Biathlon-Weltcup Tomatensuppe im Wachs-Container

„Futter“ für Norwegen: Helfer Moritz Bauer (links) übergibt einem Skitechniker Lunchpakete für die norwegischen Service-Kräfte im Wachs-Truck. Foto:  

Zu den vielen Helfern im Oberhof Biathlon-Zirkus zählen auch die Judenbacher Wolfgang Döring und Moritz Bauer. Auch für sie gibt es viel Neues in der „Blase“.

Oberhof - An den Wänden sind elastische Halterungen für zwei Dutzend Skier angebracht, ein seltsam geformter Heizkörper surrt leise und es riecht stark nach Tomatensuppe, wenn man aus dem frostigen Schneegestöber in den umfunktionierten Wachs-Container eintritt. Eine große Wand aus Plexiglas trennt die eintretenden Team-Mitglieder aus insgesamt 30 Nationen von den zwei freiwilligen Helfern hinter der durchsichtigen Aerosol-Barriere. Auf die Umsetzung des strengen Infektionsschutzkonzepts von IBU und dem Weltcup-Veranstalter, dem WSRO Oberhof, wird penibel geachtet. Nichts wird dem Zufall überlassen, dem Virus soll an keinster Stelle Angriffsfläche geboten werden.

Das Team der ehrenamtlichen Helfer in diesem speziellen Wachs-Container versorgt die Angehörigen der Nationen mit Lunchpaketen, warmer Suppe und Getränken. Techniker, Wachser und sonstige Service-Kräfte, die zum Tross des internationalen Biathlon-Zirkus gehören, kommen hier vorbei und stärken sich mit den angebotenen Lebensmitteln. Aufgrund von Corona ist das aber heuer nur in der „To-go-Variante“ möglich. Auch Ski- und Wachsvertreter der geläufigen Wintersport-Marken können sich hier verpflegen.

„In den letzten Jahren war unser Bereich, der sogenannte IBU-Family-Club, im Funktionsgebäude Rennsteighaus untergebracht. Sowohl Athleten als auch Trainer oder Skitechniker konnten hier den ganzen Tag über vorbeikommen und sich an einem reichhaltigen Buffet bedienen und alles vor Ort verzehren. Ein Catering-Dienst managte das Ganze, und wir als Freiwillige kümmerten uns um den Service. Das war für alle Beteiligten sehr komfortabel. In diesem Jahr mussten wir Corona-bedingt aber in diesen kleinen Container hier umziehen und unser bisheriges Angebot stark verkleinern“, erklärt der Bereichsleiter des IBU-Family-Clubs, Wolfgang Döring.

Der gebürtige Judenbacher wohnt mittlerweile in Suhl-Goldlauter und ist schon seit 16 Jahren als Helfer bei den Biathlon-Festspielen am Rennsteig zusammen mit seiner Ehefrau Karin dabei. Er gehört genauso wie die anderen drei Mitglieder seines Teams zur sogenannten „roten Gruppe“ der Helfer vor Ort. Da diese Personengruppe in den verschiedenen Tätigkeitsbereichen unmittelbaren Kontakt zu Athleten, Trainern oder sonstigen Team-Mitgliedern hat, werden sie durch Covid-19-Tests in Abständen von wenigen Tagen besonders engmaschig überwacht. Es hätte fatale Folgen für das gesamte Veranstaltungsgeschehen, wenn das Virus durch einen Freiwilligen in diesen roten Bereich, der direkt die Angehörigen der „Biathlon-Bubble“ tangiert, eingetragen werden würde.

Als Biathlon-Bubble (zu deutsch: Biathlon-Blase) wird die Gesamtheit des weiterziehenden Biathlon-Trosses bezeichnet, der alle Athleten, Trainer, Techniker und sonstige Team-Mitglieder umfasst, die von einem Weltcuport zum anderen reisen. Die Testpflicht, die in einem Intervall von wenigen Tagen wieder fällig wird, erlegt den freiwilligen Helfern zusätzliche Bürden auf. Diese müssen aber angesichts der Ausnahme-Situation in Kauf genommen werden, auch wenn ihnen hierdurch einiges an Zeit und auch Sprit im Tank geraubt wird.

„Ich wurde schon eine Woche bevor ich überhaupt meinen ersten Einsatztag hatte, zum Test einbestellt. Fünf Tage später stellte sich heraus, dass das im Prinzip umsonst war und ich einen Tag vor meinem ersten Einsatztag noch mal extra nach Oberhof fahren musste, um einen frischen Test zu machen“, verrät Moritz Bauer, der zum Helfer-Team in Wolfgang Dörings Bereich zählt, der aber die „Sache“ situationsbedingt gelassen sieht: „ Na klar überlegt man da schon, wenn man von Judenbach aus wegen einem Test, der fünf Minuten dauert, insgesamt zwei Stunden auf der Straße verbringt. Aber ich mache da dem Veranstalter gar keinen Vorwurf. Es ist heuer schwer genug, das von der Logistik her alles passend einzutakten. Ich habe dann den Test-Termin einfach mit einer für mich angenehmen Sache verbunden: Skating-Skier ins Auto und ab auf die präparierte Loipe am Grenzadler.“

Wolfgang Dörings Mannschaft, die sich tageweise in Paaren abwechseln, ist in der Lunchpaket-Verteilung nicht nur an den Wettkampftagen in beiden Wochen, sondern auch an den Trainingstagen unter der Woche im Einsatz. Umso wichtiger, dass beim Verteilen der Verpflegung alles reibungslos abläuft. Nicht nur der Zeitplan der Athleten, sondern auch der der hart schuftenden Skitechniker ist eng gestrickt. Das Gewusel auf der Ebene des Team-Areals, zwischen den monströsen Wachstrucks der Top-Nationen und den übrigen Wachs-Containern kleinerer Nationen, ist besonders groß vor einem Rennen. Mittendrin im Backstage-Bereich sein und diese besondere Atmosphäre hautnah erleben – das verleiht dem Engagement als ehrenamtlicher Helfer seinen besonderen Reiz.

Der Doppelweltcup und die strengen Hygienerichtlinien stellen für alle Beteiligten an der größten thüringischen Wintersportveranstaltung in diesem Jahr eine besondere Herausforderung dar. Doch das Team des IBU-Family-Clubs um Wolfgang Döring hofft inständig, dass sie im nächsten Jahr ihre Tätigkeiten wieder in gewohntem Terrain ausüben können. Unter Normalbedingungen kommen die Helfer dieses Bereichs nämlich bei der Verpflegung in direkten Kontakt mit der Weltelite.

So ergab sich in den vergangenen Jahren auch mal ein Pläuschchen mit dem mittlerweile zurückgetretenen Dominator alter Tage, Martin Fourcade, oder den mit guten Deutschkenntnissen bewanderten Norwegern. „Die Nationen, die hier Tag für Tag zu uns kommen und sich mit Essen und Trinken eindecken, begegnen uns mit viel Herzlichkeit. Das freut mich wirklich. Man merkt, dass sie es nicht als Selbstverständlichkeit hinnehmen und dankbar für unseren Service sind“, so Wolfgang Döring zum Abschluss des ersten Wettkampfwochenendes. red

 

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