Biathlon-Weltcup „Eine unbezahlbare Werbung für Thüringen“

„Große Chance, positiv in Erscheinung zu treten“: Thüringers Finanzstaatssekretär Hartmut Schubert. Foto: imago/foto2press/Steffen Prößdorf

Keine Fans, aber ein hoher Mehraufwand: Der diesjährige Biathlon-Weltcup in Oberhof könnte ein Loch von bis zu einer Million Euro reißen. Doch für Thüringers Finanzstaatssekretär Hartmut Schubert wäre eine Absage „ein ganz schlechtes Signal“ gewesen.

Oberhof - An diesem Freitag beginnt der erste der zwei Biathlon-Weltcups des neuen Jahres in Oberhof. Erstmals im Thüringer Biathlon-Mekka wegen Corona ohne Fans und mit hohem Mehraufwand. Das kostet viel Geld und bringt wenig ein. Dennoch ist die Austragung wichtig, sagt der Thüringer Finanzstaatssekretär Hartmut Schubert im Interview.

Herr Schubert, keine Zuschauer in Oberhof, viel organisatorischer Aufwand. Was sprach dennoch für die Austragung?

Wir haben jetzt zwei Problematiken: Wir sind wegen des Umbaus für die WM 2023 eine Baustelle und dann dazu Corona. Dann ist es natürlich eine besondere Herausforderung, das zu machen. Aber man muss sehen, welchen Mehrwert das Ganze hat, die Fernsehquoten sind stabil und das ist auch eine unbezahlbare Werbung für Thüringen und Oberhof. So haben wir die große Chance, positiv in Erscheinung zu treten. Ansonsten hätte das bei einer Absage schnell auch einen negativen Touch gehabt.

War ein Nein überhaupt eine Option?

Man kann immer Nein sagen, aber das wäre ein ganz schlechtes Signal an alle möglichen Seiten gewesen. Zum Beispiel an die Spitzenverbände, die von uns erwartet haben, dass wir das machen. Zwar gab es keine direkte Aufforderung, aber bei den Gesprächen war deutlich der Wunsch spürbar.

Mit welchem Minus rechnen Sie? 

Es gibt eine Planung, bei welcher wir jetzt unter einer Million Euro Fehlbetrag liegen. Es ist trotzdem immer noch ein Worst Case Szenario. Was am Ende rauskommt, kann man heute noch nicht sagen. Es wird nicht so sein, dass wir Gewinne erzielen oder mit einer schwarzen Null nach dem Winter rauskommen. Aber unser Ziel ist es, dass wir möglichst noch Corona-Hilfen bekommen können, das haben wir beim Freistaat Thüringen und beim Bund beantragt. Durch das Land wurden erste Mittel auch bereitgestellt.

Was entgegnen Sie Leuten, die sagen, dass die Mittel woanders besser eingesetzt wären?

Wenn Volleyball, Handball und Fußball in der Coronazeit Geld bekommen, warum nicht auch der Wintersport aus dem Corona-Hilfspaket. Was dann überbleibt, muss man dann durch mögliche Überschüsse in den Folgejahren ausgleichen, das ist unser Ziel. Die GmbH hat ja laufende Kosten, ob nun ein Weltcup stattfindet oder nicht. Diese Ausgaben wären ohnehin aufgetreten, dann hätte man quasi ein Minus, ohne dass man eine Veranstaltung hat. Das finde ich auch mit Blick auf den Werbewert für den Freistaat noch mal schlimmer. Wie will man erklären, dass man Corona-Hilfen braucht, obwohl man gar keine Veranstaltung durchführt, auch wenn das grundsätzlich möglich ist.

Wie wichtig ist die Entscheidung für den Standort Oberhof?

Wichtig ist der langfristige Blick auf das Projekt. Die Entscheidung zur Übernahme der Ausrichtergesellschaft durch den Zweckverband erfolgte mit Blick auf die WM 2023. Damit schaffen wir Planungssicherheit und ein Backup für die jetzige schwierige Zeit. Und dann kommen auch wieder bessere Zeiten mit Zuschauern und der WM. Mit professioneller Arbeit wird der Zweckverband als Eigentümer dafür Sorge tragen, dass die GmbH ihre Aufgaben weiter erfüllen kann. Nur so können wir langfristig die momentanen Mindereinnahmen ausgleichen.

 

ZUR PERSON:

Hartmut Schubert (60) ist Thüringer Finanzstaatssekretär und seit 2018 auch WM- und Oberhof-Beauftragter der Landesregierung.

 

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