Biathlon-Weltcup Oberhof, Gesamtleiter Grellmann in Interview „Wir wollen einen sauberen Schnitt“

Weltcupchef Thomas Grellmann und Oberhof-Maskottchen „Flocke“. Foto: /Gerhard König/Imago

Der Oberhofer Biathlon-Weltcup findet erneut ohne Zuschauer statt. Über die Entscheidung, die Folgen und die aktuellen Vorbereitungen gibt Gesamtleiter Thomas Grellmann Auskunft.

Herr Grellmann, wie weh tut die Entscheidung, den Weltcup wieder ohne Zuschauer durchzuführen?

Das ist bitter, ganz bitter für alle. Für die Sportler, für die Zuschauer und für uns als Veranstalter. Aber es ist eine verantwortungsbewusste Entscheidung für die Fans und aus Sicht des Veranstalters aus wirtschaftlichen Aspekten. Angesichts der hohen Inzidenzen, der Hospitalisierungsraten und des exponentiellen Verlaufs der Pandemie in Thüringen und in ganz Deutschland war mir vor 14 Tagen vor dem jüngsten Beschluss der Landesregierung schon klar, wohin die Reise geht. Völlig unverständlich ist, wie man am vergangenen Wochenende noch Fußball vor 50 000 Fans spielen kann. Das polarisiert die Gesellschaft.

Aktuell sind in Thüringen Freiluftveranstaltungen mit 1000 Zuschauern zugelassen. Warum lassen Sie nicht 1000 Fans zu?

Man muss den Entwurf des Kabinetts gründlich lesen. Da ist nicht von 1000 Zuschauern, sondern von 1000 Personen die Rede. Das heißt für Oberhof alle gescannten Personen wie Sportler, Betreuer, Techniker, Dienstleister oder Helfer. Im Vorjahr kamen wir hier in Summe ohne Zuschauer auf 954 Personen.

Wie viele Helfer werden in gut einem Monat im Einsatz sein?

Rund 500, allerdings nicht alle im Veranstaltungsgelände.

Sie als Veranstalter haben sich für eine Rückerstattung der Tickets entschieden. Warum?

Das sind alles Karten, die für den Weltcup 2021 verkauft wurden. Wir wollen einen sauberen Schnitt, wollen nichts in die WM 2023 hineintragen, zumal es dort andere Preise gibt. Eine Übertragung bis ins Jahr 2024 war uns zu weit. Ich bitte um Verständnis für diese Entscheidung.

Um wie viele Karten handelt es sich?

Um circa 14 000. Wir arbeiten bei der Rückabwicklung mit dem Ticketanbieter zusammen, der vor zwei Jahren die Karten verkauft hat. Alles zum Prozedere ist auf der Weltcup-Homepage dargestellt. Die Rückerstattung soll zügig vorangehen, also im Dezember beginnend.

Welche Kosten sparen Sie als Veranstalter?

Die mobilen Tribünen und VIP-Zelte werden nicht geliefert. Hier sparen wir Miete, Transport und Auf- und Abbau. Natürlich ist es nicht schön, dass wir keinen Probelauf haben, dass wir insgesamt mit Blick auf die WM 2023 die logistischen Abläufe einer Mehrtagesveranstaltung unter Zuschauerbedingungen nicht testen können. Mit dem Ausbau des Stadions ist schließlich auch eine Kapazitätsvergrößerung auf 24 500 Zuschauer verbunden. Zur WM wird das Veranstaltungsgelände anders anlegt sein als zu den Weltcups. Beispielsweise wird das Hüttendorf einen neuen Platz haben, wird es ein Pressezelt geben. Das heißt aber nicht, dass es ohne Probe eine schlechte WM werden wird. Viel wichtiger wäre, dass wir die WM ohne Corona durchführen können.

Wie groß sind Ihre Hoffnungen diesbezüglich?

Ich bleibe Optimist. Allerdings war ich mir vor einem Vierteljahr noch ziemlich sicher, dass wir den Weltcup 2022 mit 50 Prozent Auslastung durchführen können. Der erneute Zuschauerausschluss erzeugt abermals riesige Kollateralschäden in den Vereinen des Thüringer Skiverbandes. Die Einnahmen aus dem Verkauf im Hüttendorf sind maßgebend für den wirtschaftlichen Haushalt der Vereine.

Im Thüringer Wald hat der Winter Einzug gehalten. Wann laufen die Schneeerzeuger, wann werden die Weltcup-Strecken präpariert?

Die Kollegen vom Thüringer Wintersportzentrum sind bestens vorbereitet auf den Wintereinbruch, auf die kälteren Temperaturen, die angesagt sind. Die neue Beschneiungsanlage wartet praktisch auf ihre Generalprobe, die technische Abnahme ist erfolgt. Können wir den Schnee direkt an der Strecke und im Stadion produzieren, sparen wir Kosten für Baggerstunden, Lkw und Transporte aus den Schneedepots.

Diese sind beide freigelegt?

Ja, die Depots sind ausgepackt. Auch dort wollen wir neuen Schnee produzieren. Sollten Natur- und Kunstschnee nicht ausreichen, werden wir in Zusammenarbeit mit dem TWZ am 20. Dezember mit der Streckenbelegung aus den Depots beginnen.

Die Umbauarbeiten im Stadion sollten zum 30. November abgeschlossen sein. Wie ist hier der Stand?

Das Stadion wurde planmäßig beräumt. In den Gebäuden wird aber noch fleißig gearbeitet. Wir wollen die drei neuen Gebäude zum Weltcup funktional nutzen, auch wenn der Innenausbau noch nicht komplett fertig ist. Es handelt sich um das Schießstandgebäude, das Gebäude für die Wettkampfleitung und das Garagengebäude unter den Tribünen für die Pistenfahrzeuge.

Wie ist der Meldestand für den Weltcup?

Alle großen Nationen haben wie immer für Oberhof gemeldet. Gemeinsam mit dem Weltverband IBU müssen wir wieder ein Corona-Testzentrum vorhalten, so für nötige PCR-Tests.

Im Herbst 2022 soll die deutsche Meisterschaft in Oberhof auf Skiroller stattfinden. Ist das korrekt?

So sind die Planungen und Absprachen mit dem Deutschen Skiverband.

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