Biathlon-Weltcup Oberhofer Doppelpack in Pandemie-Zeiten

Letze Vorbereitungen: Ein Helfer fräst Schnee am Schießstand weg. Foto: Gerhard König

Corona, keine Zuschauer, dafür jede Menge Schnee und eine Doppel-Veranstaltung: Der Oberhofer Biathlon-Weltcup wird leise und ganz speziell. Alles, was Sie zur am Freitag beginnenden Veranstaltung wissen sollten, finden Sie hier.

Oberhof -

Was liegt an?

Ein Weltcup, den Oberhof in seiner langen Biathlon-Geschichte seit 1984 noch nie erlebt hat: Unter Corona-Bedingungen und ohne Zuschauer. Hinzu kommt, dass Oberhof im Anschluss an seinen ursprünglichen Weltcup vom 7. bis 10. Januar noch die Veranstaltung aus Ruhpolding vom 13. bis 17. Januar übernimmt. Macht zwölf Rennen an acht Wettkampftagen – fast wie bei einer WM. 298 Athleten aus 30 Nationen sind gemeldet, hinzu kommen rund 350 Betreuer. Knapp 2000 Akkreditierungen, einschließlich für die vielen Helfer, den Biathlon-Weltverband IBU, die TV-Anstalten und wenige Journalisten werden ausgehändigt. Außen vor bleiben entgegen ursprünglicher Planungen ausgewählte VIPs und Ehrengäste.

Warum ein Doppel-Weltcup?

Zur Corona-Strategie des Weltverbands gehört eine starke Einschränkung der Reisetätigkeit der Athleten und Betreuer. Deshalb wurde das Event von Ruhpolding in den Thüringer Wald verlegt. Schon vor Weihnachten gab es zwei Doppel-Weltcups: im finnischen Kontiolahti und in Hochfilzen in Österreich.

Was ist in Corona-Zeiten anders?

Fast alles, außer den Rennen: Die Sportler bewegen sich praktisch in einer Blase. Sie verkehren nur zwischen Hotel und Biathlon-Arena. Es gibt ein spezielles Hygienekonzept für die Veranstaltung. Kernpunkte sind: mehrfache Corona-Tests aller am Weltcup Beteiligten, dauerhaftes Tragen von FFP2-Masken außer Athleten und Techniker bei körperlicher Anstrengung, Einbahnstraßen-Wegesystem, Einzelzimmer im Hotel, vorzugsweise je eine Etage pro Nation im Hotel und sogar ein Isolierraum pro Nation im Hotel. Wegen der Pandemie beginnt der Weltcup erst am 8. Januar, und damit einen Tag später als geplant, um mehr Zeit für die aufwendigen Testungen zu gewinnen. Ebenso einschneidend: Das Fehlen der Zuschauer. In Oberhof sind die Fans das Herzstück der Veranstaltung. An den Wochenend-Tagen wurden seit Beginn des Biathlon-Booms zur Jahrtausendwende stets über 20 000 Zuschauer gezählt. Zur Weltmeisterschaft 2023 sollen sogar bis zu 28 000 Besucher in der Arena und an der Strecke Platz finden. Hoffentlich ist Corona dann vorbei.

Welche finanziellen Folgen hat der Verzicht auf Zuschauer?

Erhebliche. Der Verlust der Ticketverkäufe beläuft sich auf über zwei Millionen Euro. Allerdings sind auch die Aufwendungen ohne Zuschauer geringer. So fallen beispielsweise die Shuttlebusse, das Errichten der mobilen Tribüne oder das Räumen von Parkplätzen weg. Im Gegensatz dazu kommen satte Kosten für die Corona-Tests und die Umsetzung des Hygienekonzeptes hinzu. Hierfür bekommt Oberhof einen einmaligen Zuschuss von der IBU von 150 000 Euro. Dennoch wird die Veranstaltung wohl ein mittleres bis hohes sechsstelliges Loch reißen.

Wer bezahlt die Zeche?

Die für die Organisation und Durchführung des Weltcups verantwortliche Skisport GmbH des Wintersportfördervereins „Rennsteig“ Oberhof (WSRO) ist im Oktober in den Zweckverband Thüringer Wintersportzentrum (TWZ) übergegangen. Einer der Hintergründe: Die finanziellen Unwägbarkeiten beim Doppel-Weltcup. „Ein größeres Defizit könnte der WSRO nicht überbrücken“, sagt Hartmut Schubert, Finanz-Staatssekretär, TWZ-Verbandsvorsitzender und Oberhof-Beauftragter der Landesregierung. Der SPD-Politiker stellte gegenüber unserer Zeitung klar, dass das Land Thüringen nicht für das Defizit aufkommen wird: „Wir würden in diesem Fall als Zweckverband der Skisport GmbH eine Bürgschaft anbieten, die sie in den Folgejahren bei entsprechenden Einnahmen wieder ausgleichen kann.“ Zum Beispiel mit Gewinnen von der WM 2023. Der neue Oberhofer Weltcup-Chef Thomas Grellmann hat längst Corona-Förderprogramme für den Ausfall von Profiveranstaltungen geprüft. „Die Anträge sind bereits gestellt“, so Grellmann.

Was ist noch anders beim Weltcup?

