Biathlon-Weltcup IBU meldet vier Corona-Fälle

700 Corona-Tests wurden in den Tagen vor dem Weltcup-Start in Oberhof durchgeführt. Viermal war das Ergebnis positiv. Foto: Gerhard König/Gerhard König

Gespenstische Stille statt großer Biathlon-Party, hohe Mehrkosten und vier Corona-Fälle schon vor dem ersten Start: So einen Weltcup hat Oberhof noch nicht erlebt.

Oberhof - Gespenstische Stille statt Zehntausender johlender Fans, eine „abgeriegelte“ Stadt, strenge Hygienevorschriften und die ersten vier Corona-Fälle: Die Biathlon-Party im Thüringer Wintersport-Mekka Oberhof fällt im Jahr 2021 aus. Stehen am legendären Birxstieg sonst die Fans in Fünferreihen und ziehen angeblich schon mal Windeln an, um in den vielen Stunden an der Strecke ja nicht ihre Lieblinge wie Arnd Peiffer und Erik Lesser zu verpassen, feuern nun an der Loipe nur die Trainer und Betreuer die Skijäger an. „Die fehlenden Fans sind schon ärgerlich. Das ist eigentlich das Schönste an Oberhof“, sagte Benedikt Doll (30) zu den ersten Geisterrennen am Grenzadler.

Damit zu den ersten Wettkämpfen am Grenzadler nicht doch noch Fans an die Arena kommen, reguliert die Polizei die Zufahrt zur Stadt. Zudem wurden diesmal in dem, anders als in den Jahren zuvor, verschneiten Wintersportort ab Freitag alle Parkplätze für Tagestouristen gesperrt. Zudem wurden verstärkte Polizeikontrollen angekündigt. Die Zufahrt zum Stadion ist wie immer abgeriegelt. In den vergangenen Tagen waren wie an anderen Ausflugszielen bis zu 10 000 Menschen nach Oberhof gekommen und hatten für ein Park-Chaos gesorgt.

Die Athleten selbst, die schon zuvor in Kontiolahti und Hochfilzen vor leeren Rängen liefen, blenden das ganze Drumherum aus. „Man gewöhnt sich dann doch relativ schnell daran, dass weniger los ist“, sagte Olympiasieger Peiffer zur leeren Arena. Und für manch einen kann der fehlende Druck der Fanmassen sogar positiv sein.

Für die Organisatoren wird die Ausrichtung der beiden Weltcups – der kommende Woche in Ruhpolding wurde wegen der Minimierung der Reisetätigkeit nach Thüringen verlegt – derweil ein Minusgeschäft. Dennoch war eine Absage keine Option. „Man kann immer Nein sagen, aber das wäre ein ganz schlechtes Signal an alle möglichen Seiten gewesen. Zum Beispiel an die Spitzenverbände, die von uns erwartet haben, dass wir das machen. Zwar gab es keine direkte Aufforderung, aber bei den Gesprächen war deutlich der Wunsch spürbar“, sagte der Thüringer Finanzstaatssekretär und Oberhof-Beauftragte Hartmut Schubert. Laut Schubert liege der Fehlbetrag nach jetziger Planung „im mittleren sechsstelligen Bereich. Es wird nicht so sein, dass wir Gewinne erzielen oder mit einer schwarzen Null nach dem Winter rauskommen. Es ist ein Worst-Case-Szenario“, sagte der SPD-Politiker. Man habe Corona-Hilfen beantragt und auch der Biathlon-Weltverband zahlt rund 500 000 Euro Unterstützungsgeld. Zudem müsse man auch die Ausrichtung der WM 2023 in Oberhof im Hinterkopf haben. „Wichtig ist der langfristige Blick“, sagte Schubert.

Bei den ersten Corona-Tests vor dem ersten Start in Oberhof gab es bisher vier positive Fälle. Das teilte IBU-Sportdirektor Felix Bitterling mit. „Wir rechnen damit, dass der eine oder andere Fall auftreten wird nach der Weihnachtspause“, sagte der Berchtesgadener. „Aber wir können mit unserem System frühzeitig reagieren.“

700 PCR-Tests wurden in den Tagen vor dem Weltcup-Start in Oberhof durchgeführt. Die vier positiv getesteten Personen stammen aus den Mannschaften der Tschechischen Republik, Kasachstans, Norwegens und Russlands. Die betreffenden Teammitglieder seien umgehend isoliert worden, teilte die IBU am Donnerstagabend mit. Im Tschechischen Team wurde ein Athlet sowie ein weiteres Mitglied der Mannschaft, der mit dem infizierten Athleten Kontakt hatte, in Quarantäne geschickt. Bei den drei übrigen Nationen waren keine Biathleten, sondern andere Mannschaftsangehörige betroffen. Wie die IBU erklärte, sei im Falle Norwegens die Kontaktnachverfolgung durch die Behörden noch nicht abgeschlossen.

Laut den Vorgaben der örtlichen Gesundheitsbehörden müssen sich Personen, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden, zehn Tage in Quarantäne, Kontaktpersonen 14 Tage. Insgesamt hat der Biathlon-Weltverband auf den Weltcup-Stationen in Kontiolahti, Hochfilzen und Oberhof bereits 5700 Corona-Tests durchgeführt. 22 positive Fälle wurden dabei ermittelt.

 

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