und die Folgen des Klimawandels für Thüringen.

„Wasser ist die Grundlage allen Lebens – der uns umgebenden Natur wie auch für uns selbst. Im letzten Jahr wurde es besonders deutlich, da selbst in unserer Region über lange Zeiträume die gewohnten Niederschläge ausblieben und die Temperaturen im Extremen weilten. Die Auswirkungen waren nicht zu übersehen: Schon Ende Juni waren viele Wiesen und Rasenflächen braun und vertrocknet. Die Bäume begannen bereits im August ihr Laub abzuwerfen und die Bäche führten extrem wenig Wasser. Zusammen mit den Trockenjahren von 2018 bis 2020 und 2022 hinterlässt das tiefe und lang anhaltende Spuren in unserer Natur“, weiß Petra Enders.

Zu viel trockengelegt

Kritisch sehe sie in diesem Zusammenhang so manche Maßnahme der Vergangenheit. So seien im Zuge der ICE-Trasse Feuchtwiesen trockengelegt worden, habe der Tunnelbau Wasser aus den Bergen gezogen und man habe für die Abraumlagerung Waldflächen abgeholzt. „Bäume haben kaum noch Halt, das zeigt sich bei Stürmen“, so Enders. Auch ein Abrutschen von Hängen bei Starkniederschlagsereignissen sei so zu befürchten.

Der 4. Naturschutztag soll sowohl einen Blick zurück werfen als auch in die Zukunft wagen. „Wir werden uns von Fachleuten erklären lassen, welche Auswirkung solche extremen Trockenperioden und steigende Temperaturen auf unsere Natur und besonders unsere Gewässer haben wird. Welche Folgen hat das für eng auf das Wasser angewiesene Tiergruppen wie Amphibien und Fische? Wie wird der seit mehreren Jahren auch im Ilm-Kreis heimische Biber reagieren?“, kündigt Enders an. „Ein Plädoyer für gesunde, naturnahe Gewässer, die gegenüber den Folgen des Klimawandels widerstandsfähiger sind, rundet die Tagung ab.“ Dieses ist für alle Interessierten offen und kostenlos.

Jeder kann helfen

Andreas Mehm hofft, mit Veranstaltungen wie dieser mehr Menschen für die Themen Umwelt- , Natur- und Klimaschutz zu sensibilisieren. „Wir haben zwei große Katastrophen, die Klima- und die Biodiversitätskatastrophe. Die muss man auch als solche benennen“, sagt er. „Doch sie gehen aktuell in den anderen Katastrophen unserer Zeit unter.“

Dabei könne jeder seinen Beitrag leisten. Zum Beispiel, indem er weniger häufig den Rasen mäht. „Kurze Rasenflächen verbrennen bei Trockenheit viel schneller. Wer seinen Rasen hat stehen lassen, der hatte ihn auch im Sommer noch grün“, erklärt der Amtsleiter.

Die Naturschutztagung findet am 18. März ab 9.30 Uhr in der Stadtbrauerei Arnstadt, Brauhausstraße 1-3, statt. Anmeldungen sind bis zum 10. März unter Landratsamt Ilm-Kreis, Untere Naturschutzbehörde, Ritterstraße 14, 99310 Arnstadt, Telefon: (0 36 28) 73 86 61, Fax: (0 36 28) 73 86 64, E-Mail: umweltamt@ilm-kreis.de schriftlich oder telefonisch möglich.

Das Programm

9.30 Uhr:
  Grußwort Landrätin Petra Enders

9.45 Uhr:
 Naturschutzarbeit im Ilm-Kreis, Andreas Mehm, Untere Naturschutzbehörde

10 Uhr:
 Aktuelles aus der Arbeit der Natura 2000-Station, Claudia Müller, Natura 2000-Station Gotha/Ilm-Kreis  

10.15 Uhr:
 Der Klimawandel und seine Folgen für Thüringen, Dr. Kai Pfannschmidt, Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz/TLUBN 

11 Uhr:
 Biber in Thüringen – Ausbreitung, Management und Potenziale, Marcus Orlamünder, Projektkoordinator „Bibermanagement in Thüringen“ 

11.45 Uhr:
 Mittagspause

12.45 Uhr:
 Plädoyer für naturnahe Flüsse – Warum wir mehr Eigendynamik brauchen, Martin Dittrich 

13.25 Uhr:
 Artenschutzprojekt „Alte Saale“ Karsten Schmidt, Verband für Angeln und Naturschutz Thüringen/VANT 

14 Uhr:
Kaffeepause

14.30 Uhr:
 Naturschutzgroßprojekt „Bäche, Moore und Bergwiesen im Thüringer Wald“, Britta Trostorff, Naturstiftung David 

14.50 Uhr:
 Die Amphibien im Sorger-Pennewitzer-Teichgebiet – ein zunehmend gefährdetes Leben zwischen Wasser und Land, Konrad Kürbis/Florian Serfling, Amphibien- und Reptilienschutz in Thüringen/ART

 15.50 Uhr:
 Abschlussdiskussion 

 

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