Das Schneevolumen. War die Großveranstaltung wegen Schneemangels in den vergangenen Jahren stets eine Zitterpartie und führte deshalb zu Unmut bei den Athleten, so ist Oberhof aktuell ein Winter-Wunderland. Die Strecken sind mit bis zu 80 Zentimeter Kunstschnee präpariert worden. Dazu liegen runde 20 Zentimeter Naturschnee in Oberhof. Die Kältephase Anfang Dezember spielte den Organisatoren zur Kunstschneeproduktion in die Karten, hinzu kommen die seit Wochen stabilen Frosttemperaturen mit Ausnahme um Weihnachten sowie das verbesserte Schneemanagement. Für die WM 2023 und darüber hinaus soll in diesem Jahr ein Beschneiungshaus errichtet werden, in dem ganzjährig Schnee produziert werden kann.

Was ist noch besonders?

Erstmals werden in dieser Weltcup-Saison in Oberhof die Mixed-Staffel und die Single-Mixed-Staffel am ersten Wettkampf-Sonntag gelaufen. Weiteres Novum: Vom 15. bis 17. Januar richten parallel die Rennrodler ihren zweiten Weltcup in diesem Winter in Oberhof aus. Das passt gut. Weil beide Disziplinen – Rodeln und Biathlon – auch in zwei Jahren in Oberhof zur Doppel-WM einladen. Vom 27. bis 29. Januar die Kufenflitzer, vom 8. bis 19. Februar 2023 die Skijäger.

Wer sind die Favoriten?

Norwegen, Norwegen und nochmals Norwegen. Die Skandinavier bestimmten bei Männern und Frauen die Szene vor Weihnachten. Mit Johannes Thingnes Bö (1.), Shootingstar Sturla Holm Laegreid (2.), Johannes Dale (4.) und Tarjei Bö (7.) befinden sich gleich sieben Norweger im Gesamtweltcup unter den Top Ten. Genauso ist es bei den Frauen: Mit Marte Olsbu Röiseland (1.), Tiril Eckhoff (3.), Ingrid Landmark Tandrevold (8.) und Karoline Offigstad Knotten (10.) liegt gleichfalls ein Quartett unter den besten zehn.

Und die Deutschen? Welche Chancen haben sie?

„Ich will in Oberhof einen deutschen Sieg sehen“, fordert ein eingefleischter Biathlon-Fan aus Sonneberg. Arnd Peiffer kennt das Glücksgefühl, siegte er doch furios im letzten Rennen vor Weihnachten. Der Sprint-Weltmeister, Lokalmatador Erik Lesser, zudem Denise Herrmann und Franziska Preuß sorgten bisher für weitere Podiumsplätze. Die gute Ausbeute komplettierten die Staffeln mit drei dritten Rängen. Mit Ex-Weltmeister Lesser, Philipp Horn (beide Frankenhain) und Lucas Fratzscher (Oberhof) sind drei Lokalmatadoren dabei. Die Trauben hängen wegen der starken Konkurrenz für alle sehr hoch.

Wie wird das Wetter in Oberhof?

Winterlich und kalt. Die Vorhersagen kündigen leichten Dauerfrost bis zum zweiten Weltcup-Wochenende an. Dazu soll es häufiger Schneefall geben wie am heutigen Mittwoch beim ersten richtigen Training. Die Sonne zeigt sich leider nur selten.

Wie überträgt das Fernsehen?

ZDF (8. bis 10. Januar) und ARD (13. bis 17. Januar) übertragen wie Eurosport alle Rennen live. In Summe werden das über 20 Stunden Liveberichterstattung aus dem verschneiten Oberhof sein – ein unbezahlbarer Werbewert für die Stadt, die Region und Thüringen. Als Experten fungieren bekanntermaßen zwei einstige Weltklasse-Biathleten aus Thüringen: Sven Fischer (ZDF) und Kati Wilhelm (ARD).

Und wie berichtet Ihre Heimatzeitung?

Aktuell, umfangreich und kompetent – wie in normalen Zeiten, obwohl es auch für die Presse erhebliche Einschränkungen gibt. So wurde die Anzahl der akkreditierten Journalisten um rund 75 Prozent reduziert. Online halten wir Sie gleichfalls auf dem Laufenden.

Der Wettkampfplan zum Weltcup Oberhof (Änderungen vorbehalten)

Freitag, 8. Januar 2021:

Sprint Frauen 11.30 Uhr;

Sprint Männer 14.15 Uhr

Samstag, 9. Januar 2021:

Verfolgung Frauen 12.45 Uhr

Verfolgung Männer 14.45 Uhr

Sonntag, 10. Januar 2021:

Mixed-Staffel 11.30 Uhr

Single Mixed Staffel 14.40 Uhr

Mittwoch, 13. Januar 2021:

Sprint Männer 14.30 Uhr

Donnerstag, 14. Januar 2021:

Sprint Frauen 14.30 Uhr

Freitag, 15. Januar 2021:

Staffel Männer 14.30 Uhr

Samstag, 16. Januar 2021:

Staffel Frauen 14.45 Uhr

Sonntag, 17. Januar 2021:

Massenstart Männer 12.30 Uhr

Massenstart Frauen 15.00 Uhr

 

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