Biathlon-Weltcup Gedankensprünge

Wenn das Glück fehlt, kommt auch noch Pech hinzu: Denise Herrmann verhakt sich beim Aufsetzen des Gewehrs nach dem Liegendschießen an ihrer Foto:  

Die Norwegerin Tiril Eckhoff gewinnt auch den zweiten Sprint in Oberhof und feiert ihren sechsten Saisonsieg. Franziska Preuß ist mit Rang sechs zufrieden, Denise Herrmann steht weiterhin mit dem Schießstand auf Kriegsfuß.

Oberhof - Es gibt Phasen im Sportlerleben, in denen die gewohnte Souveränität abhandenkommt und das Grübeln in den Vordergrund rückt. Denise Herrmann befindet sich gerade in einer solchen Phase, denn die in Ruhpolding lebende Sächsin ist von den Erfolgen der vergangenen Jahre momentan weit entfernt. Läuferisch präsentierte sich die 32-Jährige am Donnerstag beim Sprint in Oberhof über 7,5 Kilometer zwar in starker Verfassung und war mit der zweitbesten Laufleistung des gesamten Feldes lediglich drei Sekunden langsamer als Tiril Eckhoff aus Norwegen, die ihren sechsten Saisonsieg feierte. Doch beim Schießen, da greifen die Rädchen nicht ineinander.

„Ein Fehler liegend ist ein Fehler zu viel“, sagte Herrmann, die erneut einen Top-Ten-Platz verpasste und sich mit Rang 15 begnügen musste. „Und dann noch die zwei Fehler stehend, mit dieser Bilanz kann man nicht nach vorne laufen.“ Dass sie sich nach dem Liegendschießen beim Aufsetzen des Gewehrs an ihrer Uhr verhakte, passte ins Bild.

Es seien zu viele Gedankensprünge, die ihr zurzeit durch den Kopf geisterten, berichtete die Verfolgungs-Weltmeisterin von 2019. „Ich hoffe, dass ich beim nächsten Weltcup in Antholz am Schießstand meine Sachen so mache, wie ich mir das eigentlich vorstelle.“ Sie brauche ein Erfolgserlebnis, betonte Herrmann: „Ich glaube, dass mir das für den Kopf helfen würde. Denn es gelingt mir aktuell nicht, stehend unter Belastung konstant zu schießen. Es fehlen zwar nur minimale Zehntelprozente, es liegt an dieser kleinen Verknüpfung zwischen Hirn und Finger. Aber das hat im Wettkampf leider große Auswirkungen.“

Während Herrmann haderte und vier Wochen vor der WM im slowenischen Pokljuka das perfekte Gesamtpaket sucht, scheint die Tendenz bei Franziska Preuß leicht nach oben zu zeigen. Ein Fehler im Stehendschießen, eine tadellose Liegend-Einlage, Rang sechs – damit konnte die Oberbayerin prima leben. Und auch der Rückstand auf das Podest (20,9 Se-kunden) hielt sich in Grenzen.

„Ich wollte diesmal wieder vorn mit dabei sein, nachdem ich letzte Woche hier in Oberhof einen ziem-lichen Durchhänger hatte“, sagte Preuß, die im Sprint am vergangenen Freitag mit Rang 14 unter ihren Möglichkeiten geblieben war. „Ich musste mich nach dem ersten Rennen im neuen Jahr ein bisschen schütteln und rütteln. Mit dem zweiten Sprintrennen bin ich richtig zufrieden. Dieser Aufschwung ist wichtig – und ich muss schauen, dass ich im Hinblick auf die WM so weitermache.“

Zwischen Preuß und Herrmann schob sich Janina Hettich, die als zweitbeste Deutsche auf Rang 13 ins Ziel kam. Die von Bauchschmerzen geplagte Schwarzwälderin blieb ohne Schießfehler, war aber läuferisch nicht in der Lage, ihre Treffsicherheit in eine Platzierung unter den besten zehn umzusetzen. Rang 17 ging an die ebenfalls fehlerfrei schießende Winterbergerin Maren Hammerschmidt. Vanessa Hinz (ein Fehler) als 31. und Anna Weidel (3) als 80. waren deutlich abgeschlagen.

Erneut nicht stoppen ließ sich Tiril Eckhoff, die bereits den Oberhofer Sprint in der Vorwoche gewonnen hatte. „Es war ein sehr guter Lauf, ich bin total zufrieden“, sagte die Zweite des Gesamtweltcups, die trotz eines Fehlers im Stehendschießen dominierte und nach dem Rennen darüber staunte, wie winterlich sich Oberhof in diesem Jahr präsentiert: „So viel Schnee, es ist schön hier.“

Dorothea Wierer (Italien) kam auf Rang zwei, Dritte wurde die Österreicherin Lisa Hauser – Südtirol vor Nordtirol. Hauser bestätigte einmal mehr ihre starke Form und brachte das Kunststück fertig, alle drei Oberhofer Einzelrennen dieses Jahres auf dem Bronzerang zu beenden.

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