Biathlon-WM in Oberhof Die Stimme des Biathlons verstummt

Nach 20 Jahren ist Schluss für den Sprecher des Oberhofer Biathlon-Spektakels, Marco Rühl. Er übergibt das Mikrofon an Niclas Fuchs.

 
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Marco Rühl. Foto: red

Seine Stimme kennt jeder Biathlon-Fan: 20 Jahren lang kommentierte Marco Rühl die Wettkämpfe in der Arena am Rennsteig. Nach dem Massenstart der Frauen bei der Biathlon-Weltmeisterschaft am Sonntag hat er das Mikrofon an seinen Nachfolger Niclas Fuchs übergeben.

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Zur Biathlon-WM 2004 begann der Hesse seinen Kommentatoren-Job. Zwei Jahrzehnte hat Marco Rühl den Biathlon-Rennen in der Rennsteigstadt seine Stimme geliehen – und die Fans begeistert. Als Stadionsprecher kommentiert der Mann, der mittlerweile in der Schweiz lebt, die Wettkämpfe. Witzig und kompetent berichtete er über das Geschehen während der Rennen und interviewte die Sportler im Anschluss.

Bei den Titelkämpfen 2004 wurde Rühl ins kalte Wasser geworfen. Sein Vorgänger Heinz Stieler hatte die WM als Abschluss seiner Sprecherkarriere auserkoren und lernte den neuen an. Als begeisterter Biathlon-Fan und mit einer breiten Palette an Sprachkenntnissen – Marco Rühl spricht unter anderem Englisch, Französisch, Italienisch und Norwegisch – war er genau der Richtige für den Job. Ein Pfund, das im Übrigen auch andere Biathlon-Orte wie Nove Mesto und Ridnaun schätzen.

Bewegende Momente

Sein bewegendster Moment in Oberhof sei die Herren-Staffel bei der WM 2004 gewesen. „Der damalige Bundestrainer Frank Ullrich stellte Frank Luck auf die Startposition. Es herrschte totale Stille, als dieser zum Schießen in das mit Tausenden Zuschauern gefüllte Stadion kam. Die Explosion des Publikumsjubels sorgt bei mir noch heute für Gänsehaut“, sagt Rühl. Auch an die tränenreiche Olympia-Absage von Miriam Neureuther (damals noch Gössner) im Jahr 2014 nach ihrem Fahrradunfall erinnert er sich noch genau: „Diesen Moment habe ich zwar nicht kommentiert, aber als Stadionsprecher bin ich oft hautnah dabei, wenn etwas im oder außerhalb des Stadions passiert.“

In den vergangenen Jahren habe es hier und da auch kleine Pannen gegeben. Marco Rühl fallen Mikrofonausfälle ein, Kommentare in andere Sprachen oder das Übersehen eines Athleten mit einer hohen Startnummer, der schließlich als erster über die Ziellinie lief. „Die Laune konnte mir das aber nicht verderben. Das passiert nun mal“, weiß er.

Während Marco Rühl 2004 noch auf einer provisorischen, aus Holzbohlen gezimmerten Empore mitten unter den Zuschauern stand, darf er heute eine moderne und vor allem wettergeschützte Kabine sein Kommentatoren-Zuhause nennen. Auch die Technik hat sich deutlich verbessert: Heute bekommt er alle Daten, die er für das Kommentieren braucht, in Echtzeit geliefert. So hat Rühl immer alles im Blick.

Für sein letztes Rennen am Mikrofon, den Massenstart der Frauen, hatte er sich im Vergleich zu den Rennen der vergangenen 20 Jahren nichts Besonderes vorgenommen. „Ich will meinen Job immer so gut wie möglich machen und den Zuschauern ein gutes Gefühl geben“, sagt der Mann, der das Mikrofon an seinen Nachfolger Niclas Fuchs aus Brotterode übergibt. Ein endgültiger Abschied aus Oberhof ist das aber nicht: Rühl könne sich vorstellen, in den Jahren nach der WM als Kampfrichter dabei zu sein oder in anderen Bereichen zu helfen. Dann würde er in den Genuss kommen, sich die Rennen kommentieren zu lassen.