Biathlon-Weltcup Die neue Wolfsschlucht

Rasant bergab: Vanessa Hinz in der neuen, breiten Abfahrt zwischen Birxstieg und FIS-Schneise. Die Athleten erreichen hier bereits im Training Geschwindigkeiten von über 70 km/h. Foto: Gerhard König/Gerhard König

Geschwindigkeiten über 80 km/h erreichten die Athleten einst in Oberhof in der Wolfsschlucht. Im geänderten Streckenlabyrinth gibt es nun eine neue Hochgeschwindigkeitspassage. Auch der Birxstieg sorgt für Gesprächsstoff.

Oberhof - Über den „neuen“ Birxstieg will Erik Lesser am besten gar nicht reden. Natürlich redet er dann doch. „Der Birx war bisher lang und steil. Jetzt ist er noch länger und noch steiler“, stellt Lesser verärgert fest. Der Anstieg habe zusätzlich an Würze gewonnen, die Selektion sei noch größer und es gebe im weiteren Verlauf der Runde kaum noch Chancen zum Zeitgutmachen. „Wer in Form ist, wird ihn lieben, wer nicht, wird ihn hassen“, sagt Lesser. „Ja, der Birx ist die alles entscheidende Stelle. Hier trennt sich im Laufen Spreu vom Weizen“, betont auch Philipp Horn.

Die Verlängerung des markanten Anstiegs ist den Umbaumaßnahmen für die WM 2023 geschuldet. An dem zuschauerträchtigsten Streckenabschnitt wurde am höchsten Punkt ein riesengroßer Tunnel zum Durchgang für die Fans errichtet. Damit änderte sich – zum Unmut vieler Athleten – auch das Streckenprofil. Hinzu kommt, dass die Skijäger jetzt bei der Einfahrt in die Birxstiegpas-sage weniger Tempo haben. „Man muss also auch viel früher anfangen mit Arbeiten“, berichtet Horn. Wo es noch höher hinaus geht, geht es auch wieder steil bergab. Auf den kürzeren Laufrunden von 1,5 oder 2 Kilometer biegen die Athleten am Scheitelpunkt des Birx’ praktisch wieder direkt in Richtung Stadion ab – und bekommen ein Höllentempo drauf. „Wir haben im Training hier mal die Geschwindigkeit gemessen und hatten fast 75 km/h auf der Uhr“, berichtet Lucas Fratzscher, „da sollte man sich nicht hinlegen.“

Mit Wettkampfski dürften sogar über 80 km/h erreicht werden – wie früher in der berühmt-berüchtigten Wolfsschlucht . Die nach dem einstigen Wettkampfchef Karl-Heinz Wolf benannte steile Abfahrt wurde wegen ihrer Gefährlichkeit und der Probleme bei der Präparierung mit Kunstschnee aus dem Streckennetz genommen. ts

 

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