Biathlon-WM Kirchner sorgt sich um die Zukunft

Blick ins Leere: Bundestrainer Mark Kirchner. Foto: dpa/Hendrik Schmidt

Die deutschen Biathlon-Männer sind erstmals seit 1969 ohne eine WM-Medaille geblieben. Bundestrainer Mark Kirchner befürchtet „eine kleine Delle“.

 
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Die traurige Miene verriet alles. Bedröppelt vom Regen und enttäuscht von der Leistung seiner Mannen, packte Bundestrainer Mark Kirchner nach dem Massenstart am Sonntag seinen großen Rucksack. „Mit einem besseren Schießergebnis hätten wir heute auch nicht gegenhalten können. Ich denke, die Schweden hatten das weit beste Material“, sagte der Thüringer nach der Wasserschlacht bei Dauerregen. Einziger Lichtblick im Herren-Team war wie in den Rennen zuvor Justus Strelow als bester DSV-Starter auf Rang 13.

„Justus hat sein Vermögen hier bei seiner ersten WM optimal abgerufen“, lobte Kirchner den Sachsen, der in Oberhof trainiert. Ansonsten fiel das Fazit des langjährigen Cheftrainers recht kurz aus. Die erhoffte Staffel-Medaille sei mit „etwas mehr Glück“ möglich gewesen, „ansonsten waren die Ergebnisse im Rahmen des Erwartbaren“.

Mit Blick auf die nahe Zukunft macht sich der dreifache Olympiasieger aus Scheibe-Alsbach durchaus Sorgen um die Konkurrenzfähigkeit des deutschen Männerteams. „Da haben wir in den vergangenen zwei, drei Jahren einige unserer erfolgreichen Arrivierten verloren. Es ist so, dass ein Benedikt Doll wahrscheinlich nicht mehr allzu lange dabei sein wird. Also gilt es, eine kleine Delle zu überwinden“, sagte der 52-Jährige. 

Dies sei ab und an bei einem „Generationenwechsel ganz normal“. Allerdings sind die Verantwortlichen derzeit mit den Leistungen der Junioren „nicht 100-prozentig zufrieden“, führte Kirchner aus: „Aber auch die Peiffers und Schempps haben eine Weile gebraucht, bis sie konstant gut geworden sind. Es gilt, kontinuierlich weiterzuarbeiten, dranzubleiben und dann werden wir es auch schaffen, gute Athleten auszubilden.“

Bei den Frauen sehe es „freundlicher“ aus, ergänzte deren Coach Kristian Mehringer: „Selina Grotian, Lisa Spark oder auch einige andere – da sind wir sehr gut aufgestellt. Es kommen einige nach, die sehr gut ausschauen. Wir hoffen einfach, dass sie den Schritt Richtung Weltcup dann weitergehen können.“ Es gelte aber auch, Athletinnen nicht zu früh aufzugeben.  Die bei der Heim-WM stark auftrumpfenden Sophia Schneider und Hanna Kebinger hätten den Schritt beispielsweise erst mit 25 Jahren geschafft.

Kirchner wiederum macht sich trotz optimaler Bedingungen am Bundesstützpunkt in Oberhof Sorgen um die Gewinnung von Nachwuchs, und das nicht nur im Biathlon. „Wir haben es in Deutschland von Haus aus immer schwerer, weil der Schulsport so gut wie nicht mehr stattfindet. Er ist das Erste, was ausfällt. Und wie viele Kinder haben mittlerweile nur noch das Handy in der Hand“, sagte Kirchner.  

Die Bedingungen am Rennsteig in Thüringen seien mit Skihalle, Sprungschanzen, Rodelbahn und Biathlon-Stadion optimal. Aber das Wichtigste sei, ob Kinder noch die Bereitschaft und den Enthusiasmus hätten, „um diesen Sport überhaupt erst mal anzufangen und Freude an der Bewegung zu haben. Das ist das Entscheidende, um die nächsten Schritte machen zu können.“ Kirchner weiter: „Die Hauptarbeit findet ja nicht hier am Bundesstützpunkt, sondern in den Vereinen statt, die müssen unterstützt und gefördert werden.“ Ganz Deutschland müsse sich bekennen, ob man Bewegung fördern wolle, sagte der siebenmalige Weltmeister.

Der Standort Oberhof sei nach der Modernisierung des Biathlon-Stadions auf einem Top-Niveau. „Wir haben alleine im Biathlon fünf verschiedene Schießstände, drinnen und draußen, mit Laufband, Krafträumen, Turnhallen – alles innerhalb von zwei Kilometern. Was Besseres und konzentrierter wird es auf der ganzen Welt nicht geben“, sagte Kirchner. 

Fakt ist jedoch: Trotz bester Bedingungen hat sich im männlichen Bereich kein Thüringer Athlet für die Biathlon-WM und die in dieser Woche beginnende Nordische Ski-WM mit Skispringen, Skilanglauf und Nordischer Kombination qualifiziert.

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