Biathlon-Weltcup „Wir haben das Wetter besiegt“

Weltcup-Chef Thomas Grellmann (rechts) und sein neuer Stellvertreter Bernd Wernicke. Foto: /Kevin Voigt

Zum zweiten Mal hatte Thomas Grellmann den verantwortungsvollen und gewiss nicht leichten Job als Organisationschef des Oberhofer Biathlon-Weltcups inne. Wir sprachen mit dem Sonneberger über die WM-Generalprobe.

Herr Grellmann, wie viele Stunden haben Sie vergangene Woche pro Nacht geschlafen?

Im Durchschnitt vier Stunden. In der alles entscheidenden Nacht von Dienstag auf Mittwoch waren es weniger. Hätte es weiter geregnet, dann wäre die Präparierung sehr schwer geworden. Schnee hatten wir aber genug.

Politiker und Funktionäre haben sich alle lobend über den Weltcup geäußert. Wie war Ihr Feedback?

DSV-Präsident Franz Steinle hat uns in höchsten Tönen gelobt, auch von der IBU gab es positive Rückmeldungen. Sportdirektor Felix Bitterling hat uns speziell für die erkennbaren Fortschritte beim Schneemanagement gelobt, das mache den Standort auch über die WM hinaus viel sicherer. Vier Wochen vor dem Beginn der Olympischen Winterspiele dienten der Biathlonstandort Oberhof und der Weltcup zur Standortbestimmung der Weltelite. Ich bin meinem Team sehr dankbar, dass wir es mit unermüdlichem Einsatz geschafft haben, für die Sportlerinnen und Sportler bestmögliche Bedingungen zu schaffen. Oberhof hat erneut geliefert. Besonderes Lob verdienen die zahlreichen Ehrenamtler, die gemeinsam mit den hauptamtlichen Kollegen des Zweckverbandes die Basis für den Weltcup bilden.

Die Umbauarbeiten sind weit fortgeschritten. Was bleibt bis zur WM noch zu tun?

Die Gebäude waren zum Großteil nur funktional nutzbar. Sie müssen noch innen fertiggestellt werden. Auf den Strecken und im Stadion werden nach dem Winter die finalen Bitumenschichten aufgebracht. Das soll bald geschehen, damit unsere Sportler wieder umgehend im vertrauten Metier trainieren können. Das gesamte Areal soll bis zur WM natürlich richtig schick werden, es war ja aktuell nur eine kurzfristig beräumte Baustelle. Das Gesamtensemble der drei großen Gebäude soll ein schönes Bild ergeben. Deshalb werden wir das alte, blaue Regiegebäude aufhübschen.

Ganz wichtig: Wir müssen das Problem der Neuschneemengen auf den Zuschauertribünen lösen. Das wollen wir zeitnah noch einmal proben, und dabei werden wir den Zeitfaktor genau im Blick haben. Aktuell haben wir nur einen Weg nach draußen. Binnen zwei Tagen hat es 50 Zentimeter geschneit in Oberhof. Wir werden auch auf der Zielgerade der WM-Vorbereitung nicht nachlassen und haben den Anspruch, einzigartige Weltmeisterschaften 2023 auszurichten.

Was hat sich bewährt?

Die Beleuchtung am Schießstand. Und die neue Schießbahnanzeige. Jeder vor Ort war davon begeistert. Das ist für die Zuschauer im Stadion ein toller Service mit verdichteten Informationen beim Schießen. Diese temporären LED-Banden sind mittlerweile eine Forderung der IBU. An oberster Stelle steht aber das neue, viel effektivere Beschneiungssystem und die Schneespeicherung. Ohne die neuen Depots wäre der Weltcup ausgefallen! Die großzügigen Investitionen des Landes Thüringen sicherten erfolgreich die Veranstaltung ab. Dank der Reserven können wir die Strecke jetzt zwei- oder dreimal belegen. Wir hatten extremes Wetter und wir haben das Wetter besiegt.

Wie viel Schnee wollen Sie vor der WM einlagern?

50 000 bis 55 000 Kubikmeter, wobei wir mit einem Verlust von 20 Prozent rechnen.

Wie viele WM-Karten sind bislang verkauft?

Rund 20 000 Tickets sind verkauft. Der Vorverkauf läuft über die bekannten Kanäle. Am 15. April startet die dritte Vorverkaufsstufe, dann gibt es Einzeltickets für alle Wettkampftage. Während des Weltcups haben wir durchaus eine gesteigerte Ticketnachfrage registriert.

Zum zweiten Mal fand der Weltcup ohne Zuschauer statt. Wie groß sind die finanziellen Sorgen, nachdem die Defizite im Vorjahr dank großzügiger Corona-Hilfen ausgeglichen wurden?

Es gibt erneute Überlegungen, die Defizite über den Bund, über eine Sportförderung auszugleichen. Die Zeichen dazu sind im Moment positiv. Wir erwarten, wie auch andere Veranstalter ohne Zuschauer, von Seiten der IBU Unterstützung. In welcher Höhe, ist unbekannt. Wir haben vor der WM eine angespannte finanzielle Situation, werden diese aber meistern. Auch der Deutsche Skiverband steht an unserer Seite.

50 Zentimeter Schnee in Oberhof: Was sind die nächsten Veranstaltungen in der WM-Arena?

Nach den Weltcup-Rückbauarbeiten steht die Anlage ab Wochenmitte dem kompletten Stützpunkt für das Training offen. Im Biathlon ist Oberhof am 22./23. Januar Gastgeber im Deutschlandpokal.

Infobox:

Mit einer Doppelspitze in der Geschäftsführung startet der Endspurt in Richtung Biathlon-WM 2023: Seit dem Jahreswechsel fungiert Bernd Wernicke (links im Bild) als weiterer Geschäftsführer der Oberhofer Sport und Event GmbH (OSE) und unterstützt damit den bisherigen Geschäftsführer, Thomas Grellmann. Der 56-jährige Pädagoge und Verwaltungsfachwirt aus Oberhof hat bis zuletzt das AWO SANO Ferienzentrum in Oberhof geleitet. Während der Biathlon-Weltmeisterschaften 2004 war er bereits stellvertretender OK-Chef und verantwortete damals das Sachgebiet Logistik. Der vorherige zweite OSE-Geschäftsführer Silvio Eschrich ist im Sommer ausgeschieden.

     

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